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Klinkerfassade erhält einen kompletten Vollklinkervorbau

Laubengangsiedlung wird denkmalgerecht gedämmt

13.04.2010, 05:56

Laubenganghäuser in Hamburg
Wie ein Schiffsbug kommen dem Betrachter die runden Laubengänge entgegen. Bild: Frank Gruppe

Häuser mit Klinkerfassaden gelten als schwer energetisch zu sanieren, wenn der ursprüngliche Charakter erhalten werden soll. Das gilt insbesondere für stadtbildprägende oder sogar denkmalgeschützte Gebäude wie Laubenganghäuser aus den 20er und 30er Jahren des 20. Jahrhunderts. In Hamburg startet im Wohngebiet Dulsberg ab Mai 2010 ein Projekt, mit dem die Frank-Gruppe Erfahrungen sammeln will. Dabei wird vor die Ursprungsfassade eine komplett neue Klinkerfassade gesetzt.

Gebaut wurden die Häuser in den späten 20er und frühen 30er Jahren von Unternehmensgründer Paul A. R. Frank. Fritz Schumacher war zu dieser Zeit Oberbaudirektor der Hansestadt und hat auch für diesen Stadtteil Konzepte entworfen, auf die Frank sich bezogen hat. Schumacher steht für die Vorstellungen des Werkbunds, der Ästhetik mit Funktionalität verbinden wollte, sowohl im Design von Gebrauchsgegenständen als auch in der Architektur. Für die Häuser in Dulsberg hat A. R. Frank 1928 einen städtebaulichen Wettbewerb gewonnen. Das Projekt wurde in den 20er Jahren auch international beachtet.

Die energetische Sanierung der Häuser in der Schlettstadter Straße beginnt im Mai. Ziel ist es dabei, den Stil des Gebäudes durch eine neue, vorgesetzte Vollklinkerfassade zu erhalten. Mögliche Alternativen wie Innendämmung, die ebenfalls den denkmalgeschützten Charakter erhalten hätten, wurden geprüft und unter anderem aufgrund der geringen Wohnungsgrößen verworfen. "Eine Innendämmung hätte die Wohnungen unzumutbar verkleinert und wäre nur unter Auszug der Mieter möglich gewesen. Das hätte auch das alte Mauerwerk auf Dauer kaum ausgehalten, das durch Schlagregen heftig durchfeuchtet ist", sagt Firmensprecher Clemens Thoma gegenüber EnBauSa.de.

Zwischen die alte und die neue Fassade kommen 14 Zentimeter Minerallwolle und einer Wärmeleitzahl von 0,35. Das Flachdach erhält eine 24 Zentimeter starke Polystyrol-Wärmedämmung mit einer Dampfsperre und einer Kunststoff-Dachdichtungsbahn. Die Kunststoff-Fenster (Uw-Wert 3,3) werden zugunsten von isolierverglasten Holzsprossenfenstern (Uw-Wert 1,3) ausgetauscht. Damit es trotzdem zu einem Luftaustausch kommt, sind die Fenster in jedem Raum an einem Flügel mit einem Regel-air-Lüftungssystem ausgestattet. Bei den Wohnungseingangstüren wird im Oberlicht die vorhandene Scheibe durch ein Wärmedämmglas ersetzt, sowie die Füllung im Türblatt mit einer zusätzlichen Wärmdedämmung versehen. Die Heizungsanlage wird hydraulisch abgeglichen, um zu den neuen Verbräuchen zu passen. Die Maßnahmen sollen in Summe 50 Prozent des Jahresprimärenergiebedarfs einsparen.

Ende 2010 will die Gesellschaft mit der Sanierung fertig sein. Das Investitionsvolumen liegt bei rund 2,7 Millionen Euro. Die Stadt Hamburg und die Hamburgische Wohnungsbaukreditanstalt fördern das Vorhaben mit Zuschüssen in Höhe von knapp 920.000 Euro. Die wissenschaftlich begleitete Maßnahme ist ein Pilotprojekt, mit dem sowohl der Bauherr als auch die Denkmalschutzbehörden Erfahrungen für nachfolgende denkmalgerechte Sanierungen sammeln wollen.

Alleine in Dulsberg gibt es noch acht unsanierte denkmalgeschützte Wohnblöcke. "Es liegt in unserer Verantwortung, den einzigartigen Charakter der Laubenganghäuser am Dulsberg zu bewahren, die Teil der spezifischen Hamburger Baukultur mit internationaler Bedeutung sind", sagt Jörn Walter, Oberbaudirektor der Stadt Hamburg. Ob das Vorhaben in der Breite angewendet werden kann ist aber aufgrund der hohen Kosten noch unklar.

Die Mieter profitieren nach der Sanierung von sinkenden Heizkosten und steigendem Wohnkomfort. Neben der Ertüchtigung der Fassade wird auf dem Flachdach des Gebäudes eine 24 Zentimeter starke Wärmedämmung aufgebracht. Eine witterungsfeste Teilverglasung der Laubengänge wird sich zudem positiv auf die Langlebigkeit der Bausubstanz auswirken. Isolierverglaste Holzsprossenfenster und ein verbessertes Lüftungskonzept in den Bädern sollen den Wohnkomfort erhöhen. pgl

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