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Erweiterung auf europäischen Ansatz kann für Zersplitterung sorgen

Zertifizierung von Beratern bleibt umstritten

11.05.2011, 00:00

Zwei Menschen besprechen sich vor einem Haus
Energieberatung bleibt umstritten. © Braas

Hersteller- und produktneutrale Energieberatung ist wichtig, um das Vertrauen Sanierungswilliger zu gewinnen und Investitionen auszulösen. Der Energieberaterverband GIH Baden-Württemberg und die baden-württembergische Ingenieurkammer haben das Portal "Europäisches Netzwerk qualitätsgeprüfter Energieberater" (Enqe) gestartet. Dort sollen sich Berater ab sofort europaweit zertifizieren und registrieren. Das stößt auf wenig Begeisterung beim Berliner Bundesarbeitskreis Altbauerneuerung, der auf das Portal Energieberater 2020 setzt.

GIH Baden-Württemberg und die baden-württembergische Ingenieurkammer haben für Enqe eine Reihe von Kriterien entwickelt, die gegenüber den Endkunden die Qualität belegen sollen. Der Nachweis der Mindest-Qualifizierung ist das Zertifikat "Energieberater HWK" für die Energieberatung von Wohngebäuden sowie der Nachweis einer absolvierten Qualifizierungsmaßnahme zur DIN V 18599 für die Energieberatung von Nicht-Wohngebäuden, die Verpflichtung zur sinnvollen Fort- und Weiterbildung über 40 Unterrichtsstunden innerhalb von zwei Jahren und eine unterzeichnete Enqe-Selbstverpflichtung. Notwendig ist außerdem eine Referenzliste mit zehn durchgeführten Energieberatungen innerhalb der letzten drei Jahre sowie ein Beratungsbericht. Bei Beratungen und Bemessungen, die nicht vom Energieberater selbst durchgeführt werden, muss ein sachkundiges Büro mit nachgewiesener Qualifikation hinzugezogen werden. Voraussetzung ist zudem eine ausreichende Haftpflichtversicherung. Die Bearbeitungsgebühr für die Zertifizierung, die auch eine Aufnahme in die Datenbank beinhaltet, liegt bei 300 Euro.

In den nächsten Monaten wollen die Initiatoren weitere Mitstreiter zunächst in Deutschland gewinnen. "Wir werden zunächst die Ingenieurkammern der Länder und die Bundesingenieurkammer adressieren", sagt Gerhard Freier, der bei der Ingenieurkammer Baden-Württemberg für das Projekt verantwortlich ist. Er betont, dass das Projekt für weitere Akteure und den Ausbau offen sei. Wichtig sei gewesen, Festlegungen von außen, etwa durch die Politik, zuvorzukommen. "Wenn die Politik das diskutiert sind wir nur 2. Sieger", fürchtet Freier. Solche Festlegungen könnten möglicherweise im Rahmen der EnEV-Reform für das nächste Jahr anstehen, wenn es dort auch Richtlinien für die Energieberatung gibt. Erste Einträge in die Datenbank gibt es bereits, Grundlage ist das Gütesiegel Enqe. "Unsere Siegelträger erfüllen die Qualifikationen", betont Wolf-Dieter Dötterer für den GIH. Derzeit sind das bundesweit zwischen 60 und 80 Menschen. Unterstützt werde der Aufbau der europäischen Plattform auch von der Klima- und Energieagentur Baden-Württemberg, sagt Dötterer.

Dötterer ist sicher, dass die Chancen gut sind, dass sich der Vorstoß auf europäischer Ebene behaupten kann. Energieberater in unterschiedlichen Ländern beginnen derzeit, sich zu organisieren, die Gründung entsprechender Dachverbände in Frankreich und Italien sei derzeit in Vorbereitung, berichtet Dötterer.

Auf wenig Begeisterung stößt der Vorstoß der beiden süddeutschen Verbände bei Ulrich Zink vom Berliner Bundesarbeitskreis Altbauerneuerung (Baka). Gemeinsam mit GIH und dem Deutschen Energieberater Netzwerk (DEN) hatte der Baka vor wenigen Monaten das Portal Energieberater 2020 für Deutschland ins Leben gerufen. Dort ist ebenfalls eine Registrierung beim Nachweis einer Mindestqualifikation und Anmeldegebühr möglich. Die Kriterien sind jedoch in Einzelheiten andere als bei Enqe, so dass es keine wirkliche Vergleichbarkeit gibt. "Mit Enqe wird diese gemeinsame Plattform schon wieder unterteilt", beschwert sich Zink. Es sei nur fruchtbar, in diesem Bereich wirklich gemeinsam vorzugehen, mahnt Zink. Für die Endverbraucher sei die Vielfalt verwirrend und sorge für Verunsicherung. Besser wäre es aus seiner Sicht gewesen, Enqe in bestehende Aktvititäten einzubinden.

Für die Deutsche Energie-Agentur (Dena) ist das Thema Qualifizierung und Zertifizierung von Energieberatern von großer Bedeutung. Aus Sicht der Gebäudeeigentümer sollten Standards im Sinne der Transparenz länderübergreifend umgesetzt werden, betont Romy Reichenberger von der Dena. Die Dena sei hierzu mit verschiedenen Akteuren am Markt in Gesprächen, sagt sie im Gespräch mit EnBauSa.de.

von unserer Redakteurin Pia Grund-Ludwig

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