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Budget und Zeitmangel gelten als Hemmnisse

Akzeptanz für Energiewende wächst

02.05.2015, 11:30

Die Akzeptanz der Energiewende unter den Bürgerinnen und Bürgern der Region Oberrhein wächst schneller als ihre Bereitschaft, in Gebäudedämmung und moderne Heizungsanlagen zu investieren. Zu geringes Budget, Zeitmangel und fehlende Mitsprachemöglichkeiten werden als größte Einschränkungen genannt. Und: Obwohl die Kostenverteilung der Energiewende als ungerecht empfunden wird, herrscht eine überdurchschnittliche Bereitschaft, die Mehrkosten für die Energiewende grundsätzlich mitzutragen. So lässt sich das Stimmungsbild unter 2.200 Bürgerinnen und Bürgern zusammenfassen, die die Klimapartner Oberrhein im Rahmen des Energiewende-Index (EWI) befragt haben.

Mit dem EWI haben die Klimapartner nun zum zweiten Mal nach 2013 das Meinungs- und Geschäftsklima rund um die Energiewende gemessen. Kern der Untersuchung ist die Kombination einer Online-Bürgerumfrage mit der umfangreichen Erhebung von amtlichen statistischen Daten zum Fortschritt der Energiewende. Beide Messungen münden in einen fünfteiligen Index, der 2015 leicht positiv gegenüber 2013 ausfällt. An der Umfrage, die die Klimapartner von Oktober 2014 bis Februar 2015 durchgeführt haben, nahmen rund 2.200 Personen teil. Deren grundsätzliche Zustimmung zur Energiewende ist – ähnlich wie bei der Nullmessung 2013 – eindeutig messbar und ist gegenüber 2013 nochmals gestiegen.

Nutzen und Akzeptanz der Energiewende werden von den Befragten im Allgemeinen noch höher eingeschätzt als 2013 (von 5,2 auf 6 auf einer 7er-Skala). Dies gilt auch und vor allem für die Akzeptanz von Anlagen, die in der eigenen Gemeinde stehen: Im Rahmen der Untersuchung konnte festgestellt werden, dass eine starke Korrelation der Akzeptanz unter den Bürgern mit dem Ausbaustand der erneuerbaren Energieträger vor Ort besteht.

Messbar ist gegenüber 2013 zudem ein stärkerer Einfluss der Energiewende auf die Lebensqualität (von 4,5 auf knapp 5). Grundsätzlich ist diese in der Region vor allem im Landes- und Bundesvergleich überdurchschnittlich ausgeprägt und entsprechend von fast allen Umfrageteilnehmern durchweg positiv bewertet worden. Trotzdem nennen viele Befragte das AKW Fessenheim, Lärm und Verkehr als Einschränkung ihrer Lebensqualität.

Langsamer als die grundsätzliche Akzeptanz der Energiewende ist die Bereitschaft der Bürgerinnen und Bürger gewachsen, staatliche Förderung für Investitionen in die energetische Modernisierung der eigenen Immobilie zu beanspruchen. Im Vergleich zur Voruntersuchung wurde in den untersuchten Landkreisen weniger auf die KfW-Förderung für die Sanierung privater Gebäude zugegriffen (minus 18%). Einerseits muss hierbei die ersatzweise Beschaffung von Krediten auf dem privaten Geldmarkt in Erwägung gezogen werden, andererseits wird fehlendes Budget (35%) am häufigsten genannt, wenn es um Hinderungsgründe geht, stärker in Energieeffizienz zu investieren. Auch Zeitmangel (34%) sowie mangelnde Mitsprachemöglichkeiten (32%) werden am häufigsten genannt.

Tatsächlich ist die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien (Strommenge pro Jahr und Einwohner) gegenüber der Messung 2013 nochmals leicht angestiegen. Gemessen wurden seit 2013 zudem ein Zuwachs der ausgeschütteten EEG-Vergütung sowie die Steigerung des regenerativen Anteils am gesamten Strommix. Vor allem die Stromerzeugung aus Biomasse, Fotovoltaik und Wind hat den leichten Zuwachs gegenüber 2013 getragen.

Ein starker Fokus wurde in der Befragung auf die Akzeptanz von Anlagen gelegt, die in den Wohnorten der Befragten Strom aus Erneuerbaren Energien erzeugen: die größte Akzeptanz zeigen die Befragten gegenüber Fotovoltaik (5,6) und Wasserkraftanlagen (6) – etwas abgeschlagen aber immer noch mehrheitlich positiv bewertet sind Biomasse (4,5) und Windkraftanlagen (5,1). Geothermieanlagen wollen die meisten Teilnehmer nicht in ihrer Gemeinde haben (3,6).

Das Gros der Umfrageteilnehmer gab bei der Beurteilung einzelner Energieträger auch an, dass ihnen ein hoher Anteil lokal erzeugter Windenergie wichtiger sei als ein Landschaftsbild ohne Erzeugungsanlagen (5,1). Noch weniger Teilnehmer als in der Voruntersuchung 2013 sprechen sich für Kohle- oder Atomkraftwerke aus (von knapp 2 auf 1,6 bzw. 1,4). Selbst unter der Annahme, dass dadurch die Strompreise sinken, sprechen sich die wenigsten Teilnehmer dafür aus, den Atomausstieg wieder rückgängig zu machen (1,9).

Die Kosten der Energiewende wurden in der aktuellen EWI-Messung anlässlich der öffentlichen Diskussion um dieses Thema wesentlich stärker als noch 2013 in den Fokus der Untersuchung genommen: Zwar empfindet ein Teil der Umfrageteilnehmer die Energiewende als zu teuer (3,6), mehrheitlich sind sie aber dazu bereit, die Kosten der Energiewende mitzutragen (4,8). Trotz der großen Bereitschaft beurteilen die meisten Umfrageteilnehmer die Kostenverteilung jedoch als nicht gerecht (3,0). Wenig Einfluss hat dies auf die Kaufentscheidung der Teilnehmer: die Meisten bekundeten ihre Bereitschaft, für lokal aus regenerativ Energien erzeugten Strom einen Mehrpreis zu bezahlen (5,1).

Die Anzahl derjenigen Haushalte, die aktuell Investitionen in eine energieeffiziente Heizung, in die Sanierung des Gebäudes oder eine PV-Anlage beabsichtigen, ist gegenüber 2013 leicht gesunken (um 4%). In drei Landkreisen stagniert zudem der Zugriff auf staatliche Fördermaßnahmen für Wärmeerzeugungsanlagen über das bundesweite Förderprogramm MAP (Marktanreizprogramm) vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA), das damit Heizungsanlagen fördert, die auf Biomasse, Solar- oder Geothermie basieren. Ähnlich sieht es bei den Umwelt- und Energieeffizienzprogrammen der KfW für Stromerzeugungsanlagen, Umweltschutzmaßnahmen, Innovationsprogramme und Wärmenetze im gewerblichen Bereich aus. Klimapartner Oberrhein / pgl

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