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Hohe Preise limitieren Einsatzfelder

Sto steigt in den Markt für Aerogel-Dämmung ein

12.10.2011, 00:00

Handwerker montiert Innendämmung
Aerogele erlauben dünnere Platten zur Innendämmung. © Sto

Dämmsysteme auf der Basis von Nanomaterialien gehören mittlerweile in die Produktpalette der Dämmstoff-Hersteller, zumindest bei Spezialwendungen, für die die Kunden auch tiefer in die Tasche greifen wollen. Sto hat nun ebenfalls die Bühne betreten und als Innendämmsystem Stotherm In Aevero vorgestellt. Das Produkt ist bereits verfügbar, einen Preis wollte das Unternehmen aber auch Nachfrage nicht nennen.

Sto bewirbt das Produkt mit der Wärmeleitfähigkeit von 0,016 W/(mK). Damit genügen bereits extrem dünne Dämmplatten zwischen 15 - 40 Millimetern zur Erfüllung aktueller Dämmpflichten. Die auf Aerogel-Technologie basierende Innendämmplatte basiert auf einer mikroskopisch kleinen offenporigen Struktur. Deren Hohlräume sind so klein, dass die darin befindlichen Luftmoleküle sich kaum bewegen und deshalb weniger Wärme abgeben. Das Aerogel besteht aus Siliziumdioxid.

Das System ist diffusionsoffen und kommt ohne Dampfsperre aus. Ermöglicht wird dies durch einen speziellen kapillaraktiven Spezialklebe- und Armierungsmörtel. Anfallende Feuchte durchdringt das diffusionsoffene Dämmsystem und fällt in der Kleberschicht aus, wo sie kapillar verteilt und zwischengespeichert wird. Sobald die Umgebung es zulässt, wird die Feuchtigkeit durch Verdunstung wieder abgegeben. Der Mörtel ist also Kleber und Funktionsschicht zugleich. Zusammen mit der Dämmplatte, den Zwischen- beziehungsweise Schlussbeschichtungen und dem Armierungsgewebe bildet er ein in sich geschlossenes System. Wie die Produkte anderer Hersteller werden die Platten mit einem Cutter-Messer zugeschnitten.

Es gibt bereits eine Reihe weiterer Produkte, die ebenfalls für die Innendämmung entwickelt worden sind. Spaceloft von Stadur Süd ist eine nanoporöse Aerogel-Matte für den Innenraum. Die Materialdicke liegt zwischen 5 und 10 Millimetern.

Mit Aerorock ID hat Rockwool vor gut einem Jahr ein Produkt auf Basis des Dämmstoffs Aerowolle vorgestellt. Durch den Einbau einer Verbundplatte von meist nur 50 Millimetern Dicke kann die Außenwand eines Altbaus gemäß den Anforderungen der EnEV 2009 aufgerüstet werden. Das Produkt ist zur Innendämmung gedacht und besteht aus einer Standard-Verbundplatte für die Verarbeitung in der Fläche, einer Laibungsplatte für Fensterlaibungen und Heizkörpernischen sowie einer Keilplatte für einbindende Bauteile. Erfahrungen im Trockenbau reichen zur Verarbeitung, Spezialkenntnisse sind nicht erforderlich.
 

Exkurs: Wärmeleitzahl und U-Wert

Die Wärmeleitzahl Lambda beschreibt die Wärmemenge in Watt, die in einer Stunde durch eine ein Meter dicke Schicht des Stoffes hindurchgeht, wenn sich die Temperaturen der Oberflächen auf beiden Seiten um ein Grad Kelvin unterscheiden. Demgegenüber beschreibt der U-Wert die Wärmemenge, die durch einen Quadratmeter Wand oder Dämmstoff hindurch geht unabhängig davon, wie dick die Wand beziehungsweise der Dämmstoff ist. Mit zunehmender Dämmstoffdicke sinkt in der Regel der U-Wert. Für beide Kennzahlen gilt: Je geringer der Wert, desto größer die Dämmwirkung. Zur leichteren Kennzeichnung werden Dämmstoffe in Wärmeleitgruppen (WLG) eingeteilt. Die WLG ist also ein Qualitätsmerkmal für das Wärmedämm-Vermögen eines Baustoffes. Bei Dämmstoffen der WLG 040 beträgt die Wärmeleitzahl 0,040 W/mK.

 
"Sto ist jetzt in den Lambda-Wettlauf eingetreten und hat Rockwool überholt, die Vakuum-Systeme von Isover aber nicht eingeholt", kommentiert Dämmstoffexperte Arnold Drewer die Ankündigung von Sto.

Völlig außer Acht gelassen werde aber anscheinend der Preis. Um den selben Dämmwert zu erreichen, brauche man 2 Zentimeter Vakuumdämmung zum Preis von 90 Euro pro Quadratmeter, 4 Zentimeter Spaceloft-Matten für 150 Euro pro Quadratmeter oder über 200 Euro mit Aerogel-Produkten. Drewe geht dabei davon aus, dass Sto sich in einer Preisklasse bewegen wird wie das direkt konkurrierende Rockwool-Produkt.

Nicht nur in der Innendämmung kommen die Nano-Dämmstoffe zum Einsatz. Vor einem Jahr hat mit Nanogel ein Kerndämmstoff mit einer Wärmeleitzahl von 021 die Zulassung erhalten. Die Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt der Schweiz (Empa) hat einen Dämmputz entwickelt, der mit Aerogelen dreimal besser isolieren soll als herkömmlicher Dämmputz. Der Verputz soll im Jahr 2012 in Feldversuchen getestet werden und 2013 auf den Markt kommen. Die Mehrkosten für dieses innovative Material gegenüber herkömmlichen Dämmputzen sollen nach Angabe der Empa je nach Dicke bei etwa 50 bis 100 Franken pro Quadratmeter liegen. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) hat im Rahmen von Forschungsarbeiten einen Leichtbeton mit Aerogelen entwickelt.

von unserer Redakteurin Pia Grund-Ludwig

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