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Jede dritte Wärmedämmung weist Fehler auf

Materialwahl bei Wärmedämmung entscheidend

15.10.2010, 08:45

Wärmedämmung Gutex
Die Wahl des Dämmstoffs ist ein entscheidender Qualitätsfaktor. Bild: Gutex

Jede dritte Wärmedämmung in Deutschland ist fehlerhaft. Dieses Fazit zieht das Institut für Bauforschung e.V. aus Hannover aus den Erfahrungen, die es während planungs- und baubegleitender Qualitätskontrollen in den vergangenen zehn Jahren gewonnen hat. "Trotz Förderung durch die KfW findet eine Qualitätskontrolle bei Sanierungen und Neubauten noch viel zu selten statt. Und wenn, dann werden die sachverständigen Baubegleiter von Planern und Ausführenden eher als Gegner denn als Partner und willkommene Unterstützung betrachtet", kritisiert Heike Böhmer, Geschäftsführerin des Hannoveraner Instituts. Sie wünscht sich eine Zusammenarbeit aller Beteiligten, um Fehler frühzeitig zu erkennen und zu vermeiden.

Neben einer mangelhaften Ausführung der Dämmung resultieren Fehler häufig aus einer falschen Planung und einer unzureichenden Untersuchung der Bausubstanz. Art und Zustand der Bausubstanz jedoch ist entscheidend für die Wahl des richtigen Dämmmaterials. Ein Wärmedämmverbundsystem auf Polystyrolbasis ist nicht für jede Fassade die richtige Wahl. Laut Hartwig Künzel vom Fraunhofer Institut für Bauphysik (IBP) sind in letzter Zeit vermehrt Fälle bekannt geworden, bei denen niederschlagsbedingte Feuchteschäden an der Konstruktion gedämmter Wände zu finden waren. 

Hauptursache für eindringende Feuchte sind dem Experten zufolge Leckagen im Bereich von Fenstern und Anschlüssen, durch die bei Schlagregen von außen Niederschlagswasser hinter das WDVS gelangen kann. "Auch bei guter Ausführung sind kleine Leckagen in der Baupraxis nicht ganz auszuschließen", ist sich Künzel sicher.

Als Beweis führt er das Beispiel eines Wärmedämmverbundsystems aus den frühen 90er Jahren an. Dieses sei an der Westseite eines Versuchsgebäudes angebracht worden. Dabei sei dem ausführenden Unternehmen klar gewesen, dass es sich um ein Versuchsobjekt handelt. Es könne also davon ausgegangen werden, dass das WDVS ordnungsgemäß nach dem damaligen Stand der Technik angebracht wurde. Dennoch haben die Fraunhofer-Forscher in den Bereichen unterhalb der Fenster Dämmstofffeuchten von bis zu 10 Volumenprozent gemessen. 

In der Praxis bleibt eindringende Feuchtigkeit oft unentdeckt, vor allem dann, wenn ein WDVS auf einem gegenüber Feuchte vergleichsweise unempfindlichen Untergrund wie Kalksandstein- oder Ziegelmauerwerk aufgebracht wird. "Mauerwerk kann einiges an Feuchte speichern und später langsam wieder abgeben. Deshalb treten Probleme kaum zutage." Eine Holzunterkonstruktion dagegen werde beschädigt, vor allem, wenn die Trocknung durch eine diffusionshemmende Hartschaumdämmung an der Außenwand sowie eine Dampfsperre nach innen behindert wird. Daher seien Holzbauwände mit WDVS auf Polystyrolbasis hierzulande kritisch zu beurteilen. Eine Konstruktion sollte möglichst feuchtetolerant sein, das heißt trotz kleinerer Fehlstellen schadensfrei bleiben, empfiehlt der Fraunhofer-Forscher.

"Etwas besser schneiden beispielsweise Außendämmsysteme mit Faserdämmstoffen ab, da das eingedrungene Regenwasser sehr viel schneller wieder abtrocknet", sagt Künzel und ergänzt: "Deshalb werden zur wärmetechnischen Sanierung von Fachwerkhäusern im WTA-Merkblatt 8-4 ausschließlich diffusionsoffene Außendämmsysteme empfohlen." Ähnliches gelte auch für andere feuchteempfindliche Untergründe.

Auch bei der Innendämmung ist die falsche Materialwahl eine häufige Mangelursache, berichtet Clemens Hecht, Leiter der Abteilung Bautechnik, Baustoffprüfung und Bauschadensanalyse der Technischen Versuchs- und Forschungsanstalt Wien.

Natürlich sei es bei Innendämmungen schwieriger, Wärmebrücken zu vermeiden, vor allem im Bereich einbindender Bauteile wie Decken oder Innenwände. Daher sei die Innendämmung auch immer ein Kompromiss und sollte in der Sanierung nur dort zum Einsatz kommen, wo eine Außendämmung beispielsweise aus baurechtlichen oder Denkmalschutzgründen nicht in Frage kommt. "Abgesehen von der mangelhaften Ausführung beispielsweise von Anschlussbereichen sind es aber vor allem Planungsfehler, die zu Problemen wie Schimmel oder Schäden durch Kondensat führen", so Hecht.

Ein häufiger Fehler sei beispielsweise, dass sich der Planer nicht ausreichend mit dem Istzustand beschäftige und unabhängig von den vorherrschenden Verhältnissen beispielsweise das Material wähle, mit dessen Verarbeitung er vertraut ist. "Tatsächlich muss man sich die Feuchtigkeitsverhältnisse in der bestehenden Wand genau anschauen und feststellen, ob das Dämmsystem mit einer entsprechend hohen Feuchtigkeit klar kommt. Wenn nicht, muss die Ursache für die Feuchtigkeit erforscht, behoben oder eben ein anderes, diffusionsoffenes Material gewählt werden", erläutert Hecht.

Zudem müsse schon bei der Planung berücksichtigt werden, dass ein innen gedämmter Raum nicht beliebig umgenutzt werden könne. "Sie können ein Archiv nicht später zur Sauna umfunktionieren",  so der Experte aus Wien, der sich gegen die oft vorgebrachte Behauptung wehrt, Schäden in innengedämmten Gebäuden seien auf falsches Nutzerverhalten zurückzuführen. "Der Planer muss sich im Vorfeld genau mit dem Gebäude und der geplanten Nutzung beschäftigen und dann die passende Lösung finden", so Hecht.

Die Folgen einer fehlerhaften Dämmung können weitreichend sein, von einem erhöhten Primärenergiebedarf bis zum Ausbleiben von Fördergeldern, weil eine bestimmte Effizienzklasse nicht erreicht wird. Oft werden die Folgen aber auch gar nicht offensichtlich. Denn wer führt schon einen leicht erhöhten Primärenergieverbrauch auf eine feuchte Dämmschicht zurück.

Umso wichtiger ist die Qualitätskontrolle in der Planungs- und Ausführungsphase. Bauherren seien gut beraten, einen Sachverständigen zu engagieren, der den Beteiligten über die Schultern schaut. Nicht umsonst wird diese Baubegleitung im Rahmen des KfW-Programms "Energieeffizient Sanieren" gefördert.

von unserer Redakteurin Silke Thole

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