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Erstmals Architekturpreis für zertifizierte Passivhäuser vergeben

Passivhäuser können auch schön sein

01.06.2010, 06:00

Staatsarchiv Dresden
Der Erweiterungsbau Staatsarchiv Dresden belegte den dritten Platz. Bild: Sächsische Staatskanzlei

Das schönste Passivhaus steht in der Schweiz. Zu diesem Ergebnis kam die achtköpfige Jury des internationalen Architekturpreises Passivhaus 2010. Dieser ist in diesem Jahr erstmals vom Passivhausinstitut und der Sächsischen Energieagentur (SAENA) ausgelobt und auf der 14. Internationalen Passivhaustagung in Dresden vergeben worden. Das Projekt des Berner Architekturbüros Halle 58 belegte den ersten Platz.

Der Neubau eines Mehrfamilienhauses steht in Lieberfeld und ist das erste Gebäude, das gemäß dem Schweizer Minergie-P-ECO-Standard errichtet wurde. Besonders beeindruckt war die Jury von der ausgeprägten Verglasung. Die Fensterflächen nehmen knapp 52 Prozent der Gesamtfassade ein. "Wir waren uns zuerst gar nicht sicher, ob das überhaupt ein Passivhaus ist", so der Jury-Vorsitzende Professor Ludwig Rongen während der Preisverleihung. Doch bei allen Gewinnern handele es sich um hundertprozentige Passivhäuser, versichert Professor Wolfgang Feist, wissenschaftlicher Leiter des Passivhausinstituts.

Dazu zählt auch das erste Passivhaus in Japan. Es wurde mit einem zweiten Preis ausgezeichnet. Besondere Herausforderungen bei dem Einfamilienhaus stellten laut Jury die relativ kleine Grundstücksfläche von 100 Quadratmetern sowie das feuchtwarme Klima der Region dar. Ein weiterer zweiter Preis ging an den Neubau eines Gemeindezentrums in Österreich. Den dritten Platz belegte der Erweiterungsbau des Hauptstaatsarchivs Dresden. Insgesamt wurden sechzig Projekte für den Wettbewerb eingereicht. Davon waren rund zwei Drittel Ein- und Zweifamilienhäuser, aber auch Schulen, Kindertagesstätten und  Bürogebäude waren darunter.


Sonderpreis für Turnhallen-Baukastensystem

Neben den vier Preisträgern gab es nach Meinung von Feist weitere auszeichnungswürdige Projekte. Daher stiftete das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung zusätzlich Sonderpreise. Einen davon hat ein Fellbacher Architekturbüro für den Entwurf eines Baukastensystems für Turnhallen in Passivbauweise erhalten. Auf Basis dieses Systems wurden bisher bereits 26 Sporthallen in Frankfurt gebaut.  

Das Bundesministerium hatte die Schirmherrschaft für den Architekturpreis übernommen. Der erste Rang ist mit 4.000 Euro dotiert. Für den zweiten sowie den dritten Platz gibt es jeweils 2.000 beziehungsweise 1.000 Euro. Nach Ansicht des parlamentarischen Staatssekretärs Jan Mücke zeigt der Wettbewerb, dass Passivhäuser mittlerweile auch schön sein können. Nach wie vor gibt es laut Mücke aber noch viel Potenzial im Passivhausbau. Er erhofft sich eine "Graswurzelbewegung von unten", um das Passivhauskonzept weiter zu verbreiten.

Passivhaus-Experte Feist sieht auch im Altbaubereich viel Potenzial. Zwar ließe sich der Energieverbrauch von Altbauten in der Regel nicht auf den von neu gebauten Passivhäusern reduzieren. "Aber es lassen sich die gleichen Passivhaus-Komponenten einsetzen und damit sowohl der Bautenschutz als auch die Nachhaltigkeit entscheidend verbessern", so Feist. Um den besonderen Bedingungen im Altbau gerecht zu werden, hat das Passivhausinsitut ein spezielles Zertifikat entwickelt.

Das EnerPHit soll als Nachweis der erreichten Energiekennwerte bei Gebäuden dienen, die mit Passivhaus-Komponenten saniert wurden. Als Bedingung für das Zertifikat wird gefordert: ein Heizwärmebedarf von maximal 25 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr (kWh/m²a) unter Einsatz einer kontrollierten Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung und der Einbau von Dreischeibenverglasung mit gedämmten Fensterrahmen oder alternativ die durchgängige Verwendung von Passivhaus-Komponenten nach den Anforderungen der Bauteilzertifizierung des Passivhausinstituts. 

Gebäude, die auf Basis einer Lüftungsanlage ein solches Zertifikat erhalten, werden in naher Zukunft wohl eher selten zu finden sein. Denn der Einsatz von Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung bei der Altbausanierung befindet sich noch auf einem sehr niedrigen Niveau. Das zeigt unter anderem ein Bericht des Klimaschutzfonds ProKlima, der in der Region Hannover die energetische Modernisierung von Wohn- und Vereinsgebäuden fördert. Laut Anke Unverzagt, Programmleiterin Alt- und Neubau bei ProKlima, wurde nur bei 0,04 Prozent der Modernisierungen im Fördergebiet eine Lüftungsanlage eingebaut.

Unverzagt begründet das unter anderem damit, dass allein die Möglichkeit der Energieersparnis kein ausreichendes Argument für den Einsatz dieser Technologie darstellt. Die hygienischen Vorteile im Vergleich zur Fensterlüftung sowie das Gewährleisten eines sicheren Feuchtetransports müssten in die Entscheidung miteinbezogen werden. Zudem ist der Einsatz von Lüftungsanlagen nach wie vor teuer, wie Burkhard Schulze-Darup berichtet. "Die Kosten müssen noch mindestens um die Hälfte runter", so der Passivhaus-Experte. Das sei eine Aufgabe, die die Branche in den kommenden Jahren bewältigen müsse.

Wenn es um die Dämmung von Außenwänden in Altbauten geht, seien energieeffiziente Standards dagegen bereits etabliert, so Unverzagt. Der Marktanteil von Passivhauskomponenten bei entsprechenden Maßnahmen im Fördergebiet liege bei 42 Prozent. Seltener werden energieeffiziente Ausführungen dagegen bei der Dämmung von Dach und Geschossdecke sowie bei der Fenstererneuerung gewählt. Der Marktanteil von Passivhauskomponenten liegt in diesen Bereichen bei 13 beziehungsweise sechs Prozent. mst

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