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Probanden wollten zu 60 Prozent CO2-Reduzierung zum Nulltarif

"Keine Zahlungsbereitschaft für Klimaschutz"

17.11.2010, 00:00

Bochum. Drei Wissenschaftler wollten herausfinden, wie es mit der tatsächlichen Zahlungsbereitschaft für den Klimaschutz bestellt ist. "Alle Staaten", erläutert der Bochumer Wirtschaftswissenschaftler Carsten Vogt, "können das Gut 'stabiles Klima' unabhängig davon nutzen, ob sie einen Beitrag zur Erstellung bzw. Erhaltung des Guts geleistet haben oder nicht." Es stellt sich also die Frage, ob und in welchem Umfang Menschen bereit sind für etwas zu zahlen, das dann allen – auch denen, die nichts bezahlt haben – zugute kommt.

Meinungsumfragen zeichneten bislang ein eher pessimistisches Bild. Viele Befragte lehnten zum Beispiel höhere Umweltsteuern oder Einschnitte beim persönlichen Lebensstandard ab. Sie seien dazu aber nur theoretisch bereit, "solange sie dafür kein real existierendes Geld auf einen real existierenden Tisch legen müssen", sagen die Experten nach ihrer Erhebung.

Gemeinschaftlich haben sich die drei Wissenschaftler Andreas Löschel, Bodo Sturm und Carsten Vogt ein Verfahren überlegt, mit dem die reale Zahlungsbereitschaft für Klimaschutz in einem Kontext gemessen werden kann, in dem die Probanden tatsächlich eigenes Geld für die Vermeidung von CO2 einsetzen können. Dazu muss man wissen, dass seit 2005 in der EU ein börsenmäßiger Handel mit Emissionsrechten für Kohlendioxid stattfindet: Will ein Unternehmen, zum Beispiel ein Kraftwerksbetreiber, mehr CO2 ausstoßen, so muss dafür ein entsprechendesZertifikat vorgelegt werden.

Die gut 200 Probanden erhielten jeweils 40 Euro als Aufwandsentschädigung für ihre Teilnahme. Im Verlauf des Experiments wurden ihnen zunächst die wichtigen Folgen des Klimawandels sowie die Funktionsweise des EU-Emissionshandels erklärt. Dann wurden ihnen fünf zufällig ausgewählte Preise präsentiert und sie wurden gefragt, wie viele CO2-Zertifikate sie zu dem ausgewählten Preis kaufen möchten. Die Teilnehmer hatten also die Möglichkeit, durch ihr Handeln die insgesamt in Europa emittierte Menge an CO2 zu reduzieren.

Die Ergebnisse sind ernüchternd: Im Mittel betrug die Zahlungsbereitschaft für die Vermeidung einer Tonne CO2 knapp 12 Euro, der niedrigste bislang gemessene Wert. Sehr interessant ist zudem die Beobachtung, dass gut 60 Prozent der Teilnehmer eine Zahlungsbereitschaft von Null Euro aufwiesen. Die Wissenschaftler leiten daraus ab, dass für eine substanzielle und kostspielige Klimaschutzpolitik letztlich keine politische Mehrheit existiere. bba

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