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Passivhaus im Neubau, Sanierung nach EnEV Neubau

Nürnberg wird zur Passivhaus-Kommune

08.01.2010, 14:26

Stadtansicht Nürnberg
In Nürnberg wird besser saniert als vorgeschrieben. Bild: Stadt Nürnberg

In zahlreichen Städten sollen kommunale Neubauten in Zukunft ein Passivhaus sein. Auch in der Sanierung schreiben Städte und Gemeinden Standards vor, die strenger sind als geltende Vorschriften der Energieeinsparverordnung EnEV 2009.

Neu im Boot der Passivhaus-Kommunen ist seit kurzem die Stadt Nürnberg. Der Bau- und Vergabeausschuss der Frankenmetropole hat kurz vor Jahresende 2009 neue energetische Standards für städtische Hochbaumaßnahmen beschlossen.

Das ist nicht nur ein Maßnahmepaket zum Klimaschutz, es soll sich auch rechnen. "Wir wollen und müssen die Summe aus Investitions- und Betriebskosten über die gesamte Lebensdauer der Gebäude minimieren – das ist eine ökonomische wie auch ökologische Notwendigkeit, die alternativlos ist", sagt Baureferent Wolfgang Baumann. Bei Neubauten bedeutet dies, dass sie als Passivhaus gebaut werden. Sie müssen sich nach dem aktuellen Passivhaus-Projektierungspaket des Passivhaus-Instituts Darmstadt richten.

Eva Anlauft, Leiterin des Kommunalen Energiemanagements beim Hochbauamt der Stadt Nürnberg, hat zu den durch diese Beschlüsse in der Bauphase entstehenden Kosten konkrete Zahlen parat. Nach Maßgabe der derzeit aktuellen Energieeeinsparverordnung EnEV 2009 liegen die Mehrkosten bei großen Gebäuden bei einem Neubau nach Passivhausstandard nur noch bei 3 Prozent, bei kleineren Gebäuden sind es gut zehn Prozent Mehrkosten. Diesen Kosten stehen aber enorme Energieeinsparungen gegenüber.

Bei der Sanierung des Gebäudebestands nach den beschlossenen Vorgaben geht Anlauft von Mehrkosten zwischen 3 und 4 Prozent aus. Saniert wird in Nürnberg nach den Vorgaben des Neubaustandards der EnEV 2009. Dabei wird nicht überall Passivhausstandard eingehalten. Vor allem Lüftungsanlagen ließen sich nicht überall installieren, meint Anlauft. Diese sind vorrangig in Schulen vorgesehen. Dicke Dämmung wird aber überall aufgebracht. Zusätzlich werden Planungsvorgaben für Hochbau, Heizungstechnik, Lüftungs-, Klima- und Sanitärtechnik, Elektrotechnik, zur Mess-, Steuer- und Regeltechnik, für maschinelle Anlagen und zur Qualitätssicherung festgelegt.

Die Vorgaben gelten für alle stadteigenen Gebäude, Einrichtungen und betriebstechnischen Anlagen der städtischen Ämter und Eigenbetriebe. Dabei geht es den Franken allerdings auch darum, Ökonomie und Ökologie unter einen Hut zu bringen: "Der energetische Standard ist kein Dogma: Bei Projekten ab 250.000 Euro wird zwingend vorgeschrieben, dass der Wirtschaftlichkeitsnachweis unter Berücksichtigung der Investitions-, Kapital- und Betriebskosten erbracht werden muss. Nur die wirtschaftlichste Variante wird gebaut", erläutert Baumann.

Mit ihrem Beschluss stehen die Franken nicht alleine. Man nehme einen Platz im oberen Mittelfeld ein, schätzt Anlauft. Städte wie Freiburg, Frankfurt, Hannover, Heidelberg, Wiesbaden, Leipzig, Aschaffenburg oder Kreis Steinfurt bauen ebenfalls bei öffentlichen Bauten nur noch Passivhäuser. Ein nächster Schritt wäre für Nürnberg der Beschluss, dass auch in Bausatzungen Passivhausbauweise vorgeschrieben wird. Das würde private Bauherren im Neubau binden. Erste Vorlagen dazu gab es bereits, sie wurden jedoch wieder gekippt. 2010 soll das Thema erneut auf der Tagesordnung stehen.

Für Ulrike Janssen, Geschäftsführerin des Städtenetzwerks Klima-Bündnis, sind solche Beschlüsse notwendig, da sie Verbindlichkeit schaffen: "Es ist eine wichtige Weichenstellung, da diese Standards dann systematisch angewendet werden und keine Einzelfalldiskussionen mehr geführt werden müssen", sagt Janssen." "Wenn festgeschrieben wird, dass 20 Prozent besser als die derzeitige Energieeinsparverordnung gebaut wird, ist das ein guter erster Schritt", meint auch Veit Bürger, Experte für den Bereich Gebäude beim Freiburger Öko-Institut. Mit der EU-Gebäuderichtlinie würden aber künftig ohnehin Nullenergiehäuser vorgeschrieben. Noch wichtiger aber sei die Durchsetzung der Vorschriften vor allem bei privaten Neubauten: "Gesetze müssen auch vollzogen werden, das ist im privaten Umfeld das größte Problem", so der Experte.

Ulrike Janssen fordert außerdem, dass auch die Länder sich dem Vorbild der Kommunen anschließen und für ihre Liegenschaften ähnliche Beschlüsse fassen sollen. Hessen hat dies bereits getan, allerdings nicht mit einer Festlegung auf Passivhaus-Normen, sondern auf eher weiche Ziele: Neubauten sollen zukünftig ohne beziehungsweise mit minimalem Primärenergiebedarf erstellt werden. Dazu sollen Benchmarks für den Heizenergiebedarf und Primärenergiebedarf festgelegt und bei Neubauprojekten umgesetzt werden. Mit wissenschaftlicher Unterstützung werden wirtschaftlich umsetzbare Anforderungen an die Energieeffizienz hessischer Landesgebäude im Neubaubereich entwickelt.

"Für die Gebäude der allgemeinen Landesverwaltung, die im wirtschaftlichen Eigentum des Hessischen Immobilienmanagements sind, wird der CO2-neutrale beziehungsweise CO2-arme Betrieb von etwa 1.300 projektrelevanten Bestandsgebäuden angestrebt", lautet der Beschluss der Hessen. Auch Anmietungen sollen in Gebäuden erfolgen, deren Energiebedarf die gesetzlichen Anforderungen deutlich unterschreitet. pgl

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