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GWW: Verbraucherverhalten ist entscheidend

Passivhaus spart im Test kaum Betriebskosten

13.10.2015, 08:30

Neubauten der GWW
Die GWW hat Passivhäuser und EnEV-Häuser verglichen. © GWW

Die GWW Wiesbadener Wohnbaugesellschaft (GWW) hat in einem Modellprojekt auf einem Grundstück Mehrfamilienhäuser in verschiedenen Energieeffizienzstandards errichtet. "Den höheren Baukosten, die für ein Passivhaus aufgewendet werden müssen, stehen bislang kaum messbare Einsparungen bei den Betriebskosten gegenüber", zieht GWW-Geschäftsführer Hermann Kremer eine kritische Bilanz nach der ersten Heizsaison. "Der Stromverbrauch der beiden Passivhäuser ist sogar deutlich höher als bei den EnEV-Häusern." Drei Jahre soll die Datenauswertung im Modellprojekt laufen.

Das Projekt vergleicht Gebäude, deren Lage, Ausrichtung, Abmessung sowie Anzahl und Verteilung der Wohnungen identisch sind und die sich nur durch die Baustandards voneinander unterscheiden. Die GWW investierte in den Bau der acht Wohnhäuser im KfW-55-, EnEV-2009- und Passivhausstandard insgesamt rund 11 Millionen Euro. Für die Wohnungsbaugesellschaft waren es die ersten Passivhäuser. Da in Hessen in einigen Städten darüber diskutiert wird, ob Passivhausbauweise verpflichtend sein soll, wollte die GWW den Praxistest machen.

Bereits während der Bauphase zeichnete sich ab, dass die Baukosten stärker auseinanderdriften als ursprünglich angenommen. So lagen die Baukosten für die Passivhäuser um 13,5 Prozent über denen der Häuser, die nach der EnEV 2009 gebaut wurden. Pro Quadratmeter war das ein Unterschied von 250 Euro. Die ursprüngliche Kalkulation ging von Mehrkosten in Höhe von maximal 12 Prozent aus. Der finanzielle Mehraufwand für den Bau der vier Wohnhäuser, die den KfW-Standard 55 erfüllen, blieb mit 2 Prozent in einem überschaubaren Rahmen. Die KfW-Wohnhäuser werden aber beim Vergleich nicht berücksichtigt, da Lage und Ausrichtung nicht mit denen der Passiv- und EnEV-Häuser vergleichbar sind.

Schon die Vermarktung der Passivhäuser war schwierig. "Es gab nur sehr wenige, die sich gezielt für eine Passivhauswohnung interessiert haben", so die Erfahrungen von Katja Schiedung, Leiterin des verantwortlichen Kundenteams. Vielmehr bestand bei den meisten Interessenten großer Aufklärungsbedarf. Aus diesem Grund wurden für die Mieter der Passivhauswohnungen alle relevanten Informationen über das Nutzungsverhalten in Schriftform zusammengefasst und mit Unterzeichnung des Mietvertrages ausgehändigt. "Trotzdem ergaben sich für viele Mieter nach ihrem Einzug immer wieder konkrete Verständnisfragen an unsere Techniker bezüglich des richtigen Heiz-und Lüftungsverhaltens", berichtet Schiedung.

Nach dem ersten Betriebsjahr der Wohnhäuser lässt sich kein signifikanter Unterschied zwischen den Energieverbrauchswerten der verschiedenen Wohnhäuser feststellen. Der Heizenergieverbrauch sei in den Passivhäusern zwar niedriger als in den EnEV-Häusern, aber der Stromverbrauch ist fast doppelt so hoch, so Kremer. Das liege an der Lüftungsanlage, so die GWW.

Die Vorteile eines Passivhauses seien damit gegenwärtig noch nicht erkennbar, lautet ein erstes Zwischenfazit. "Würde man den Energieaufwand für die Herstellung der dickeren Dämmung, der Dreifach-Verglasung, die beim Bau eines Passivhauses anfallen, in der Gesamtbetrachtung entsprechend berücksichtigen, fiele die Energiebilanz der Passivhäuser deutlich schlechter aus, da den erheblichen Mehraufwendungen kaum Einsparungen gegenüber stehen", ergänzt Thomas Keller, Leiter des GWW-Geschäftsbereichs Bau/Sanierung. Aus der Auswertung der ersten Daten werde jedenfalls sehr deutlich, dass das Nutzerverhalten eine zentrale Rolle spielt. So habe es bei beiden Baustandards einzelne Wohnungen gegeben bei denen die Verbräuche niedrig waren und andere mit hohen Verbräuchen. von Pia Grund-Ludwig

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Kommentare zur Meldung

Kommentare 1 - 7 von 7.

Jörg Faltin, Architekt - 11.11.2015, 20:16

Guten Tag auch,
gut an dem Artikel ist doch die Information, dass sich zunehmend mehr Bauherren und hier auch Wohnungsbaugesellschaften mit dem Energieeffizienten Bauen beschäftigen! In 4 Jahren müssen alle Neubauten so oder so ähnlich gebaut werden (Stichwort "EU-Gebäuderichtlinie / 2020"). Ein hervorragendes Projekt also, auch um Vergleiche zu ziehen.
Aus unserer Erfahrung ist besonders bei nicht eingespielten "Teams" aus Architekten, Planern, Handwerkern und hier auch mit einem noch unerfahrenen Bauherrn eine Qualitätssicherung erforderlich - in punkto Entwurf-Planung-Bauleitung, hier vielleicht auch für das Bewohnerverhalten nach Inbetriebnahme.
Nachjustierungen bei der Technik, können in dieser Situation Größenordnungen an Energieeinsparungen bewirken.
Was die Vorredner noch nicht erwähnten ist die Erfahrung, dass gerade die Haustechnik immer sensibler regeln muss, je besser die Gebäude gedämmt sind, zB. VL/RL-Temperaturen von 35/28, Einregulierung der Lüftungstechnik, Einbindung von Pufferspeichern usw. usf.
Hier können leicht Fehler gemacht werden, die unabhängig vom Nutzerverhalten einen doppelt oder 3-fachen Energieverbrauch bewirken!
Wir haben (Pionier) Projekte betreut, wo in den ersten Heizperioden erhebliche Reduzierungen durch eine (geförderte) Begleitung durch Auswerten von Messwerten mit anschließenden verschiedenen Optimierungen, erst die planerisch berechneten Werte erreicht wurden. Wenigstens annähernd - wie bei EnEV Gebäuden auch nicht immer alles wie berechnet funktioniert...
Dann aber wird bei Passivhäusern durch die bessere Dämmung erheblich Energie eingespart bei hohem (thermischen) Wohnkomfort - auch "trotz Nutzerverhalten"!
Das hat zB. auch die ABG in Frankfurt tausendfach bewiesen, und aufgrund der eigenen Erfahrungen (nicht Prognosen!) die Heizkostenabrechnungen für deren Passivhäuser abgeschafft (ca. 100 EUR/a), weil die Bürokosten teurer sind.
Jörg Faltin, Architekt und Sachverständiger Energieberater
EU Senior Expert
Hamburg/Eckernförde

M.Jäger - 05.11.2015, 08:58

@ Herr Bouchard
Wie kommen Sie auf den Heizwertbedarf von 75 kWh/qm beim EnEV2009 Haus?
Dieser liegt doch unter 50!
Theorie und Praxis liegen auch bei der Umsetzung dieser Werte weit auseinander!
So ist der Faktor Mensch in jeder Phase (Planung, Durchführung, und bewohnen) nicht zu unterschätzen.
Bei der Planung eines Passivhauses ist die Lage sowie das gewählte Baumaterial entscheidend ob die Heizkosten wirklich so niedrig entfallen!
Schlechtes Beispiel:
Fertigpassivhaus das im Nebel im Schatten von Bäumen nicht in Südwestlage und von Pfusch-Arbeitern erbaut wurde und dann von Menschen bewohnt wird die z.b: gerne lüften!
Viele diese Faktoren kommen sehr oft vor!
Dann kommen noch weitere Faktoren wie Fensterfläche, Speicherkapazität des Hauses, genaue Planung und Ausführung der Luftwärmepumpe......

Man kann schon sehen warum Passivhäuser oft hinter den Erwartungen zurückbleiben!

Fakt ist: Wenn auch nur einer der oben genannten Faktoren daneben ist beim Passivhaus so sind die Energieverluste meist so hoch, dass sich nie und nimmer der Kennwert von 15 kWh/qm pro Jahr ausgehen!

Dies ist bei einem Fertighaus oder einem Wohnbau sehr schwierig!

D. Krebber - 25.10.2015, 09:16

Guten Tag,
ich kann mich den Vor-Schreibern nur anschließen. Zu den Ergebnissen der GWW gehören auch die Daten, denn so pauschal kann ich das nicht glauben. Auf jeden Fall wird es dieser Artikel schwerer machen, Passivhäuser zu erstellen. Ich höre schon die ewig gestrigen Architekten, die es schon immer besser gewusst haben.

Viele Grüße
Dietmar Krebber
Energieberater und zertifizierter Passivhausplaner

Roger Kanzenbach - 14.10.2015, 20:45

Ich habe den Verdacht, dass die Begriffe in dem Beitrag falsch verwendet werden. Handelt es bei den Vergleichen um ein echtes Passivhaus nach Prof. Feist (Wärmebedarf < 15 kWh/m²a) oder um ein ein KfW 40 Haus? Der Beitrag ist für einen Fachmann sehr unkonkret. Der Einfluss des Nutzerverhaltens auf den Energieverbrauch ist unbestritten.

T. Krause - 14.10.2015, 19:47

Moin,
Ich kann mich meinen Vorrednern nur anschließen, dass ihr Artikel nicht ganz stimmig ist! Besonders die Aussage, dass der Stromverbrauch durch das KWL-Gerät doppelt so hoch sein soll kann nicht stimmen. Könnten Sie uns - solange die Zahlen nicht geschätzt sind - bitte Ihre Messdaten einmal zugänglich machen?

Mit freundlichen Grüßen

Inga-Lill Kuhne - 14.10.2015, 13:21

Guten Tag,

Ich kann Ihnen, Herr Bouchard, nur zustimmen!
Die Überschrift beginnt übrigens dünn gedruckt mit "GWW: Verbraucherverhalten ist entscheidend", das sollte der aufmerksame Leser als Hauptaussage des Artikels behalten: Die Verbraucher sparen im Test kaum Betriebskosten!

Noch ein Tipp: Interessenten wurden umfangreich in Schriftform aufgeklärt... als Erstinformation, was ein "Passivhaus" ist, empfehle ich unseren 6 min Comic:

https://www.youtube.com/watch?v=_eMQVQEtJDw

Viele Grüße aus Köln,
Inga-Lill Kuhne
(ecolearn GbR)

Winfried R. Bouchard - 14.10.2015, 11:32

Guten Tag,
dieser Artikel kann nicht unwidersprochen bleiben. Die kommunizierten Ausagen stimmen in keinem Fall mit unseren Erfahrungen sowohl aus dem Einfamilienhausbau (seit 2005), wie auch dem Geschoßwohnungsbau (seit 2013) überein. Für uns auffällig ist die Aussage, dass Nutzerverhalten Erfolgsrelevanz bei dem vorgestellten Projekt habe. Es sind also offensichtlich Nutzereingriffe in das System möglich, die zu solchen Aussagen führen. Dies widerum deutet auf eine nicht optimale Systemauslegung hin. Eine optimale Systemauslegung wird nach dem System "bauen und vergessen" ausgelegt, sie organisiert sich selbständig und ohne weitere Steuerungseingriffe.

Die Aussage zu den Betriebskosten ist ebenfalls nicht nachvollziehbar. Ein EnEV2009-Haus hat einen Heizenergiekennwert von ca. 75 kWh pro m2 Wohnfläche/Jahr. Ein Passivhaus max. 15 kWh/(m2a). Das
sind 80% weniger Heizenergieverbrauch zu Gunsten des Passivhaus. Eine gute Lüftungsanlage, die im Übrigen das Problem der häuslichen Schimmelbildung final beendet, hat einen Energiekostenaufwand von ca. 20 EUR je 100 m2 Wohnfläche/Jahr, da gute Anlagen mit energiesparenden Gleichstromlüftermotoren betrieben werden. Eine Betriebskostenneutralität kommt so auf keinen Fall zustande, das Passivhaus wird immer erheblich kostengünstiger zu betreiben sein.

Völlig ausser Ansatz bleiben die erheblichen Vorteile einer kontrollierten Wohnraumlüftung in Bezug auf Luftreinheit und Gesundheitsvorsorge. Jeder Allergiker, der ein Passivhaus bewohnt, wird das bestätigen.

Auch die Baukosten eines Passivhauses sind nicht wesentlich höher als ein qualitätiv gleichwertiges EnEV-Gebäude. Wenn aber schon über 3-Scheiben-Fenster diskutiert wird, dann deutet das schon auf Billigbau hin. Ein Passivhaus kann heute ohne Probleme in den Kostengruppe 300/400 mit rd. 1.750 EUR/m²Wohnfläche gebaut werden. Das ist aber wie der Vergleich von Äpfel und Birnen, eben nicht mit Billigbau vergleichbar.

Insgesamt fällt bei dem Artikel auf, dass wenig konkrete Fakten geliefert wurden. Es wäre schon interessant, wie die konkrete Systemkonfiguration aufgebaut wurde. So bleibt ein fader Beigeschmack und es ist schade, dass ein von vielen Anwendern als Optimum klassifiziertes System madig gemacht wird.

Viele Grüße aus Mülheim a.d. Ruhr
B+P BauConsult GmbH
gez. W.R. Bouchard

 

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