Quelle: DEUTSCHE ROCKWOOL

GWW: Verbraucherverhalten ist entscheidend

Passivhaus spart im Test kaum Betriebskosten

Die GWW hat Passivhäuser und EnEV-Häuser verglichen. © GWW

Beim Vergleich von zwei Passivhäusern und zwei EnEV-2009-Gebäuden brauchen die Passivhäuser weniger Heizenergie, aber sehr viel mehr Strom.

Die GWW Wiesbadener Wohnbaugesellschaft (GWW) hat in einem Modellprojekt auf einem Grundstück Mehrfamilienhäuser in verschiedenen Energieeffizienzstandards errichtet. "Den höheren Baukosten, die für ein Passivhaus aufgewendet werden müssen, stehen bislang kaum messbare Einsparungen bei den Betriebskosten gegenüber", zieht GWW-Geschäftsführer Hermann Kremer eine kritische Bilanz nach der ersten Heizsaison. "Der Stromverbrauch der beiden Passivhäuser ist sogar deutlich höher als bei den EnEV-Häusern." Drei Jahre soll die Datenauswertung im Modellprojekt laufen.

Das Projekt vergleicht Gebäude, deren Lage, Ausrichtung, Abmessung sowie Anzahl und Verteilung der Wohnungen identisch sind und die sich nur durch die Baustandards voneinander unterscheiden. Die GWW investierte in den Bau der acht Wohnhäuser im KfW-55-, EnEV-2009- und Passivhausstandard insgesamt rund 11 Millionen Euro. Für die Wohnungsbaugesellschaft waren es die ersten Passivhäuser. Da in Hessen in einigen Städten darüber diskutiert wird, ob Passivhausbauweise verpflichtend sein soll, wollte die GWW den Praxistest machen.

Bereits während der Bauphase zeichnete sich ab, dass die Baukosten stärker auseinanderdriften als ursprünglich angenommen. So lagen die Baukosten für die Passivhäuser um 13,5 Prozent über denen der Häuser, die nach der EnEV 2009 gebaut wurden. Pro Quadratmeter war das ein Unterschied von 250 Euro. Die ursprüngliche Kalkulation ging von Mehrkosten in Höhe von maximal 12 Prozent aus. Der finanzielle Mehraufwand für den Bau der vier Wohnhäuser, die den KfW-Standard 55 erfüllen, blieb mit 2 Prozent in einem überschaubaren Rahmen. Die KfW-Wohnhäuser werden aber beim Vergleich nicht berücksichtigt, da Lage und Ausrichtung nicht mit denen der Passiv- und EnEV-Häuser vergleichbar sind.

Schon die Vermarktung der Passivhäuser war schwierig. "Es gab nur sehr wenige, die sich gezielt für eine Passivhauswohnung interessiert haben", so die Erfahrungen von Katja Schiedung, Leiterin des verantwortlichen Kundenteams. Vielmehr bestand bei den meisten Interessenten großer Aufklärungsbedarf. Aus diesem Grund wurden für die Mieter der Passivhauswohnungen alle relevanten Informationen über das Nutzungsverhalten in Schriftform zusammengefasst und mit Unterzeichnung des Mietvertrages ausgehändigt. "Trotzdem ergaben sich für viele Mieter nach ihrem Einzug immer wieder konkrete Verständnisfragen an unsere Techniker bezüglich des richtigen Heiz-und Lüftungsverhaltens", berichtet Schiedung.

Nach dem ersten Betriebsjahr der Wohnhäuser lässt sich kein signifikanter Unterschied zwischen den Energieverbrauchswerten der verschiedenen Wohnhäuser feststellen. Der Heizenergieverbrauch sei in den Passivhäusern zwar niedriger als in den EnEV-Häusern, aber der Stromverbrauch ist fast doppelt so hoch, so Kremer. Das liege an der Lüftungsanlage, so die GWW.

Die Vorteile eines Passivhauses seien damit gegenwärtig noch nicht erkennbar, lautet ein erstes Zwischenfazit. "Würde man den Energieaufwand für die Herstellung der dickeren Dämmung, der Dreifach-Verglasung, die beim Bau eines Passivhauses anfallen, in der Gesamtbetrachtung entsprechend berücksichtigen, fiele die Energiebilanz der Passivhäuser deutlich schlechter aus, da den erheblichen Mehraufwendungen kaum Einsparungen gegenüber stehen", ergänzt Thomas Keller, Leiter des GWW-Geschäftsbereichs Bau/Sanierung. Aus der Auswertung der ersten Daten werde jedenfalls sehr deutlich, dass das Nutzerverhalten eine zentrale Rolle spielt. So habe es bei beiden Baustandards einzelne Wohnungen gegeben bei denen die Verbräuche niedrig waren und andere mit hohen Verbräuchen. von Pia Grund-Ludwig

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