"Der Weg aus der Nische hat begonnen"

- Wolfgang Feist, Passivhaus Institut
Auf der 13. Internationalen Passivhaustagung proklamierte Wolfgang Feist, Chef des Passivhaus Instituts die Internationalisierung der von seinem Institut entwickelten Konzepte. Die bewegten sich von der Nische in die Breite, sagte er im Interview mit EnBauSa.
Was ist aus Ihrer Sicht derzeit die größte Herausforderung?
Feist: Derzeit findet bei Passivhäusern die Entwicklung von der Nischenanwendung zum Mainstream statt. Das ist eine gigantische Herausforderung, weil eine enorme Erweiterung des Produktionsvolumens erforderlich ist. Gleichzeit müssen die Kosten weiter sinken, aber das passt zusammen. Es bedeutet aber auch Stress für die „Altvorderen“, weil Neuankömmlinge dazukommen, die weiter unterrichtet werden müssen. Die zweite große Herausforderung ist die Weiterbildung. Wir haben viele Ingenieure und Architekten, die Passivhaus bauen in Deutschland, aber lange nicht genug.
Wie viele Experten gibt es?
Feist: Zwischen 1000 und 2000. Im Prinzip kann das jeder Architekt, aber es ist beim ersten Mal auf jeden Fall Learning by Doing, einer Weiterbildung. Das geht aber zu langsam. Wir werden ein größeres Angebot an Weiterbildungen bekommen.
"Ein niedriger U-Wert garantiert noch lange kein energieeffizientes Fenster"
Geht es um die energetische Beurteilung von Fenstern, wird heute in der Regel der U-Wert angeführt. Das ist verkürzt und wird der Sache nicht gerecht, kritisiert Norbert Sack, Forschungsleiter am Institut für Fenstertechnik ift Rosenheim. Schließlich ist der U-Wert lediglich das Maß für die Transmissionswärmeverluste, beschreibt also wie viel Wärmeenergie durch das Fenster verloren geht. Solare Energiegewinne durch das Fenster bleiben unberücksichtigt, obwohl sie für die Beurteilung der Energieeffizienz von großer Bedeutung sind. Im EnBauSa-Interview fordert Sack daher eine ganzheitliche Betrachtung.
Was für Fenster werden heute vorwiegend eingebaut?
Sack: In der Mehrzahl werden Fenster mit einer Zweifachverglasung eingebaut, die mit einer Wärmeschutzbeschichtung versehen und mit Gas gefüllt sind, in der Regel mit Argon. Gängige Rahmenmaterialien sind Holz, Kunststoff und Metall, auch Metall-Holz-Rahmen finden Verwendung. Der Wärmedurchgangskoeffizient, also der U-Wert liegt bei 1,3 bis 1,5 W/m²K. Im Bereich der Gebäudesanierung fordert die noch gültige EnergieEinsparverordnung (EnEV) einen Wert von 1,7 W/m²K. Diese Anforderung erfüllen die derzeit am Markt erhältlichen Fenster also bereits mühelos. Für Neubauten gibt es keine Vorgaben für einzelne Bauteile. Hier ist der Primärenergiebedarf des gesamten Gebäudes maßgeblich. »mehr





