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Diskussion zur Gebäudehülle soll versachlicht werden

Kampagne soll Image von WDVS verbessern

18.03.2013, 06:50

Um die in den Medien oft polemisch geführte Diskussion um eine energieeffiziente Gebäudehülle zu entschärfen wurde in Berlin das gestartete Internet-Portal "Wärme im Dialog" vorgestellt. Ziel dabei sei es vor allem, sagte Peter Sarantis, Vorsitzender des Industrieverbandes Werkmörtel, die unsachlichen Vorwürfe – die da reichen von Algenbildung, Fassadenbränden, bis hin zu einer negativen Energiebilanz – gegenüber dem Einsatz von Wärmedämmverbundsystemen (WDVS) für den Verbraucher, also Bauherren, Architekten und Handwerker zu entkräften und die Fakten richtig darzustellen.

Da dies in der Vergangenheit kaum gelungen sei, presche man nun mit einem Internet-Portal nach vorn, das nicht nur Fakten und Wissen bieten, sondern vor allem auch ein Diskussionsforum für jeden Interessierten bereitstellen sowie Ergebnisse zu realisierten Projekten dokumentieren soll. Die Projektdokumentation stellt allerdings vornehmlich die Deutsche Energie-Agentur (Dena) zur Verfügung, mit gebauten Beispielen zu Wohnhäusern aber auch öffentlichen Gebäuden. Die "Wärme-im-Dialog"-Offensive ist denn auch in die von der Bundesregierung geförderte "Sanierungskampagne 2013" der Dena eingebunden.

"Die Bundesregierung will bis zum Jahr 2050 den Primärenergieverbrauch für Heizung und Warmwasser senken", so Stephan Kohler, Vorsitzender der Geschäftsführung der Dena. Die energetische Sanierung sei deshalb ein Grundbaustein dafür und dazu zähle vor allem die Wärmedämmung von Gebäuden. Mit dem schlechten Ruf vor allem von Styropor-Wärmedämmung (EPS, expandiertes Polystyrol) müsse daher aufgeräumt werden.

Diese Art von Verunsicherung der Verbraucher und eine zudem unsichere Lage am Energiemarkt führe zur Zurückhaltung am Markt, so dass Investitionen in die Gebäudehülle nicht getätigt werden, mahnte Lothar Bombös, Vorstand des Fachverbandes Wärmedämm-Verbundsysteme und Mitglied der Geschäftsleitung der Sto AG in Stühlingen. Das Problem bestehe nicht in der Kritik als solches, sondern in der Zuspitzung und Polarisierung. "Wärme im Dialog will sich der Kritik gerne stellen – aber es muss eine faire Auseinandersetzung geben", so Bombös weiter.

"Es geht uns beim Portal daher um größtmögliche Transparenz und einen fairen Austausch von Argumenten. Wir wollen mit Fachleuten und Endverbrauchern diskutieren. Wir starten mit einem Set von Themen, die besonders kritisch dargestellt werden, nämlich Brandschutz, Wirtschaftlichkeit und Gesundheit." Themen wie Ökologie, Recycling und Baukultur sollen folgen.

Christian Grimm, Vorstandssprecher des Industrieverbandes Hartschaum und Geschäftsführer der Saint-Gobain Rigips GmbH, erläuterte in diesem Zusammenhang einige kritische Themen, die innerhalb der Kampagne primär "ins rechte Licht" gerückt werden sollen. So habe die Recherche zu Fassadenbränden ergeben, dass Fassadenbrände 0,001 Prozent aller Brände in Deutschland ausmachen. Styropor ist als schwer entflammbar eingestuft und könne durch eine einfache Zündquelle wie ein Feuerzeug nicht einfach entzündet werden. Das gelte auch für das WDVS.

Auch zum heiklen Thema Recycling werde man auf dem Portal verstärkt Stellung nehmen, so Grimm weiter. Die Ausgangsthese sei dabei, dass sich Styropor problemlos stofflich wiederverwerten ließe, Produktionsabfälle würden zu 100 Prozent recycelt. Stark verschmutzte Produkte, wie es beim Abbau der WDVS der Fall ist, könnten thermisch in öffentlichen Müllverbrennungsanlagen rückstandslos verbrannt werden und stützten die Verbrennung des vielfältigen Hausmülls. Gesundheitlich sei Styropor unbedenklich, und eine Environmental Product Declaration (EPD) nach internationalem Standard vom Institut Bauen und Umwelt liegt vor.

Diese Punkte werden sicherlich für Diskussionsstoff sorgen; im Idealfall könnten sie bei der Industrie als Signal dienen, hier nach einer Optimierung zu suchen, was zum Beispiel den Einsatz von Bioziden angeht. "Ein häufiger Vorwurf ist", so Sarantis, "dass aus Fassaden ausgewaschene Stoffe wie Biozide die Umwelt belasten. Wir haben uns vorgenommen, auch dieses Thema offen anzusprechen." Deshalb hat der IWM schon vor einigen Jahren gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut ein umfangreiches Projekt ins Leben gerufen, Stichwort "beregnete Bauteile". In groß angelegten Feldversuchen werden, zum Teil im Maßstab 1:1, über Jahre Messungen durchgeführt und ausgewertet.

Diese umfangreichen Untersuchungen sollen als Grundlage für künftige gesetzliche Anforderungen dienen. Die Hersteller entwickelten ihre Produkte sowieso ständig weiter, so Sarantis, hier sei zum Beispiel die Verkapselung von Bioziden zu nennen, die dann nur noch in geringen Mengen freigesetzt würden – und sich somit die Umweltbelastung deutlich verringere.

Natürlich würden auf dem Portal aber auch Wärmedämmverbundsysteme besprochen, die ganz ohne den Einsatz von Bioziden auskommen, das sind in der Regel mineralische Systeme. Dass Wärmedämmung wirtschaftlich ist, ließe sich am besten anhand berechneter Beispiele mit Energieverbrauchswerten und Erfahrungswerten nachlesen, so Grimm.

Ein Kilogramm Styropor spare in der Anwendung 200 Liter Heizöl; der Vergleich beziehe sich auf einen Zeitraum von 50 Jahren, in der Herstellung werden zwei Liter Öl pro Kilogramm EPS veranschlagt. Die Annahme von 50 Jahren Haltbarkeit ist recht sportlich, doch, so sagen die Hersteller, könne man an gedämmten Bauten aus den 70er Jahren nachweisen, dass die (damals viel dünnere) Dämmung größtenteils immer noch intakt sei.

Für Architekten könnte das Portal insofern eine Hilfe sein, dass sie bei der Beratung von Bauherren nicht mehr gegen Vorurteile ankämpfen müssen, sondern eine sachliche Beratung einfacher wird. Wie Algenbildung bei fachgerechter Ausführung zu vermeiden ist, könnte beispielsweise auf dem Portal diskutiert und erörtert werden. Wünschenswert wäre es natürlich, dass möglichst viele fachlich Versierte sich beteiligen und die Meinungen, Kommentare und Erfahrungen auch richtig gebündelt und verwertet werden. Auf die Frage, wie man nun die Beiträge auf dem Portal evaluiere erläuterte Sarantis, dass hier eine Redaktion die Beiträge bearbeite und auf den Punkt bringen werde

Es solle ein offenes Diskussionsklima auf der Plattform entstehen, kritische Positionen ernst genommen werden und "möglichst sachlich entkräftet werden", so Sarantis – "unsachliche Beiträge" können jedoch im Bedarfsfall ausgeschaltet werden.

Mit dem Internetauftritt sollen natürlich auch die Pressevertreter als dann "aufgeklärte" Multiplikatoren des Themas erreicht werden. Nicht nur Meinungs-, sondern auch Wissensbeiträge lassen sich auf Facebook und Twitter teilen. "Wir bieten den Dialog an", wandte sich Bombös abschließend an die Medienvertreter, "erwarten aber auch, dass die Meinungsmacher dieses Angebot auch annehmen." Es handele sich hier aber nicht um Werbung oder Marketing, so Sarantis. Natürlich verfolgen die Macher des Portals dabei das gemeinsame Interesse an der Verbreitung von Wärmedämmverbundsystemen, es sollten hier nicht die Vorzüge einzelner Produkte vorgestellt werden. Nicole Allé / pgl

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