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Öko-Siegel im Baubereich erhalten mehr Zuspruch

Wärmedämmverbundsysteme können Blauen Engel haben

13.03.2010, 04:54

Dämmplatte aus Holz
Einige Holzdämmstoffe haben das Natureplus-Siegel. Bild: Homatherm

Immer mehr Kunden achten darauf, ob die bei einer energetischen Sanierung verwendeten Dämmstoffe umwelt- und gesundheitsverträglich sind. Das zu beurteilen ist für Verbraucher schwierig. Seit kurzem gibt es das Siegel "Blauer Engel" für Innendämmstoffe, seit Anfang des Jahres gibt es das Umweltlogo auch für Wärmedämmverbundsysteme. Zertifikate gibt es auch von Natureplus. Die Zeitschrift Ökotest nimmt Dämmprodukte regelmäßig unter die Lupe, auch wenn die Ergebnisse dieser Untersuchungen nicht immer unumstritten sind. Der "Blaue Engel" wird von der RAL GmbH vergeben. Die Jury Umweltzeichen beschließt die Vergabegrundlage, auf deren Basis der Blaue Engel beantragt werden kann. Die Mitglieder der unabhängigen Jury Umweltzeichen werden vom Bundesumweltministerium berufen.Die fachlichen Vorschläge macht das Umweltbundesamt.

Das Siegel gibt es erst seit knapp einem Jahr auch für Produkte aus dem Baubereich. Im April 2009 wurde die Vergabeverordnung für den Bereich Innendämmung verabschiedet. Mit Isover, Knauf und dem Odenwald Faserplattenwerk haben bislang drei Anbieter Zertifikate für einzelne Produkte erhalten. Damit sei man ganz zufrieden, schließlich nehme die Prüfung einige Zeit in Anspruch, hieß es aus der Prüfstelle. Einige weitere Hersteller hätten bereits Interesse angemeldet. In Zukunft soll es weitere Richtlinien für den Baubereich geben. Verabschiedet ist bereits die Vergabegrundlage für Wärmedämmverbundsysteme. Sie ist seit Januar 2010 publiziert. Da sei die Zeit aber zu kurz, um schon Zertifikate zu haben, heißt es aus der Behörde auf Nachfrage.

Ein Problem für Verbraucher ist aber, dass es Öko-Siegel für die Baubranche schon gibt. So vergibt auch Natureplus Zertifikate im Baubereich in einer ganzen Reihe von Segmenten, unter anderem auch für Dämmstoffe. Dort sind bereits deutlich mehr Produkte mit einem Siegel versehen von Herstellern wie Gutex, Homatherm oder Steico. Die Kriterien von Natureplus unterscheiden sich dabei teilweise auch von denen des Blauen Engels. Vor allem aber sei Natureplus im Bauumfeld besser verankert, meint Andreas Schulze, Marketingchef bei Steico: "In Bezug auf den Blauen Engel muss man abwägen, wie bekannt das ist. Natureplus hat den Ruf, zuverlässig zu urteilen und objektiv zu sein. Darauf verlassen sich die Verbraucher. Daher haben wir uns auch für Natureplus entschieden." Man lasse aber aus wirtschaftlichen Gründen nicht alle Produkte zertifizieren: "Das Natureplus-Siegel ist für uns sehr wertvoll und genießt einen sehr guten Ruf. Jedoch spielen auch wirtschaftliche Aspekte der Zertifizierung eine Rolle. Auch wenn wir alle unsere Produkte Natureplus zertifizieren lassen könnten, so haben wir dies aktuell nur bei den wichtigen Produktreihen Steicoflex, Steicospecial und Steicounderfloor durchführen lassen." Für die Verbraucher sorgt das freilich nicht unbedingt für Transparenz: Produkte ohne Öko-Siegel können genau so gut sein wie Produkte ohne, weil die Hersteller die Kosten für das Zertifikat scheuen.

Schließlich gibt es noch unabhängige Tests, wie sie etwa die Zeitschrift Ökotest vornimmt. Deren letzter Prüfdurchgang im Oktober 2009 hatte vor allem den Anbietern von Dämmstoffen aus nachwachsenden Rohstoffen nicht wirklich gefallen. Die Hälfte der Dämmstoffe hat zwar sehr gut oder gut abgeschnitten. "Einige Materialien können jedoch die Raumluft mit ausgasenden Stoffen und möglicherweise sogar mit Schimmelpilzen belasten", bemängelten die Tester. Eckhard Klopp von der Fachagentur für Nachwachsende Rohstoffe kann das nicht wirklich nachvollziehen. Schimmel sei nicht gleich Schimmel, sagt er. Auch Käse sei Schimmel und werde gegessen, die Relevanz der festgestellten Werte für die bautechnische Eignung und Gesundheit sei unklar, meint er.

Bemängelt hatten die Tester auch Bor als Flammschutz. "Bis vor kurzem galten Borate als Flammschutzmittel in Dämmstoffen noch als tolerabel und wurden auch vom Natureplus-Label akzeptiert", wendet Klopp ein. Viele Borverbindungen "stehen heute in begründetem Verdacht, die Fortpflanzung zu beeinträchtigen", schreibt dagegen Ökotest.

Diese Unklarheit, was gefährlich ist und wie getestet wird, macht es den Herstellern nicht immer leicht. So wurden bei Ökotest im letzten Test Produkte abgewertet, bei denen flüchtige organische Verbindungen (VOC) wie Hexanal festgestellt wurden. Hexanal ist ein Aromastoff. Gemessen wurde er bei Ökotest nach 24 Stunden, Natureplus misst nach 28 Tagen. "Ökotest hat mit der Messung von VOC neue Maßstäbe gesetzt", meint Steico-Chef Udo Schramek. Doch das Unternehmen hat das sportlich genommen und das Produktionsverfahren umgestellt. "Das von uns beauftragte Labor konnte das beim Test einer neuen Dämmplatte bestätigen. Dadurch verbessert sich das Testergebnis Inhaltsstoffe auf "sehr gut"", war das von Ökotest anschließend bestätigte Resultat.

Doch Bauherren, so raten Experten sollten bei der Auswahl der Dämmstoffe zwar auf die Ökobilanz achten, vor allem aber darauf, dass die Materialien zum Mauerwerk und dessen Aufbau passen. Nur dann erfüllen sie ihren Zweck, die Energiebilanz zu verbessern, optimal. pgl

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