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Hoher Pflegeaufwand von Holz schreckt potenzielle Kunden ab

Holzfenster und Fassaden gewinnen keine Marktanteile

25.07.2013, 07:00

Fassade aus Holz mit Fenster
Fassaden und Fenster mit Holz brauchen Pflege, um ansehlich zu bleiben. © Grund-Ludwig

Holz als Baustoff für Fenster und Fassaden gewinnt nicht an Akzeptanz. Viele Menschen "schrecken vor dem Risiko zurück, dass ihre Fenster und Fassaden eine aufwändigere Pflege benötigen als solche aus anderen Materialien und zu schnell verwittern könnten", sagt Jürgen Benitz-Wildenburg, Sprecher des Instituts für Fenstertechnik (ift) in Rosenheim im Gespräch mit EnBauSa.de. Fachgerechte Konstruktion, die Auswahl der passenden Hölzer sowie die richtige Vorbehandlung bereits vor der Fertigung entscheiden mit über die Langlebigkeit der Fenster und Fassaden aus nachwachsenden Rohstoffen. Da will die Branche nachbessern.

Bei der Wahl der Baustoffe spielen für viele Häuslebauer die Langlebigkeit der Materialien und der Aufwand für die spätere Instandhaltung eine wichtige Rolle. Das sind neben den Fertigungskosten die Hauptgründe, warum in Deutschland der Werkstoff Holz immer weiter an Marktanteilen verliert. Lag der Anteil von Holzfenstern vor einigen Jahren noch bei rund 20 Prozent, so ist er inzwischen auf unter 16 Prozent gefallen. Dagegen kommen Kunststoff-Fenster inzwischen auf einen Marktanteil von rund 60 Prozent.

Eine ähnliche Situation beobachten Marktexperten bei Fassaden aus Holz. Während Hausverkleidungen aus farbigem oder naturbelassenem Holz in skandinavischen Ländern sehr verbreitet sind, wurden sie lange Zeit bei Bauten in Deutschland eher selten genutzt. Das hat sich zwar mit dem Trend zu einer verstärkten Außendämmung der Häuser etwas geändert, aber nach wie vor dominieren hierzulande auch heute noch vor allem Fassaden aus Klinker oder Wärmeverbundsystemen das Stadtbild.

Die Hersteller von Holzfenster haben die meisten Kunden noch bei Eigenheimbesitzern, die nicht wie so sehr wie Wohnungsbauunternehmen auf Instandhaltungskosten achten müssen. "Um das Image von Holzfenstern und Fassaden in Deutschland zu verbessern, müsste die Vermeidung von Schäden innerhalb der Branche eine höhere Priorität erhalten und sich auf den gesamten Herstellprozess bis hin zur Montage und Wartung erstrecken", fordert Benitz-Wildenburg. Allgemeine Konstruktionsregeln wären inzwischen oft in Vergessenheit geraten oder würden nicht mehr beachtet. "Das muss sich ändern", sagt der ift-Sprecher.

Viele Schäden an Holzfenstern und -fassaden werden vor allem durch eine lang anhaltende Feuchtigkeitseinwirkung verursacht. Stauende Nässe fördert das Wachstum von Pilzen und Bakterien, die das Holz zersetzen. "Diese Schäden lassen sich nur durch eine fachgerechte Konstruktion und durch Beachten von handwerklichen Grundregeln bei Fertigung und Einbau vermeiden", so Benitz-Wildenburg.

Architekten und Fachleute aus dem Fensterbau müssten zudem ihre Beratungsfunktion besser wahrnehmen. "Für Giebelwände, die nur einen geringen Dachüberstand haben, sind Holzfenster einfach nicht geeignet", so der ift-Experte. Dort sei der Aufwand für die Instandhaltung einfach zu hoch. An Gebäudeteilen, die dagegen kaum mit Regen und Feuchtigkeit in Kontakt kommen, könnten Holzfenster durchaus 30 und mehr Jahre mit einem Anstrich auskommen, so Benitz-Wildenburg.

Entscheidend für die Lebensdauer und den notwendigen Aufwand an Pflege ist neben der fachgerechten Konstruktion, die Auswahl der passenden Hölzer sowie die richtige Vorbehandlung bereits vor der Fertigung. So sind Fenster und Fassaden aus Teak, Makoré oder Meranti wesentlich unempfindlicher gegen Feuchtigkeit und Pilzbefall als beispielsweise heimische Hölzer wie Fichte, Kiefer, Douglasie oder Lärche.

Je höherwertiger das Holz ist, desto eher kann auf chemischen Holzschutz verzichtet werden. Bei heimischen Hölzern kommt man um die Verwendung von Bioziden oft nicht herum. Sie schützen den Werkstoff vor dem Befall mit holzzerstörenden Pilzen. Der Holzschutz sollte aber bereits vor der Fertigung der Fenster oder Fassaden in das Holz eingebracht werden, damit die Bauteile auch überall geschützt werden. Wegen der Kosten und Giftigkeit der Schutzmittel sind die Fertigungsbetriebe inzwischen dazu angehalten, nur soviel der Mittel zu verwenden wie unbedingt notwendig.

Einen positiven Trend nennt eine neue Studie des Institut für Umwelt- und Verfahrenstechnik der Hochschule für Technik Rapperswil. Bei Holzlasuren würden zukünftig verstärkt Produkte verwendet, die nachfolgend mit einer filmgeschützten Farbe beschichtet, oder Holzschutzmittel, die mit einem biozidfreien Top-Coat abgedeckt sind. Dadurch nehme die Anfangsauswaschung von Bioziden ab. Insgesamt, so der Schweizer Forscher Michael Burkhardt, der für die Studie verantwortlich ist, müsse man sich mit der Auswaschung von Bioziden aus Holz unter realen Anwendungsbedingungen noch stärker befassen - dazu wisse man bislang eher wenig.

Neben Holzschutzmitteln werden Holzfenster oft noch zusätzlich mit Anstrichen versehen, welche die Oberfläche des Holzes vor Witterungseinflüssen schützen und gleichzeitig ein gestaltendes Element sind. Hier gebe es zwar immer wieder neue Produkte, doch wirkliche Verbesserungen für den Schutz des Holzes habe er nicht beobachten können, sagt ift-Sprecher Benitz-Wildenburg. Auch die neuen Anstriche müssen je nach Himmelsrichtung, in denen ein Fenster in die Fassade eingebaut wurden – und damit der entsprechenden Sonnenscheindauer sowie Witterung – alle sieben bis zehn Jahre neu aufgebracht werden.

Eine echte Innovation hingegen sei das Holz-Alufenster, bei dem das Holzfenster außen durch ein Aluminiumprofil vollständig abgedeckt ist und damit eine ideale Witterungsbeständigkeit erreicht wird. Wichtig ist hier allerdings, dass die Aluminiumschale hinterlüftet ist, damit auftretendes Kondensat sicher verdampfen kann.

Während bei Fenstern in der Regel auf chemischen Holzschutz nicht verzichtet werden kann, ist das bei Fassaden aus Holz anders. "Mit einer fachgerecht gestalteten Hinterlüftung, die verhindert, dass sich Feuchtigkeit in dem Holz staut, können Pilzbefall und Wetterseite selbst einfachem Schalholz nichts anhaben", sagt Hans-Joachim Rüpke, Holzsachverständiger aus Hannover, im Gespräch mit EnBauSa.de.

Diese Erkenntnis spiegelt sich inzwischen auch in der entsprechenden DIN-Norm zum Holzschutz wider: Die Anfang 2012 überarbeitete Holzschutznorm DIN 68800 stärkt den konstruktiven Holzschutz und stellt erstmals fest, dass bei richtiger Ausführung selbst Vorhang-Fassaden aus heimischen Hölzern ohne Oberflächenbeschichtung und chemischen Holzschutz auskommen.

Das heißt: Verschalungen aus Holz könnten ganz ohne Anstriche auskommen und sind damit quasi wartungsfrei. Allerdings muss man dann mit der silber-grauen Patina leben, was nicht jedem Bauherrn gefällt. Dafür entfallen aber die turnusmäßigen Anstricharbeiten, denen man sich nie mehr entziehen kann, wenn man einmal mit Streichen angefangen hat.

Als Anstriche eignen sich vorzugsweise offenporige Lasuren und diffusionsoffene Lacke, die das Holz atmen lassen und einen Feuchtigkeitsaustausch ermöglichen. Manche Farben-Hersteller bieten inzwischen eine spezielle silbergraue Lasur an, welche die Verwitterung optisch vorwegnimmt, die natürliche Vergrauung aber nicht verhindert. So wirkt die Oberfläche der Fassade von Anfang an gleichmäßig grau. Weiteres Streichen ist in diesem Fall nicht mehr notwendig.

Für farbige Fassaden eignet sich am besten sägeraues Holz, da es mehr Farbe aufnehmen kann als glatt gehobeltes, dadurch wird die Haltbarkeit verlängert. Hier muss je nach Anstrichtyp, Farbton, Standort und Wetterseite alle drei bis zehn Jahre nachgestrichen werden.

Man kann auch die Fassade endbehandelt kaufen. Sie ist bis zu dreimal beschichtet, was die Wartungsintervalle auf bis zu acht Jahre verlängert. Bei deckend gestrichenen Fassaden gilt: Helle Farbtöne halten länger als dunkle. Bei lasierenden, die die Holzmaserung sichtbar lassen, ist es umgekehrt.

Um Bauherrn die Auswahl eines fachkundigen Fachbetriebes zu erleichtern, arbeitet der Verband Fenster und Fassade (VFF) mit der RAL-Gütegemeinschaft zusammen. Experten der Gütegemeinschaft überprüfen regelmäßig, ob die teilnehmenden Fensteranbieter die konstruktiven Regeln beim Bau von Fenstern und Türen einhalten. Dazu haben sie eine Liste von Betrieben aufgelegt, die sich an die Regeln halten.

Zudem bietet das ift Unterstützung bei der sachgerechten Ausschreibung von Fenster und Türen. Die ift-Ausschreibungshilfe soll helfen, die Vielzahl von Anforderungen, Eigenschaften und Ausführungsdetails auszuwählen, die Fenster haben können und fasst die vielfältigen technischen Details zu einer umfassenden Leistungsbeschreibung zusammen. Um Bauherren und Architekten Entscheidungen zum Holz wie beispielsweise die Auswahl der passenden Hölzer für unterschiedliche Einbausituationen und Witterungsverhältnisse zu unterstützen, hat der Verband Fenster und Fassade (VFF) u.a. in Zusammenarbeit mit dem ift vor kurzem ein Merkblatt zum Thema "Holzschutz bei Holz- und Holz-Metall-Fenster, -Haustüren, - Fassaden und -Wintergärten" herausgegeben. Hans Schürmann / pgl

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