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Bis 2050 könnten sich Emissionen im Gebäudebereich verdreifachen

Weltklimarat mahnt Umkehr zu CO2-armem Bauen an

08.11.2014, 08:30

Holzfassade vor blauem Himmel
Gute Gebäudehüllen sollen dazu beitragen, den Klimawandel aufzuhalten. © Berres, EnBauSa.de

Der Weltklimarat (IPCC) hat die Ergebnisse des Fünften Sachstandsberichts für einzelne Segmente wie Transport oder Wohnen heruntergebrochen. Eine klare Aussage der Experten: Ohne den Gebäudebereich ist die Energiewende nicht zu schaffen. Gebäude haben 2010 fast ein Drittel des weltweiten Energieverbrauchs verursacht und 19 Prozent der Treibhausgasemissionen. Bis 2050 könnten sich die C02-Emissionen noch einmal verdoppeln bis verdreifachen, wenn kein Umdenken stattfindet. Mit einem Best-Practice-Ansatz dagegen wäre es möglich, den Energieverbrauch zu stabilisieren oder sogar zu senken.

Mit energieeffizienten Technologien, der Effizienz von Systemen und Infrastruktur, der CO2-Effizienz und der Verringerung der Nachfrage nennt der Bericht vier Schwerpunkte, an denen anzusetzen ist. Zu den energieeffizienten Technologien zählen die Experten leistungsstarke Gebäudehüllen, Wärmedämmung und gute Fenster, Strom sparende Haushaltsgeräte und effiziente Heiz-, Lüftungs- und Klimatechnik, verbesserte Gebäudeautomation, die auf veränderte Bedingungen wie unterschiedliche Temperaturen und Lichtverhältnisse reagiert sowie Verdunstungskühlung.

Im Bereich der Systeme und Infrastrukturen verweist der Bericht darauf, dass für die Sanierung von Bestandsgebäuden und den Neubau von Niedrigst- und Nullenergiehäusern das Knowhow vorhanden ist. Bei der Grundsanierung von Altbauen gebe es hohe Einsparpotenziale. Wichtig seien außerdem integrale Planungsprozesse, bei denen der Energieverbrauch bei Planung, Errichtung und Inbetriebnahme eine hohe Priorität genießt. Beim Punkt CO2-Effizienz fordern die Fachleute die Abkehr von fossilen Brennstoffen im Heizungsbereich.

Breiten Raum nimmt im Bericht auch die Frage ein, wie verhindert werden kann, dass sich durch steigenden Wohlstand auch der Energieverbrauch erhöht. Um dem entgegen zu steuern, eignen sich CO2-Bepreisung, Emissionshandel für Privathaushalte, Immobilienbesteuerung abhängig von den CO2-Emissionen der Gebäude und Baunormen mit Verbrauchsbeschränkungen.

Auch in Deutschland werden diese Fragen diskutiert. So hatte der Verband der Heizungsbranche VdZ vorgeschlagen, bei der Grundsteuer die Energieeffizienz eines Gebäudes zu berücksichtigen. Aus der Wohnungswirtschaft kam Widerstand. Beim Versuch, über Steuerabschreibung die Gebäudesanierung anzureizen konnte bislang keine Einigung erzielt werden.

Eine weitere Frage ist die, wie die notwendigen Mittel für die Energiewende bereit gestellt werden können. Einer der Töpfe ist der Energie- und Klimafonds (EKF), der sich aus den Erlösen des Zertifikatehandels speist. Die Einnahmen sind durch den Verfall der Zertifikatepreise instabil. Der Bundesrechnungshof hatte Anfang des Jahres moniert der Emissionshandel sei kein zuverlässiges Finanzierungsinstrument und empfohlen, deshalb den Emissions- und Klimafonds aufzulösen. Die Ausgaben müssten dann vollständig aus dem Haushalt kommen. Auch das hatte sich in der Vergangenheit aber als nicht zielführend erwiesen und zu starken Schwankungen bei der Verfügbarkeit von Fördermitteln geführt.

Die Deutsche Unternehmensinitiative Energieeffizienz Deneff fordert deshalb "den EKF zu erhalten und auszubauen und die Einnahmenseite durch eine dauerhafte Mischfinanzierung aus Emissionshandelserlösen und Haushaltsmitteln zu sichern. Die Bundesregierung diskutiert nun derzeit über den Nationalen Aktionsplan Energieeffizienz (NAPE) und will bis Anfang Dezember über zusätzliche Maßnahmen zur Emissionsreduktion entscheiden. Das könnte eine Chance sein, in einzelnen Bereichen nachzusteuern. Entsprechende Vorschläge liegen auf dem Tisch.

Die Deneff schlägt vor, unter anderem die Steuerförderung für die Gebäudesanierung und die Verbesserung der Verbraucherinformation mit dem NAPE abzudecken.

Hubert Weiger, Vorsitzender des BUND, appellierte an die Bundesregierung, den IPCC-Bericht als Handlungsaufforderung ernst zu nehmen. Deutschland werde die angestrebte Reduzierung der Treibhausgasemissionen um 40 Prozent bis 2020 jedoch eklatant verfehlen, wenn es nicht gelinge, bei den Emissionen aus der Verbrennung fossiler Energien umzusteuern. Dazu gehört aus Sicht des BUND vor allem auch, sich von der Kohle als Energieträger zu verabschieden: "Als Sofortmaßname ist es nötig, zehn Gigawatt an überflüssigen Kohlekraftwerken vom Markt zu nehmen. Dies wäre auch ein Signal an die Gesellschaft, dass alle Politik- und Gesellschaftsbereiche gefordert sind, sich für einen konsequenten Klimaschutz einzusetzen", sagte Weiger.

Doch nicht nur Deutschland und die Staaten Europas sind bei der Frage gefordert, wie Städte und Gebäude zukunftsfähig werden. "Mehr als die Hälfte der städtischen Siedlungsgebiete, die in Entwicklungsländern bis 2030 erwartet werden, sind noch gar nicht gebaut", so die Zusammenfassung der IPCC-Berichts. Er verweist auch auf die Notwendigkeit, in Afrika, Asien und Lateinamerika Maßnahmen im Gebäudesektor zu ergreifen.

In Afrika sei eine Klimaanpassung besonders dringend, da die Folgen der Erderwärmung dort besonders drastisch ausfallen werden. Die Aussicht auf positive Nebenwirkungen könne aber Anreize schaffen, diese Anpassung umzusetzen.

In Asien könnten sich viele Menschen eine aktive Kühlung nicht leisten, "deshalb werden Designlösungen gebraucht, die mit niedrigem Energieeinsatz erträgliche Temperaturen schaffen", so der Bericht. Dabei komme es auch darauf an, sich auf regionale Bautraditionen zu besinnen, um zu verhindern, dass stromfressende Kühlgeräte installiert werden.

Für Lateinamerika, Asien und Afrika gelte, dass diese Regionen besonders anfällig sind für die Folgen des Klimawandels wie Überschwemmungen oder Dürren. Planung und Gestaltung von Gebäuden und Frühwarnsysteme könnten die Anpassung an den Klimawandel erleichtern. von Pia Grund-Ludwig

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