Plastikmüll soll zu Baumaterial werden

Byfusion will Kunststoffmüll zu Bausteinen verpressen

Plastikmüll will Byfusion zum Baustoff machen. © Alterfalter / Fotolia

Mit der Idee, Kunststoff zu Bausteinen zu pressen wirbt das amerikanische Unternehmen Byfusion. Experten sind skeptisch ob das Sinn macht.

Die Idee erscheint so simpel, dass - wenn sie funktionierte - man sich fragen müsste, warum nicht längst jemand darauf gekommen ist: Das US- Unternehmen Byfusion wirbt damit, sämtliche Arten von Plastikmüll unsortiert und ungewaschen recyceln zu können.

Dazu hat das Start-up eine spezielle Presse in einen 40-Fuß-Container installiert. Die ersten Produktionsfilme sollen zeigen, wie die Plastikabfälle unter Beigabe von heißem Wasser zu festen Blöcken gepresst werden. Diese sollen dann unter dem Namen RePlast ähnlich wie Betonbausteine verwendbar sein.

Doch mehr als ein paar Prototypen gibt es bislang nicht. Seit Monaten hat die öffentlich bereits mit Vorschusslorbeeren bedachte Firma sich nicht mehr zum Produktionsstart geäußert, eine Anfrage von EnBausa.de blieb unbeantwortet.

Fachleute sehen diese Art der Wiederverwendung ohnehin skeptisch. Das reine Verpressen von Kunststoffabfall habe "keinerlei nachhaltigen Nutzen", meint Christian Bonten, Leiter des Instituts für Kunststofftechnik der Universität Stuttgart. "Der wertvolle Werkstoff wird dabei weder thermisch verwertet (als Öl- und Gasersatz), noch recycelt."

Er verweist darauf, dass es andere, "wundervolle Recyclingmöglichkeiten" gebe. Diese sind auch für das Bauwesen bereits etabliert. Der einzige Unterschied: Die Kunststoff-Abfälle werden in ihre einzelnen Fraktionen aufgeteilt und dann weiterverwendet.

Schon heute ist es möglich, ungewaschene Lebensmittelverpackungen aus Polyethylen (PE) und Polypropylen (PP) sowie Industrieabfälle zu recyceln, wie Philipp Mahr, Betriebsleiter der Reluma International in Großrückerswalde bestätigt. "Anhaftungen etwa von Jogurt und anderen Lebensmitteln stören uns nicht." Das Unternehmen stellt aus 100 Prozent Recycling-Kunststoffen unter anderem Bahnschwellen, Terassen- und Wegebeplankungen sowie Profile, Bretter und Pfähle her, die beispielsweise im Landschafts- und Wasserbau verwendet werden.

Üblicherweise fertigt man die Bauelemente, indem man den Grundstoff in Form von Pellets, Granulat oder Schredder bis zum Schmelzpunkt erwärmt und dann formt, beispielsweise in feste Formen oder als Endlosprofile drückt. Das ist bei RePlast nicht der Fall, die früheren Kunststoff-Teile sind nach dem Pressen noch erkennbar.

Dass man üblicherweise nicht einfach die unsortierten Stoffe zusammenwirft, hat einen Grund: "Wir verwenden feste Mischungen beispielsweise für Bahnschwellen", sagt Mahr. "Wenn wir diese nicht einhalten würden, könnte es sein, dass die Festigkeitswerte nicht mehr erreicht werden." Unter anderem, weil die verschiedenen Kunststoffe unterschiedliche Schmelzpunkte haben, könnten dann Teile eines Werkstoffs am Stück bleiben, während der andere bereits formbar ist. Befinde sich etwa PVC unter den Ausgangsstoffen, könne es bei der Produktion zudem zu Gasbildung kommen, so Mahr.

Die Sortierung hat einen weiteren Vorteil: Die so hergestellten Bauteile können ebenfalls immer wieder recycelt werden, sagt Mahr. Man biete den Abnehmern so gar an, dass sie die Teile nach deren Nutzung zurückgeben können. Diese würden dann wieder in den Produktionsprozess zurückgeführt.

Wie das bei den verpressten Mischstoffen von ByFusion gelingen könnte, ist unklar. Vermutlich müssten die Materialien dann doch zunächst getrennt werden, was bei Bauteilen, die unter hohem Druck verdichtet wurden, sehr (energie-)aufwändig werden könnte.

Der Kunststoff-Forscher Bonten gibt außerdem zu bedenken, dass die Wiederbenutzung als Füllmaterial für Betonbauten nicht als nachhaltig angesehen werden könne. "Was passiert denn nach 50 Jahren, wenn das Gebäude wieder abgerissen ist?" Es handle sich hier wohl um eine kurzfristige Betrachtungsweise nach dem Motto "aus den Augen, aus dem Sinn." Von Daniel Völpel

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