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Minimum Impact House schont Ressourcen

Preisträger wird zum Vorbild für weitere Projekte

28.12.2009, 05:10

Minimum Impact House
Dient als Vorbild: Minimum Impact House. Bild: Drexler

Nachhaltiges Bauen zielt auf einen schonenden Umgang mit Ressourcen für den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes. Dazu zählt auch der sparsame Umgang mit Baugrund in Innenstädten. Ein preisgekrönter Entwurf ist das in Frankfurt entstandene Minimum Impact House. Weitere Projekte sind geplant.

Ziel des jungen Architekturbüros Drexler Guinand Jauslin, das das Konzept gemeinsam mit der TU Darmstadt entworfen hat war es, einen Prototypen für nachhaltiges Bauen in der Stadt zu entwerfen. Die Chance, innerstädtische Nischen zu erschließen - dazu zählen Toreinfahrten, Hinterhöfe oder schmale Baulücken - war eine zentrale Motivation. Schließlich gilt der sparsame Umgang mit Ressourcen auch für den Faktor Baugrund. Innerstädtische Nachverdichtung reduziert den Verbrauch von Naturräumen, verringert den Pendelverkehr und führt zu einer besseren Auslastung der Infrastruktur.

Die Bauaufgabe für die Architekten war die spannende Herausforderung, auf einer winzigen Baulücke mit gerade mal 29 Quadratmetern Grundfläche ein komfortables Wohnhaus inklusive Arbeitsbereich zu errichten. Platznot kann erfinderisch machen: Die Planer inspirierte ein schmales Restgrundstück im Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen zu einer kreativen als auch nachhaltigen Lösung. Herausgekommen ist das "Minimum Impact House", ein urbanes Holzgebäude, das seinen ökologischen Fußabdruck äußerst klein hält. Der ungewöhnliche Entwurf könnte Schule machen. Allein der Baulückenatlas der Stadt Frankfurt verzeichnet offiziell rund 650 Baulücken.

Im Minimum Impact House wohnt man zwar auf kleinem Fuß – doch dafür in die Höhe. Auf der überbauten Fläche von 29 Quadratmetern wurde eine Nutzfläche von insgesamt 154 Quadratmetern erzielt. Das Raumprogramm des viereinhalb-geschossigen Gebäudes zum Wohnen und Arbeiten entwickelt sich fließend aus der kleinen Grundfläche heraus – von unten nach oben werden die Funktionen privater. In den beiden unteren Geschossen sind ein Showroom und das Büro untergebracht, darüber folgen Küche und Essplatz, dann ein Wohn- und Schlafzimmer mit Bad, darüber ein zweites Schlafzimmer mit einer geräumigen Dachterrasse als Gartenersatz.

Der Holzbau im Passivhausstandard überrascht auch durch seine ungewöhnliche Optik. Die biomorph anmutende Fassade aus furnierbeschichteten Phenolharzplatten und Holzstäben greift die Licht- und Schattenspiele der beiden Pappeln auf, die hier früher einmal wuchsen. Im Vergleich zu einem Massivbau dieser Größe wiegt das Haus nur rund die Hälfte und setzt in der Herstellung nur ein Drittel soviel Treibhauspotenzial frei.

Für die Bebauung der innerstädtischen Restflächen hat die Holzbauweise deutliche Vorteile: Beim Minihaus konnte die leichte Baukonstruktion einseitig an das bestehende Nachbargebäude angehängt werden, wodurch die Konstruktionsfläche und der Aufwand für die Herstellung verringert wurde. "Wir haben uns für eine Holzkonstruktion entschieden, weil Holz als nachwachsender Rohstoff grundsätzlich nachhaltiger ist als konventionelle Baustoffe wie Beton oder Stahl, die unter einem hohen Energieaufwand erzeugt werden müssen", erläutern die Architekten.

Ein weiterer Vorteil: Der hohe Vorfertigungsgrad verkürzt die Bauzeiten und verringert dadurch nicht nur die Baukosten, sondern mindert auch die Beeinträchtigung der Anwohner. Durch den umfassenden Einsatz von Holz im Bereich der Baukonstruktion konnten die ökologischen Folgen der Errichtung, des Betriebs und der späteren Entsorgung des Gebäudes erheblich gesenkt werden.

In einer vergleichenden Untersuchung wurden die Vor- und Nachteile der Nachverdichtung gegenüber konventionellen Bauformen in neu ausgewiesenen Baufeldern qualifiziert und quantifiziert: Der gesamte Energieverbrauch "nicht erneuerbar" des Prototyps im Modul Betrieb liegt um 63 Prozent unter dem der konventionellen Bauweise. Der Energieverbrauch des Prototyps wird überwiegend aus erneuerbaren Quellen gedeckt. Alles ist hier minutiös geplant, jeder Quadratzentimeter wird optimal ausgenutzt. Bis auf das notwendige Treppenhaus hat das Gebäude keine reine Erschließungsfläche. Verglaste Decken- und Wanddurchbrüche schaffen vielfältige Blickbeziehungen zwischen den Geschossen und einen wechselnden Blick in die Stadt, und lassen so die Räume weit und geräumig wirken.

Die Einschnitte in den Decken erzeugen nicht nur eine angenehme Offenheit, sondern auch interessante Licht- und Schattenspiele und eine helle, freundliche Atmosphäre. Dieser natürliche Eindruck wird durch die in den Innenräumen verwendeten Materialien unterstützt: Rohe Ziegelwände, Parkettböden, weiße Decken, Glas und sichtbare Stahlträger, die die Tragkonstruktion erlebbar machen. Das schmale Treppenhaus macht einen geschlossenen und eher rustikalen Eindruck mit rohen Ziegelwänden und einer Steintreppe.

Ob zum Wohnen oder Arbeiten – alle Räume sind so konzipiert, dass sie sich veränderten Nutzerbedürfnissen flexibel anpassen können. "Was uns interessiert hat bei der Entwicklung dieses Innenraums war die Großzügigkeit, die konventionelle Wohnungen in der Fläche haben, indem die Räume nebeneinander angeordnet sind, in die Vertikale zu entwickeln", erläutern die Planer.

Der Wohnkomfort und die Minimierung der Betriebsenergie standen bei der Planung im Vordergrund. Das ungewöhnliche Townhouse ist mit einer Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung ausgerüstet. Seine Wärme erhält das nicht unterkellerte Gebäude von einer Luft-Wasser-Wärmepumpe im Erdgeschoss, die durch eine Solarthermieanlage auf dem Dach unterstützt wird. Das Warmwasser wird in eine Fußbodenheizung eingespeist. Diese Ausstattung ermöglicht ein angenehmes Raumklima bei niedrigem Energieverbrauch und guter Luftqualität. Wichtig war den Planern, dass der hohe energetische Standard mit einer vergleichsweise einfachen Low-Tech Lösung erreicht wurde, die hauptsächlich auf eine optimierte Anordnung der Fenster für solare Gewinne und eine geeignete Ausführung der Bauteile und Anschlüsse gründet.

Auf diese Weise erreicht das Haus einen Heizwärmebedarf von 13,9 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr – das entspricht dem Passivhausstandard. "Dieser Prototyp ist kein Formel-1-Wagen, der für die Praxis eigentlich nicht einzusetzen ist, sondern es ist ein intelligenter Einsatz von derzeit verfügbarer und auch kostengünstiger Technologie", erklärt Architekt Hans Drexler das Konzept.

In naher Zukunft werden zunehmend mehr Menschen in Städten leben. Zur Erschließung der innerstädtischen Nischen ist deshalb die Entwicklung neuer Bautypologien für die Schaffung von nachhaltigem Wohnraum in der Stadt nötig. Das Minihaus ist ein erster Schritt in diese Richtung. Es vereint das von vielen Bürgern angestrebte Ideal des Einfamilienhauses mit einer zentralen Innenstadtlage. 2009 zählte es zu den Preisträgern des Dena-Effizienzhaus-Wettbewerbs und zu den Preisträgern des Green-Building-Wettbewerbs.

Der Prototyp geht nun in die zweite Phase: Das nächste Mini-Effizienz-Haus wird bereits geplant. Wieder ist es eine unansehnliche Baulücke, die aufgewertet werden soll. Im Erdgeschoss befindet sich ein Kiosk, darüber erhebt sich eine Brandwand. Der Kioskbesitzer war nach der Besichtigung des Prototyps derart überzeugt, dass er seinen Kiosk jetzt mit vier Mini-Apartments aufstocken lässt. Damit hat das Forscherteam eine weitere Zielvorgabe des Projekts zumindest in einem Fall schon erreicht, nämlich "die Wahrnehmung der Leute, die solche Grundstücke haben, zu schärfen und einen Vorstellungsraum für solche Projekte zu eröffnen." Nicole Allé

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