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Die meisten Sperren betreffen Strom

Beratung zu Energiearmut wird ausgeweitet

15.04.2015, 08:45

Die Beratung für Menschen, die Energieschulden haben und denen deshalb die Energieversorgung gesperrt oder die Sperrung angedroht wurde, sei ein voller Erfolg, so die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Rund 350 Menschen wurden in den vergangenen zwei Jahren im Mainzer Pilotprojekt "Energiearmut vorbeugen - Energiekostenberatung" betreut.

Die Ergebnisse der wissenschaftlichen Auswertung des Projektes belegen, dass viele Betroffene ihre Interessen gegenüber Energieversorgern und sozialen Behörden alleine nicht durchsetzen konnten. Mit Hilfe der Beratung wurden jedoch über 80 Prozent der Stromsperren aufgehoben und für 80 Prozent der Betroffenen konnte eine langfristige Verbesserung ihrer finanziellen Situation erreicht werden. Ab Sommer wird die Beratung deshalb auf die Städte Kaiserslautern, Koblenz, Ludwigshafen, Pirmasens und Trier ausgeweitet werden.

Bisher lagen über die Entstehung von Energiearmut so gut wie keine wissenschaftlich fundierten Daten vor. Für Wirtschaftsministerin Eveline Lemke ist die Erkenntnis entscheidend, dass es nicht nur um steigende Energiepreise geht: "Es hat sich gezeigt, dass es zu kurz gedacht ist, Energieschulden nur durch steigende Energiepreise zu erklären. Dahinter steht meist eine Fülle von Ursachen, die wir Schritt für Schritt weiter analysieren und, wo es möglich ist, beheben wollen."

Zwei Drittel der Ratsuchenden wenden sich wegen Stromschulden an die Verbraucherzentrale. Die Mehrheit hat im Vorfeld der Beratung versucht, die Probleme selbst zu lösen. Ein Großteil ist gescheitert. Hohe Nachforderungen waren in vielen Fällen der Auslöser für Zahlungsschwierigkeiten. Jeweils rund 40 Prozent der Ratsuchenden stand eine Energiesperre bevor oder die Versorgung war bereits gekappt. In mehr als 80 Prozent der Fälle haben Versorger nach Intervention der Verbraucherzentrale bestehende Energiesperren aufgehoben.

"Energieschulden haben sehr unterschiedliche Hintergründe", zieht Projektleiterin Antje Kahlheber Bilanz. "Viele Menschen verlieren in Krisensituationen den Überblick über ihre Finanzen oder sind überfordert." Besonders betroffen sind berufstätige Alleinerziehende, Menschen mit Migrationshintergrund, Analphabeten sowie psychisch Erkrankte. Über einen längeren Zeitraum wird ein neues Verhalten im Umgang mit Rechnungen, Energieverbrauch und Prioritäten eingeübt oder eine Lösung für die Überlastung gesucht, teilweise mit Hilfe einer Schuldnerberatung oder psychosozialen Betreuung.

Aber nicht nur Krisensituationen, auch Dauerprobleme sind häufig: "Jeder zweite beratene Haushalt muss mindestens 10 Prozent seines Einkommens für Energiekosten aufwenden", so Antje Kahlheber. "Ein Drittel der Ratsuchenden sogar mehr als 15 Prozent." Doch nur knapp die Hälfte der Haushalte hat einen erhöhten Energieverbrauch. Teure Stromtarife, elektrische Heizung oder Warmwasserbereitung oder nachteilige Heizwärmeverträge treiben die Energiekosten oft in die Höhe.

"Es gibt unterschiedliche Ansatzpunkte, diese Situationen kurz- bzw. langfristig zu entschärfen", erläutert Kahlheber. "Wir loten in der Beratung Spielräume aus und nutzen diese." Dies kann durch einen Antrag für einen Zuschuss bei den Sozialleistungen geschehen, eine rechtliche Überprüfung der Verträge oder durch technische Vor-Ort-Beratungen bei erhöhten Verbräuchen.

An Grenzen stößt die Beratung, wenn strukturelle Probleme Ursache für die Zahlungsschwierigkeiten sind. Hohe Strompreise spielen dabei nicht die einzige Rolle. Defizite, wie eine schnell veranlasste oder unzureichend angekündigte Energiesperre oder die Unterdeckung der Energiekosten durch Transferleistungen wie Arbeitslosengeld können nicht allein durch die Beratung gelöst werden. An die Versorger appelliert die Verbraucherzentrale, bei Ratenplänen kundenfreundlich vorzugehen. "Es gibt Versorger, die keine Ratenpläne anbieten oder erst ab einer sehr hohen Summe, während sie eine Energiesperre schon ab hundert Euro Rückstand verhängen", kritisiert Kahlheber. "Das ist unverhältnismäßig." Auch lohne es sich über kürzere Abrechnungszeiträume nachzudenken. Die meisten Menschen können nicht abschätzen, welche finanziellen Belastungen mit der Jahresabrechnung auf sie zukommen.

Sozialbehörden sind angehalten, einkommensschwache Haushalte schneller zu unterstützen und Darlehen für Notfallhilfen leichter zu gewähren. Vermieter sollten nicht nur eigene Investitionskosten einsparen, sondern auch an ihre Mieter denken, wenn sie statt einer Anbindung an Zentralheizung oder Gastherme elektrische Warmwassergeräte einbauen. VZ Rheinland-Pfalz / pgl

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