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Förderprogramm Nachwachsende Rohstoffe startet im Mai

Runder Tisch adressiert Hemmnisse beim Bauen mit Holz

26.03.2015, 05:54

Eines der Siegerprojekte beim Wettbewerb HolzbauPlus
Für die Modernisierung eines ehemaligen Gasthofs bei Berlin gab es einen der vier ersten Preise beim Wettbewerb HolzbauPlus. © W. Vielain

Um Hemmnisse beim Bauen mit Holz zu beseitigen, hat sich erstmals ein Runder Tisch im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) getroffen. Zu den Teilnehmern gehörten Architekten, Brandschutzsachverständige, Feuerwehrleute und Wissenschaftler, Vertreter der Fertighausbranche und der Fachagentur für Nachwachsende Rohstoffe, des Holzbau-Clusters Rheinland-Pfalz sowie Mitarbeiter von Ministerien. In seinem Eingangsvortrag fasste Ludger Dederich von der Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg die bereits bekannten Hemmnisse beim Holzbau zusammen. Sie sind auch im Report des Thünen-Instituts "Holzverwendung im Bauwesen - Eine Marktstudie im Rahmen der ,Charta für Holz'" nachzulesen.

Demnach gab es durch die 2002 erlassene Musterbauordnung, an die fast alle Bundesländer ihre Landesbauordnungen angeglichen haben, Vereinfachungen für den Holzbau. Die 2004 erlassene Muster-Richtlinie über brandschutztechnische Anforderungen an hochfeuerhemmende Bauteile in Holzbauweise (M-HFHHolzR) lässt aber noch Wünsche offen: "Neuere marktrelevante Holzbaulösungen werden nicht berücksichtigt. Die erforderliche Brandschutzbekleidung ist vergleichsweise arbeits- beziehungsweise kostenintensiv und daher nicht zwangsläufig eine wirtschaftliche Alternative zum mineralischen Massivbau. Holz kann wegen der Bekleidung nur nicht sichtbar verbaut werden und die Verwendung von Dämmstoffen aus nachwachsenden Rohstoffen ist nicht erlaubt", berichtete Dederich.

Er empfahl, die Anforderungen an die Leistungsfähigkeit der brandschutztechnischen Bekleidung zu reduzieren und gleichzeitig ein Verfahren zur Brandrisikobewertung einzuführen. Der Katalog der zulässigen Dämmstoffe solle um nachwachsende Rohstoffe, der Katalog der zulässigen Holzbauweisen um Holzmassiv- und Holz-Beton-Verbund-Bauweisen erweitert werden. Solche Hybridlösungen seien seit dem Erlass der M-HFHHolzR marktreif geworden. Sie wurden in letzter Zeit öfter beim Geschosswohnungsbau aus Holz gewählt.

Weitere Hemmnisse werden die Teilnehmer des Runden Tischs mit entsprechenden Beispielen nun innerhalb von drei Wochen der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) mitteilen und mögliche Lösungsansätze vorschlagen. Die FNR wird die Stellungnahmen aufbereiten und nach Themenbereichen strukturieren, berichtet Hans-Jürgen Froese, Leiter des Referats Bioökonomie und stoffliche Biomassennutzung im Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL). "Hierbei wird auch festzustellen sein, ob zur Klärung technischer Fragen noch Forschungsbedarf besteht", sagt er.

Ziel sei die Erarbeitung von gemeinsamen Empfehlungen des Runden Tischs an die für Baufragen zuständigen Landes- und Bundesbehörden. Am Ende des Prozesses könnte eine Harmonisierung der Landesbauordnungen stehen.

Das BMEL ist zwar nicht für Baufragen, aber für Biomasse aus land- und forstwirtschaftlicher Produktion zuständig. Deshalb habe es den Runden Tisch angestoßen, erklärt der Referatsleiter. "Wir wollen nicht, dass nachhaltig erzeugtes Holz per se besser gestellt wird als andere Baustoffe. Es soll aber – gerade mit Blick auf seine positiven Klimawirkungen – nicht schlechter gestellt werden."

Bisher, so die Erfahrungen von Ludger Dederich, bewirken die baurechtlichen Vorschriften aber genau diese Schlechterstellung. Zwar könnten immer individuelle Regelungen für ein Brandschutzkonzept gefunden werden. Sie bedeuten für die beteiligten Planer aber einen "erheblichen Planungs- und Koordinationsmehraufwand und damit einen grundsätzlichen Nachteil, wenn nicht gar das entscheidende Ausschlusskriterium für die Verwendung von Holz", schreibt Dederich im Thünen-Report zur Holzverwendung im Bauwesen.

Oft hänge es von den Kompetenzen des Bearbeiters in den Unteren Bauaufsichtsbehörden ab, ob ein Holzbau genehmigt werde, sagt Andreas Brückner von der FNR. Er plädiert deshalb für mehr Informationen und Weiterbildungen zum Bauen mit Holz. Es gibt aber auch Kommunen, die mit gutem Beispiel vorangehen und Holzbau aktiv fördern. So gibt es von der Stadt München einen "CO2-Bonus", berichtete Annette Hafner vom Lehrstuhl "Ressourceneffizientes Bauen" der Ruhr-Universität Bochum kürzlich bei einer Veranstaltung der Plattfom Forst & Holz in Berlin.

Er beträgt 30 Cent für jedes Kilogramm Kohlendioxid, das beim Bauen langfristig gebunden wird. Nach Auffassung des BMEL kann auch der "Leitfaden Nachhaltiges Bauen" noch verbessert werden. Besonders die ökobilanziellen Effekte über den gesamten Lebensweg der eingesetzten Baustoffe würden darin noch nicht angemessen berücksichtigt, sagt Froese. Aber die positive Entwicklung für Holz geht weiter: Im Mai wird das BMEL sein neues Förderprogramm Nachwachsende Rohstoffe starten. Neue Schwerpunktsetzungen soll dabei auch der Forschungsbereich "Bauen mit nachwachsenden Rohstoffen" erfahren, kündigte der Referatsleiter an. von Susanne Ehlerding

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