Forschungsverbund soll Markthemmnisse beseitigen

Dämmung mit Nachwachsenden braucht mehr Brandschutz

Manche Hersteller bieten schon optimierten Brandschutz. © Homatherm

Ein Forschungsverbund soll den Einsatz Nachwachsender Rohstoffe voranbringen.

Mit einem Forschungsverbund von Herstellern und Wissenschaftlern will die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) den Einsatz von natürlichen Dämmstoffen am Bau unterstützen. Projektvorschläge können noch bis zum 30. April eingereicht werden

"Ziel ist, die Vorteile und den Zusatznutzen von Dämmstoffen mit Zahlen und Daten zu belegen", sagt Birgit Herrmann, Referentin für Bauen und Wohnen der FNR. Sie erwartet, dass der Forschungsverbund auch Konzepte entwickelt, um den Brandschutz zu gewährleisten. Das Glimmen, das nach dem Löschen eines Brandes zur Wiederentzündung führen kann, ist ein Problem nachwachsender Dämmstoffe. Eine Lösung könnten beispielsweise Anweisungen für die Feuerwehr sein, die Dämmung um einen Brandherd in einem bestimmten Abstand auszufachen, sagt Hermann. Mit einer Entscheidung, welcher Forschungsverbund von der FNR unterstützt wird, rechnet sie für Ende des Jahres.

Einsatz in Mehrgeschossern ist nur eingeschränkt möglich

Beim Einsatz in Mehrgeschossern stoßen nachwachsende Dämmstoffe bisher an bauordnungsrechtliche Grenzen, weil sie in der Regel in die Brandschutzklasse B2 - normalentflammbar - eingeordnet werden. Allerdings kommt hier gerade Bewegung in die Sache. "Seit 1. März hat Baden-Württemberg seine Bauordnung so verändert, dass brennbare Materialien auch in Mehrgeschossern nicht von vornherein ausgeschlossen sind, sondern die Konstruktion den Brandschutz gewährleisten muss", berichtet Andreas Brückner von der FNR. Dämmstoffe könnten etwa im Wandaufbau mit Holz verkapselt werden. Damit gäbe es mehr Möglichkeiten für ihren Einsatz. Bei einzelnen Herstellern gibt es schon schwer entflammbare WDVS-Produkte auf Holzbasis.

Zur Vereinheitlichung der unterschiedlichen Rechtsgrundlagen in den Bundesländern will ein Runder Tisch beitragen, den das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft unter Federführung der FNR in Berlin veranstaltet. "Das erste Thema am 19. März wird der Brandschutz sei", sagte eine Sprecherin des Ministeriums.

Verbunden mit dem Brandschutz ist das Problem der Flammschutzmittel: "Bei den meisten Dämmstoffen aus Nawaro sind mehr oder weniger problematische Brandschutzmittel enthalten", schreibt Arnold Drewer, Geschäftsführer des Instituts für preisoptimierte energetische Gebäudemodernisierung, in einer Diskussion in der Facebookgruppe "Dämmstoffe Pro & Contra". Meist wird Borsalz eingesetzt. Zu den Ausnahmen gehören Kork und Seegras, die von Natur aus die Brandstoffklasse 2 erreichen. Borsalz ist als Gefahrstoff klassifiziert, hat aber keinen Dampfdruck. "Einmal verbaut, dünstet er nicht aus. Eine Belastung der Raumluft erfolgt nicht", sagt der Holzschutzexperte André Peylo. Trotzdem dürfe Borsalz seit 2009 nur noch in einer Konzentration von weniger als 5,5 Prozent in Dämmstoffen enthalten sein. Als Ersatz werde nun häufig Aluminiumsulfat (Alaun) eingesetzt, das unter dem akuten Verdacht stehe, Alzheimer hervorzurufen, kritisiert Peylo.

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Die Recyclingfähigkeit durch Kompostierung wird durch die Zusatzstoffe eingeschränkt: "Bisher unternommene Versuche verliefen aufgrund von Zusätzen zur Flamm- und Fraßhemmung negativ", schreibt die Bundesregierung in ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Grünen im Bundestag zu Dämmstoffen für die energetische Sanierung.

Nachwachsende Dämmstoffe bringen also auch ihre Probleme mit. "Grundsätzlich müsste es zur Energiewende aber auch eine Rohstoffwende geben. Davon sind wir noch weit weg", sagt Brückner. Zwar sei die Energiewende mit nachwachsenden Rohstoffen allein nicht zu schaffen. Doch die Palette der Alternativen zu synthetischen und mineralischen Materialien ist groß.

Zur Verfügung stehen bei Dämmung aus nachwachsenden Rohstoffen Baumwolle, Flachs, Getreidegranulat, Hanf, Holz, Kokos, Kork, Rohrkolben, Schafwolle, Schilf, Seegras, Stroh, Wiesengras und Zellulose. Die meisten beschreibt die FNR in der Broschüre "Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen". 2011 betrug der Marktanteil von Ökodämmstoffen nach Berechnungen der FNR sieben Prozent. Ein Umsatzplus von zwei Prozent gegenüber dem Vorjahr ermittelte der Branchenradar Dämmstoffe für 2014.

Zellulose und Holzfasern kommen häufig zum Einsatz

Zellulose und Holzfasern stellen den Löwenanteil. Hanf ist mit zwei Prozent schon ein Nischenprodukt, alle anderen firmieren unter ferner liefen. Eine Frage ist die Verfügbarkeit von biobasierten Dämmstoffen. Stroh ist in großen Mengen vorhanden. Auch bei Seegras dürfte es keine Probleme geben. So schrieb die Hansestadt Lübeck kürzlich einen Auftrag über die Abfuhr von 15.000 Tonnen Seegras (Zostera marina)aus. "Genau mit solchem Seegras wurde das Ostsee-Infocenter in Eckernförde gedämmt", sagt Bauleiter Jochen Schulze. Allerdings stehe die aufwändige Aufbereitung einem häufigeren Einsatz von Seegras bisher entgegen. Weite Transportwege - auch ein Aspekt für die Bewertung nachwachsender Dämmstoffe - hat das Seegras Posidonia oceanica. Es wird unter dem Markennamen Neptutherm verkauft und stammt vom Mittelmeer.

Andere Pflanzen werden nur in so geringen Mengen angebaut, dass die Verbraucher "keine Monokulturen befürchten müssen", sagt Andreas Brückner von der FNR. Kleine Mengen bedeuten aber auch hohe Preise. Am günstigsten ist mit 17,50 Euro pro Quadratmeter die Einblasdämmung aus Zellulose, so eine Preisübersicht der FNR. Es folgen Schütthanf (22 Euro), flexible Holzfaserplatten (29,50 Euro), Hanfmatten (30 Euro), Flachs (34,50 Euro) und feste Holzfaserplatten (41,50 Euro). Für Flachs kennt Andreas Brückner nur einen Hersteller in der Schweiz. "Das ist ein Zeichen, dass manche Nischenprodukte es wirtschaftlich nicht geschafft haben". Sie seien trotz eines Markteinführungsprogramms "nicht wirklich günstiger geworden". Bei den Preisen der Ökodämmstoffe muss Goodwill also vorhanden, wenn man sie einsetzen will. "Sonst würde man nach dem günstigsten Produkt greifen und das ist Polystyrol", sagt Brückner.

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Wo ein Wille ist, ist aber auch ein Weg. So hat die Firma Schelfbauhütte in Schwerin Stroh als Außendämmung im Altbau eingesetzt. Landläufig lautet die Meinung, Stroh sei nur für Neubauten geeignet. Befestigt wurden die Ballen mit einer neuartigen Halterung aus Kunststoff. Darüber sind Holzweichfaserplatten angebracht. "Damit erreicht die Dämmung die Brandschutzklasse normalentflammbar", sagt Philip Besemer von der Schelfbauhütte. Die Feuerwiderstandsklasse stehe noch nicht fest. "Weil Strohdämmung so dicht gepresst ist, dass sie kaum Sauerstoff enthält, erreicht sie in der Regel die Klasse F 30, also einen Widerstand von 30 Minuten. Wir vergleichen das immer mit einem Telefonbuch", erklärt Burkard Rüger vom Fachverband Stohballenbau Deutschland. Aus diesem Grund braucht Stroh auch keine Flammschutzmittel oder eine Ausrüstung gegen Schädlinge. Auch wurden vor gut einem halben Jahr die bauaufsichtlichen Zulassungen von Stroh erweitert.

Forscher arbeiten an Schaumstoff aus Holz

Gegenüber dem Low-Tech-Produkt Strohballen gibt es auch hochtechnisierte Entwicklungen: Das Fraunhofer-Institut für Holzforschung WKI hat ein Verfahren entwickelt, mit dem es aus Holzpartikeln Schaumstoff herstellt. Das Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik arbeitet an Schaumstoffen auf der Basis von Zelluloseacetat. Ein Aufsatz dazu ist im Tagungsband "Bauen mit nachwachsenden Rohstoffen" erschienen. Die Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde untersucht den Einsatz heimischer Baumrinde, die Verwendung von Nanozellulose in Bioschäumen ist Teil des Projekts Biofoambark der Universität Freiburg.

Verbunden sind viele dieser Verfahren noch mit einem hohen Einsatz von Energie. In einer Nachhaltigkeitsbewertung, wie sie der Forschungsverbund der FNR vornehmen soll, wird auch dies eine Rolle spielen. Die meisten nachwachsenden Dämmstoffe schneiden hier sehr gut ab. Ausnahmen sind Kork und Holzfaserdämmplatten, die aufwändig erhitzt beziehungsweise getrocknet werden. Das Nachweisverfahren der Energieeinsparverordnung klammert die Verwendung graue Energie bisher aus. Die Daten dazu sind aber in der Datenbank "oekobaudat.de" enthalten. Susanne Ehlerding

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