RSS | Newsletter | Über uns | Kontakt | Sitemap

Sie sind hier: Home » Dämmung & Fassade » Aktuelles » Artikel » Neckargemünd war sich über Passivhaus-Schule einig

Kita und Kindergarten werden jetzt ähnlich gebaut

Neckargemünd war sich über Passivhaus-Schule einig

24.10.2009, 09:07

Außenansicht der Schule
Neckargemünder Schule ist ein Passivhaus. Bild: Meyer

Das Schulzentrum in Neckargemünd ist mehrfach preisgekrönt. Die erste Auszeichnung war die im Rahmen des PROM-Wettbewerbs des Energieversorgers RWE für energieeffiziente öffentliche Gebäude, die zweite vor kurzem der Green Roof Award.

Die Entscheidung, eine Schule in Passivhausbauweise zu errichten war in der Gemeinde völlig unstrittig: "Alle Fraktionen waren sich darin einig, dass wir das wollen", berichtet Stadtbaumeister Franz-Georg Scheffczyk. Die guten Erfahrungen mit dem Schulneubau haben sogar dazu geführt, dass mittlerweile noch ein Kindergarten und eine Kindertagesstätte in Passivhausbauweise entstanden sind. Einer der Gründe, die dafür den Ausschlag gegeben haben, sind die Kosten. Sie lagen zirka 15 Prozent höher als für eine konventionelle Bauweise, die den normalen Anforderungen der Energieeinsparverordnung entspricht. "Bei zirka 25 Millionen Euro Gesamtbaukosten lagen die Mehrkosten bei zirka 1,5 Millionen Euro", berichtet Scheffczyk. Die Endabrechnung liegt noch nicht vor, "wir sind aber im Kostenrahmen geblieben", sagt der Stadtbaumeister.

Für Scheffczyk war die Entscheidung zunächst von der Ökologie getrieben. Die politisch Verantwortlichen der Stadt waren sich einig darin, dass es eine klimaneutrale Wärmeversorgung ohne Öl und Gas geben soll. Dazu tragen auch regionale Energieträger bei. Neckargemünd hat einen großen Waldbestand, geheizt wird deshalb mit Pellets. Dazu kommen Geothermie und Fotovoltaik. Bezogen wurde die Schule im vergangenen Jahr, nun liegen erste Erfahrungen aus dem Realbetrieb vor. "Wir erreichen bei der Wärmerückgewinung einen Rückgewinnungsgrad von 91 Prozent", sagt Scheffczyk. Acht Lüftungsgeräte arbeiten an der Schule, eines für jedes Gebäude. Das hat den Vorteil, dass die Luft keine langen Wege zurücklegt und ist einer der Gründe für den hohen Grad an Wärmerückgewinnung. Be- und Entlüftung der Zimmer laufen mechanisch mit dreifachem stündlichem Luftwechsel.

Während der Planung haben die Ausführenden auch die Hürden erfahren, die Passivhausverfahren in der Praxis mit sich bringen. So stand das architektonische Konzept fest, bevor der Beschluss zur Passivhausplanung fiel. Das hat bei der Gestaltung der vorgehängten Fassade einiges Kopfzerbrechen bereitet. Die besteht aus einer Stahlbetonmauer mit einer vorgehängten Wand aus HPL-Platten. Knifflig war die Verbindung zwischen vorgehängter Fassade und tragender Wand. Hier kommen Abstandshalter aus Alu zum Einsatz, die aber speziell verkleidet werden mussten, damit sie nicht zu viel Wärme ableiten. Die Halter gab es nicht von der Stange, es war eine Zulassung im Einzelfall notwendig.

Bei der Gestaltung haben die Architekten versucht, das zu vermeiden, was dem Klischee eines Passivhauses entspricht. "Wir wollten keinen Öko-Touch mit verwitterndem Holz", meint Planer Stefan Hunzinger vom ausführenden Büro Donnig und Unterstab aus Rastatt. Für HPL-Platten hat sich Hunzinger entschieden, weil die Farbpalette groß ist und das Material aufgrund seiner Wetterfestigkeit in der Instandhaltung relativ günstig ist, "günstiger als ein Wärmedämmverbundsystem", sagt er. Eine der Besonderheiten der Schule ist auch der hohe Glasanteil mit Dreifach-Wärmeschutzverglasung.

Am hohen Glasanteil würde Scheffczyk auf jeden Fall festhalten, nicht jedoch an der Größe der einzelnen Scheiben. Die haben sich in rauen Schulalltag als zu teuer erwiesen. Die ersten sind bereits zu Bruch gegangen, die Folgekosten für die schweren Glasteile sind enorm. Einer der Gründe aus Sicht des Architekten für die großen Scheiben ist ihre optische Wirkung. Ein weiterer ist die Energieeffizienz: Die Fensterrahmen sind immer noch eine Schwachstelle und lassen viel Wärme entweichen. Je geringer der Anteil der Rahmen an der Glasfläche, desto besser.

Eine Besonderheit ist auch das Dach. Es ist ein Gründach und besteht aus einer Kombination aus Polystyrol und Foamglas. "Darauf haben wir 25 Jahre Garantie bekommen", ist Planer Hunzinger stolz. Für Foamglas hat er sich trotz des Preises entschieden, da das Material extrem druckfest ist und die Last der Fotovoltaikanlage auf dem Dach verkraftet. Diese Konstruktion hat den Planern und Ausführenden im Juni den Green Roof Award eingebracht. pgl

Eine Verwendung dieses Textes durch Dritte ist kostenpflichtig. Eine Lizenzierung ist möglich. Bitte nehmen Sie bei Fragen Kontakt auf.

 

Kommentar schreiben

(wird nicht veröffentlicht)
Bitte geben Sie die angezeigte Zeichenfolge (Captcha) ein. Dies dient zur Vermeidung von unerwünschtem Spam.

Zurück

Premiumpartner