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FUCON entwirft Visionen und Strategien für das Bauen von morgen

Sanierungsbedarf sorgt für Renaissance des Handwerks

15.05.2009, 14:32

Handwerker auf einer Baustelle.
Im Neubaubereich nimmt die Bedeutung des Handwerks ab. Bild: Fraunhofer IAO/Riek

Zwar nimmt die Bedeutung des Handwerks bei der Erstellung von Neubauten ab, aber dennoch werden Handwerker 2020 sehr gefragt sein. "2020 erfährt das Handwerk eine Renaissance", schildert Alexander Riek, Architekt und Mitarbeiter am Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO), eines der drei Szenarien, die im Rahmen des Verbundforschungsprojekts Future Construction (FUCON) entwickelt worden sind.

Die Szenarien sind das Ergebnis der ersten Phase des Projekts, das sich mit Visionen und Strategien für das Bauen von morgen beschäftigt. Zum Auftakt der zweiten Projektphase stellte Riek die Visionen am 14. Mai 2009 in Stuttgart im Rahmen eines Innovationsforums einem breiten Publikum vor. "Wir versuchen, im Bereich Architektur und Bauen Antworten zu finden, wie wir den zum Teil gewaltigen Herausforderungen der Zukunft begegnen können", berichtete er. Als globale Herausforderungen, die sich massiv auf die Bauwirtschaft und die Art zu Bauen in der Zukunft auswirken werden, nannte er unter anderem die demografische Entwicklung, den Trend hin zu Mega Cities und die steigenden Anforderungen im Bereich Umweltschutz und Energieeffizienz.

Dass das Bauhandwerk 2020 weiterhin von großer Bedeutung für die Bauwirtschaft ist, begründen die Forscher mit dem hohen Sanierungsbedarf des Gebäudebestands. Im Neubaubereich, so das zweite Szenario, werden sich industrialisierte Prozesse durchsetzen. Riek spricht hier von "Bauen mit System": flexible, aber funktionelle Gebäude werden mit Standardmodulen konfiguriert. Die Fertigung dieser Module werden mit der Zeit zunehmend automatisiert. "Das individuelle Einfamilienhaus ist tot", behauptet Riek.

Als Vorteile der Industrialisierung von Bauprozessen bis hin zur Massenproduktion führt der Architekt und Forscher an, dass die Baueffizienz steigt und innovative Produkte schnell eingeführt werden können. Zudem könnten Verbräuche garantiert und Lebenszyklussysteme eingerichtet werden, die auch den Rückbau einbeziehen.

Auf die Sanierung im Gebäudebestand lassen sich industrialisierte Prozesse allerdings kaum anwenden. Denn jedes Gebäude ist anders. Hier sind also auch in Zukunft gut ausgebildete Handwerker gefragt.

Das dritte Szenario schließlich bezieht sich auf die Planungs- und Bauprozesse. Hier gehen die Forscher davon aus, dass im Jahr 2020 innovative Prozesse auf Basis von Computertechnik eine entscheidende Rolle spielen. Die Informationstechnik ermöglicht sowohl die Automatisierung von Bauprozessen wie die Vorfertigung von Strukturfassade aus Mauerwerk mittels eines Bauroboters als auch innovative Planungsprozesse. Riek zufolge wird bei der Planung die Parametrisierung eine besondere Rolle spielen. Dabei werden in einem Modell Abhängigkeiten und Zusammenhänge definiert, wobei die einzelnen Parameter Variablen sind. Auf diese Weise können Entwürfe leicht modifiziert werden. "Wir machen nicht Gleiches, sondern ähnliches. So kann ein Gebäude entstehen, in dem jede Etage von der Grundstruktur her gleich aber doch leicht anders ist als die anderen", erläutert Riek.

Allen Szenarien gemeinsam ist die große Bedeutung des Faktors Umwelt, den in Zukunft jedes Bauunternehmen und jeder Architekt im Blick haben muss. Ein pro-aktiver Umgang mit Ressourcen ist in Zukunft ebenso gefordert wie eine positive Ökobilanz im Gebäudebetrieb und eine starke Berücksichtigung des Lebenszyklus in der Planung.

Im Zuge der zweiten Projektphase von FUCON ist daher auf dem Campusgelände der Universität Stuttgart ein Neubau geplant, in dem die Ergebnisse der bisherigen Forschung einfließen sollen. "Wir kommen jetzt stärker in die Planung der Prozesse und betrachten, wie diese sich durch die neuen Anforderungen und Ziele verändern", erläuterte auf dem Forum Professor Peter Kern vom IAO. Für das Gebäude, in dem Geothermie, Betonkernaktivierung, Rückkühlanlage, Fotovoltaik und eine Hohlkörperdecke realisiert werden sollen, streben die Forscher das Nachhaltigkeitszertifikat in Gold der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) an. sth

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