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Erste Gebäude sind bezugsfertig

Plusenergie-Idee kommt im Mehrfamilienhaus zum Zuge

25.02.2014, 08:00

Sanieres Reihenhaus in Neu-Ulm
Saniertes Reihenhaus soll positive Energiebilanz haben. © o5 Architekten

Plusenergiebauweise ist auch bei Mehrfamilienhäusern im Kommen. In Frankfurt sind derzeit mindestens drei Projekte fertig oder stehen kurz vor der Fertigstellung, zwei Objekte in Berlin und Neu-Ulm stellte ein Fachforum im Rahmen der Bautec vor.

Im Juli 2014 soll bei La Vida Verde in Berlin Einzug sein, organisiert ist das Bauprojekt im Mietshäusersyndikat. Finanziert wird deshalb nicht über eine Einlage in eine Genossenschaft und Eigentum, sondern durch das Sammeln von Direktkrediten.

Derzeit entstehen 18 Wohneinheiten mit zwischen einem und vier Zimmern auf insgesamt 1.250 Quadratmeter Wohnfläche im KfW-40-Standard. Es wird also beim Energieverbrauch nicht deutlich über einem Passivhaus liegen. Bei der Dachkonstruktion habe man darauf geachtet, die im Rahmen des Baurechts mögliche optimale Neigung des Dachs zur Nutzung von PV zu erreichen, berichtete Franziska Mohaupt für die Initiative. Die Miete soll später zirka 9,50 Euro warm betragen.

Das Hauskonzept sieht einen Wärmespeicher für Warmwasser und Heizung vor, eine Wärmepumpe soll Strom vom Dach nutzen. Dazu kommt Wärme aus dem Grauwasser, für wenige Wochen im Jahr soll ein Holzpelletofen für Restwärme sorgen. Geplant sei zudem die Nutzung von Windstrom, das sei derzeit aber noch nicht genehmigt, so Mohaupt. Die Genehmigungsprozeduren für die Nutzung von Windkraft in Städten sind lang, vor allem der Lärmschutz muss geklärt werden.

Ein Teil des Stroms soll an interessierte Nachbarn verkauft werden. "Es ist aber eine Grauzone, wenn man als Hausbesitzer Stromanbieter wird", berichtet Mohaupt. Derzeit werde dafür noch ein rechtssicheres Konzept entwickelt.

In der Umsetzung ist mittlerweile auch das Projekt der Wohnungsgesellschaft Nuwog in Neu-Ulm. Dort geht es nicht um Neubau, sondern um eine Bestandssanierung. Umgebaut werden zwei Reihenmittelhäuser aus den 1930er Jahren. Vorgestellt wurde in Berlin eines der beiden Konzepte, die sich in einem Wettbewerb durchgesetzt haben. Verantwortlich sind das Planungsbüro ina, o5 Architekten und ein Team der TU Darmstadt.

Die Planung hat viele Umbrüche hinter sich. So ging man im ersten Entwurf noch davon aus, die Gebäude mit einer Grundwasser-Wärmepumpe versorgen zu können. Bohrungen haben aber ergeben, dass der Untergrund dafür nicht geeignet ist. So arbeitet man nun mit Wärmekörben, die Erdwärme nutzen sowie Wärmepumpen.

Bei der Gestaltung der Fassade hat die Energiebilanz über die Standzeit des Gebäudes eine Rolle gespielt: "Die Idee war es, bei der Fassade durch komplett mineralisches Material die Entsorgung zu vereinfachen", so Planer Joost Hartwig. Im Inneren wurde der Gebäudegrundriss stark verändert, um zu einer großzügigeren Raumaufteilung zu kommen.

Der Heizwärmebedarf der sanierten Gebäude soll künftig bei 30,98 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr (kW/m2a) liegen und wäre damit für Häuser dieser Baualtersklasse beispielhaft. Vorher haben die Häuser mit drei Wohnungen mehr als 500 kW/m2a benötigt. 

Über das Jahr wird es ein Energieplus geben, dennoch müssen je nach Jahreszeit bis zu 23 Prozent des Strombedarfs aus dem Netz kommen. "Wir denken über einen Batteriespeicher von 20 kW nach", so Hartwig. Die Umbaukosten sind mit knapp 1.600 Euro pro Quadratmeter hoch, im Rahmen von Forschungsprojekten aber nicht unüblich. Im Herbst 2014 sollen die Mieter in die sanierten Wohnungen einziehen können.

Auch in anderen Ländern setzt man in der Sanierung mittlerweile im Mehrfamilienbereich auf Gebäude mit positiver Energiebilanz: Viridén + Partner aus der Schweiz haben Ende 2013 für ihre Sanierung eines Mehrfamilienhauses im schweizerischen Romanshorn den Eurpäischen Solarpreis erhalten. Das Energiekonzept führte zum ersten sanierten Mehrfamilienhaus der Schweiz, das mehr Energie produziert als es verbraucht.

Besonders hoch sind die Anforderungen allerdings dann, wenn es vom Mehrfamilienhaus in den Geschosswohnungsbau geht. Einer der Gründe: das Verhältnis von Dachfläche zu Wohnfläche wird ungünstiger. Je mehr Dachfläche pro Wohnung zur Verfügung steht, desto einfacher ist es, über Fotovoltaik ein Energieplus zu erzeugen. Im Geschosswohnungsbau ist deshalb die Reduzierung des Verbrauchs, sprich eine Optimierung der Gebäudehülle und die Nutzung energiesparender Geräte noch wichtiger als bei kleineren Gebäuden. Dass es dennoch möglich ist, ein Energieplus zu erzeugen sollen Gebäude von Nassauischer Heimstätte und ABG in Frankfurt beweisen. Bei der Nassauischen Heimstätte ist der Rohbau fertig, Bezug soll in einem Jahr sein. Bei der ABG wird das erste Gebäude schon bezogen. Auf die Messergebnisse dieser Mehrgeschosser darf man besonders gespannt sein.

von Pia Grund-Ludwig

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