Vor allem Projekte für Bestandsbauten fehlen

Barrierefreies Bauen kommt nicht voran

Im Neubau ist barrierefreies Bauen gefragt, in der Sanierung kaum. © Ben Baumann

Bei den Bauherren stößt Barrierefreiheit nach wie vor auf wenig Interesse, vor allem in der Sanierung.

Am guten Willen auf der Angebotsseite liegt es nicht: Verbände und Fachgruppen klären auf, die Industrie entwickelt innovative Lösungen, die Verarbeiter erweitern ihr Angebotsspektrum. Trotzdem kommt das barrierefreie Bauen in Deutschland nicht voran. Vorabergebnisse der Jahresanalyse 2015/2016 von Bauinfoconsult zeigen auf, dass sich die Situation im Vergleich zu 2010 noch kaum verändert hat. Dementsprechend ist auch bei den einst hochgesteckten Erwartungen der Architekten und Verarbeiter an das barrierefreie Bauen Nüchternheit eingekehrt.

In der telefonischen Befragung zur Jahresanalyse 2015/2016 wurden Architekten, Bauunternehmer und SHK-Installateure nach dem Anteil ihrer Bauprojekte, bei denen Barrieren im Wohnumfeld beseitigt oder vermieden werden sollen, an ihren Projekten im Vorjahr gefragt. Das Ergebnis: Im Schnitt sind es 18 Prozent ihres Auftragsvolumens: Damit hat sich der Anteil der Projekte am deutschen Bau, bei denen Barrierefreiheit eine Rolle spielt, gegenüber den Vorbefragungen 2010 und 2013 geringfügig verschlechtert.

Angesichts dieser Stagnation haben die Bauakteure auch ihre Hoffnungen an das Segment zurückgesteckt: 2010 herrschte noch Aufbruchsstimmung unter den Planern und Verarbeitern. Im Jahr 2015, so war damals die Prognose der Bauakteure, würden die Bemühungen von Politik und Baubranche Früchte getragen haben und das barrierefreie Bauen im Schnitt einen Anteil von 34 Prozent am eigenen Projektvolumen erreichen – also einem starken Drittel. Die aktuellen Erwartungen der Akteure an das barrierefreie Bauen im Jahr 2020 gehen nicht über einen Anteil von einem Viertel ihrer Projekte hinaus.

Zum einen scheinen die Bauherren im Wohnungsbau nicht langfristig genug zu denken und klammern das Thema Alter oder Einschränkungen weitgehend aus: So können jeweils um die 50 Prozent der Architekten, Bauunternehmer und SHK-Fachleute nicht erkennen, dass jüngere Bauherren im Wohnungsbau barrierefreie Aspekte berücksichtigen. Dennoch sind es vor allem die barrierefreien Bestandsprojekte, die fehlen: Zwei Drittel der barrierefreien Aufträge von Planern und Bauunternehmern sind Neubauprojekte. Selbst bei den SHK-Installateuren, die gut drei Viertel ihres Gesamtumsatzes in der Bad- und Heizungsmodernisierung im Bestand erwirtschaften, hat der Neubau mit 41 Prozent einen starken Anteil an den Projekten im barrierefreien Wohnungsbau. Quelle: Bauinfoconsult / pgl

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