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Nachhaltigkeitssiegel ist für Kommunen zu kompliziert

Passivhaus rechnet sich mittelfristig für Kommunen

27.02.2010, 04:33

Plusenergiehaus
Zeigt, wo es hingeht: Pilotmodell Plusenergiehaus in Frankfurt. Bild: Energiereferat

Die Stadt Frankfurt gilt als Vorreiterin im Bereich der Passivhausbauweise. Das sei nicht nur ökologisch getrieben, sondern vor allem die langfristig wirtschaftlichste Bauweise, betonte Mathias Linder, Abteilungsleiter Energiemanagement im Hochbauamt der Stadt, auf einem Vortrag auf der Stuttgarter Kongressmesse CEP.

Die Stadt Frankfurt hat gute Erfahrungen mit sehr konkreten und kompakten Vorgaben für Architekten und Planer bei der Abwicklung öffentlicher Aufträge gemacht. In Leitlinien zum wirtschaftlichen Bauen sind die Richtlinien festgeschrieben. Wer für die Stadt bauen will, muss sich an diese Richtlinien halten. Dabei "werde nicht zu 100 Prozent der Standard des deutschen Gütesiegels für Nachhaltiges Bauen durchgesetzt", denn das sei zu kompliziert für Kommunen, sagte Linder. Dennoch sei Nachhaltigkeit ein zentrales Thema.

Um auch bei Ausschreibungen Passivhausbauweise verwenden zu können, haben die Frankfurter für die parlamentarischen Gremien die Wirtschaftlichkeit über einen längeren Zeitraum berechnet. Dabei werden Kapitalkosten, Betriebskosten und Umweltfolgekosten für einen Zeitraum von 20 Jahren einbezogen. Als Umweltfolgekosten sind 50 Euro pro Tonne CO2 angesetzt, das mache aber den Kohl eigentlich nicht fett, meinte Linder.

Pro Qudratmeter gebauter Geschossfläche hat er beispielsweise bei einer Grundschule bei der Bauweise, die den nach der EnEV 2009 zugelassenen Energieverbrauch um 30 Prozent unterschreitet, einen Preis von 255 Quadratmetern errechnet. Der Standard EnEV 2009 Minus 30 Prozent ist das mindeste, was verlangt wird. Bei Passivhausbauweise lagen die Kosten bei 243 Euro pro Quadratmeter.

Dabei gehe man bei der Berechnung des Energiebedarfs nicht nach der DIN 18599 vor. Der Aufwand dafür sei wirtschaftlich nicht darstellbar, so Linder. Gerechnet wird stattdessen mit dem Passivhausprojektierungspaket. "Das nehmen wir als Bauaufsicht auf unsere Schulter", sagte Linder. Außerdem gehe man bei der Auslegung der Wärmeerzeugung nicht von einer Heizlastberechnung aus. Die liefere in der Regel viel zu hohe Werte. Man verwende vielmehr die Regressionsanalyse und Verbrauchswerte, die man bereits habe. Planer, die sich die Berechnungen der Frankfurter anschauen wollen, finden die Grundlagen und Rechenwerkzeuge für Passivhausbauweise mittlerweile auf deren Internet-Seite.

Ein wichtiges Element zur Qualitätssicherung, das in Frankfurt standardmäßig eingesetzt wird, ist das Blower-Door-Verfahren zur Berechnung der Luftdichtigkeit. Das werde auch bei Nicht-Passivhäusern angewendet, um nach einer Sanierung definierte Werte der Luftdichtigkeit zu erhalten, sagte Linder weiter. Erst wenn die nachgewiesen sei bezahle man die letzte Rate.

Technische Standards, die von Architekten und Ingenieuren einzuhalten sind, gibt es bereits seit 12 Jahren, seit einem Jahr sind diese in kompakten Leitlinien zusammengefasst. Diese sollen nun jedes Jahr sich neu abzeichnenden Erfordernissen angepasst werden. Im Moment ist dies die ökologische Verträglichkeit der verwendeten Baustoffe. Da habe man im Entwurf der Leitlinien für das laufende Jahr noch einmal nachgelegt, meinte Linder. Maßgeblich sind Angaben des Gefahrsoff-Informationssystems GIS und das RAL-Umweltzeichen.

Insgesamt ist Frankfurt aber in einer Sonderstellung. Die Finanzen der hessischen Bankenmetropole sind so solide, dass bei Investitionen langfristig gedacht werden kann. Klammere Kommunen können sich das aber kaum noch leisten. "Das wäre durchaus sinnvoll", meinte etwa Sigismund Mühlbauer, Prokurist der Münchner GEWOFAG Holding. Im freien Wohnungsbau sei das auch machbar. Ansonsten stecke man aber immer im Dilemma, dass der Eigentümer investiere und der Nutzer davon profitiere. Ohne Anpassungen des Mietrechts sei das kaum zu ändern. pgl

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