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Neben Wärme wird auch der Strom einbezogen

Passivhaus-Klassen sollen Energiebilanz abbilden

09.04.2015, 08:45

Passivhaus in Wolfratshausen
Bei Einordnung von Passivhäusern gibt es neue Klassen, die auch den Strombedarf einrechnen. © Dena

Die Energiebilanz von Gebäuden und Quartieren ist ein Thema, das zunehmend in den Fokus rückt. Die EU will Nahezu-Null-Energie-Häuser. Konzepte wie Plusenergiehäuser, Aktivhäuser oder Sonnenhäuser versuchen, sich zu positionieren. Nun kommen zwei neue Klassen des Passivhaus-Standards dazu.

Um deren Energiebilanz abzubilden, hat das Passivhaus Institut ein eigenes System entwickelt. Bei den neu eingeführten Passivhaus-Kategorien Passivhaus Plus und Passivhaus Premium wird die Art und Weise berücksichtigt, wie die für den Betrieb des Hauses nötige Energie erzeugt wird. Einbezogen sind nicht nur die Energie für Heizung und Warmwasser, sondern auch der Strom.

Bilanziert wird bei gängigen Plusenergiehäusern in der Regel mit Jahresbilanzen bei Energiebedarf und -verbrauch. Ob die Energie dazwischen im öffentlichen Netz "geparkt" werden muss, um den Unterschied zwischen dem Bedarf im Sommer und im Winter auszugleichen, spielt keine Rolle. Außerdem sei unklar, ob nur die Heizenergie oder auch die für Warmwasser oder gar für den kompletten Energiebedarf des Gebäudes gegegengerechnet werden, erklärt Benjamin Krick, der für das Passivhaus Institut die neuen Haus-Klassen entwickelt hat. Ist nun ein Passivhaus in der neu angedachten Variante auch ein Plusenergiehaus? "Wird im Einfamilienhaus ein Plusenergiehaus im Bilanzrahmen der Energieeinsparverordnung betrachtet, kann davon ausgegangen werden, dass ein Passivhaus Plus auch ein Plusenergiehaus in diesem Sinne ist", sagt Krick.

PER-Faktor soll Primäenergiebilanz erleichtern

Bei der Bilanzierung gibt es einen wesentlichen Unterschied: Bei der Gegenüberstellung von Erzeugung und Verbrauch wird bei den Passivhaus-Klassen mit zwei verschiedenen Flächen gerechnet. Bei der Energieerzeugung legt die Berechnung die Grundfläche des Gebäudes zugrunde, beim Verbrauch die Nutzfläche. Damit soll erreicht werden, dass Bungalows und Mehrfamilienhäuser bei der Erzeugung gleich bewertet werden. Andere Methoden machen für Mehrfamilienhäuser eine positive Energiebilanz aufgrund der im Verhältnis zur Nutzfläche geringeren Dachfläche schwierig.

Gerechnet wird mit einem so genannten PER-Faktor. PER steht für Primary Energy Renewable. Er beschreibt die Energieverluste für einzelne Verwendungen von Energie. Je kleiner der Faktor, desto geringer die Verluste, desto besser also für die Energiebilanz.

Einbeziehung von Biomasse ist kritisch

Ziemlich kompliziert wird das bei der Einbeziehung von Biomasse. Da wird auch die Nutzungshierarchie erst Nahrungsmittelproduktion, dann stoffliche Nutzung und erst dann energetische Nutzung mit einbezogen. Für die vertretbare Nutzung im Gebäudebereich wird ein Beitrag der Biomasse von 20 kWh/m2a angenommen. Bis zu dieser Grenze gibt es den PER-Faktor 1,1. Für alles, was über diesen Anteil hinausgeht, gibt es sozusagen einen Öko-Malus. Ohnehin können die Passivhaus-Experten der Verwendung von Biomasse zum Heizen nicht viel abgewinnen. Es sei effizienter, diese zu verstromen und dann über eine Wärmepumpe zum Heizen zu verwenden. Da sei der Anteil nutzbarer Wärme deutlich höher, so das Argument.

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