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Alternativen sind zunehmend gefragt

Länder setzen stärker auf Fassaden ohne Biozide

07.01.2014, 07:00

Fassade
Bundesländer setzen vermehrt auf Fassaden ohne Biozide. © Berres

Biozide, die eingesetzt werden, um Fassaden mit WDVS dauerhaft algenfrei zu halten sind umstritten. Sie werden ausgewaschen und gelangen dann in die Gewässer. Biozidfreie Alternativen sind bei Putzen und Farben verfügbar. Die Länder setzen bei Bauten, für die sie verantwortlich sind aber zunehmend auf Alternativen, die ohne Biozide auskommen oder gar nicht gestrichen werden müssen.

So verwendet die Immobilien Bremen AöR, die für die Landesimmobilien der Hansestadt Bremen zuständig ist, für die Fassaden von Neubauten sowie bei der energetischen Sanierung von Fassaden als vorgegebenen Standard durchweg Materialien, die keinen Anstrich benötigen. Nur in Ausnahmefällen kommen überhaupt Wärmedämmverbundsysteme zum Einsatz, dann aber mit Biozid-Additiven.

Bei neuen Anstrichen sieht der gültige Rahmenvertrag für die Ausschreibung von Malerarbeiten vor, dass grundsätzlich – je nach Untergrund und vorhandenem Anstrich – Silikat- oder Siliconharzfarben verwendet werden. "Lediglich in besonderen Fällen werden biozide Zusätze additiv verwendet", so die Behörde gegenüber EnBauSa.de.

Auch andere nördliche Bundesländer setzen eher auf Alternativen zur Putzfassade: "Wir als Gebäudemanagement Schleswig-Holstein AöR (GMSH) setzen verputzte Fassaden wegen der Nachteile über den Lebenszyklus der baulichen Anlage ohnehin sehr wenig ein. Die GMSH favorisiert grundsätzlich hinterlüftete Fassadenkonstruktionen zum Beispiel aus Ziegeln oder als Systemfassaden, die bauartbedingt schon biozidfrei sind", so die Schleswig-Holsteiner.

Bei Landesbauten in Thüringen wird angestrebt, möglichst biozidfreie Fassadensysteme zu konzipieren und auszuschreiben. "Bei geeigneten Putzfassaden wurden bereits biozidfreie Systemaufbauten eingesetzt", so Fried Dahmen, Pressesprecher des Thüringer Bauministeriums. Soweit aus projektspezifischen Gründen der Einsatz von zugelassenen biozidhaltigen Zusatzstoffen erforderlich sei, erfolge dieser zur Reduzierung der Bauunterhaltungskosten.

Auch im Saarland seien biozidfreie Fassaden "für uns regelmäßig eine Alternative; so sind alle vorgehängten, hinterlüfteten Fassaden biozidfrei", antwortet Stienke Kalbfuß vom zuständigen Ministerium für Finanzen und Europa. Bei Wärmedämmverbundsystemen, Verputzarbeiten und Anstricharbeiten würden gesundheits- und umweltverträgliche sowie zugelassene Bauprodukte ausgeschrieben und eingesetzt. Das heiße, dass man auch hier biozidfreie Varianten einsetze, so Kalbfuß.

In Rheinland-Pfalz setzt man auf Verputz mit höheren Schichtdicken aus mineralischen Materialien ohne biozide Zusätze oder auf dünnere Beschichtungen aus Kunststoffen. Die seien zwar leichter zu verarbeiten und kostengünstiger, würden bei Ausschreibungen des Landes aber nur in Sonderfällen, zum Beispiel bei der Sanierung alter Gebäude, bei denen Risse zu überbrücken sind, angewandt. Soweit technisch und wirtschaftlich vertretbar, werde der mineralische Fassadenaufbau ohne biozide Zusätze angestrebt, so Horst Wenner, Sprecher des Finanzministeriums.

Das Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg, das im Südweststaat für die Sanierung der Landesliegenschaften zuständig ist, prüft im Einzelfall. Die Entscheider setzen im Moment zuerst auf bauliche Maßnahmen wie Schlagregen- und Spritzwasserschutz für kritische Fassadenbereiche, um der Veralgung vorzubeugen. Als weitere Möglichkeit wird die Eignung und der Einsatz eines mineralischen Dickputzes geprüft. Unter bestimmten Voraussetzungen werde auch der Verwendung eines Silikonharzputzes mit Bioziden zugestimmt, beschreibt Frank Kupferschmidt, Pressesprecher des Finanz- und Wirtschaftsministeriums die Strategie. Man wolle den Einsatz von WDVS mit Bioziden im Rahmen der Planung und Einzelfallbeurteilung minimieren, so Kupferschmidt weiter.

Nicht nur die Ausrüstung von Putzen mit Bioziden werde kritisch gesehen, auch bei anderen Stoffen ist man im Südwesten skeptisch: Putze, die mit antibakteriell wirkenden Nanopartikeln versetzt sind, bewerte man aktuell kritisch, sagt Kupferschmidt.

In Bayern legt man bei der Ausschreibung von Bauleistungen zur Realisierung von Neubau- oder Sanierungsmaßnahmen die Vorgaben der Umweltrichtlinien für Öffentliches Auftragswesen zugrunde. Dort ist eine biozidfreie Ausbildung von Fassaden nicht vorgeschrieben. "Soweit im Einzelfall sinnvoll, könnte die Forderung nach einer biozidfreien Ausbildung der Fassade in die Leistungsbeschreibung aufgenommen oder in Form eines Nebenangebotes im Vergabeverfahren zugelassen werden. Die Wertungskriterien müssten dementsprechend festgelegt werden", heißt es aus Bayern dazu auf Anfrage.

Die Länder scheinen das Thema zunehmend auf die Agenda zu nehmen: "Bei der 2014 geplanten Fortschreibung der Verwaltungsvorschrift Beschaffung und Umwelt beabsichtigen wir entsprechende Umweltschutzanforderungen zur biozidfreien Gestaltung von Dächern und Fassaden für die Errichtung/ Komplettsanierung von öffentlichen Gebäuden im Land Berlin vorzugeben", kündigt die Baubehörde der Bundeshauptstadt an. von Pia Grund-Ludwig

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