RSS | Newsletter | Über uns | Kontakt | Sitemap

Sie sind hier: Home » Dämmung & Fassade » Aktuelles » Artikel » Handwerker lernen elektronische Vergabe im Online-Kurs

Handwerkskammer Reutlingen schließt erstes Seminar ab

Handwerker lernen elektronische Vergabe im Online-Kurs

19.01.2010, 14:44

HK-Kurs in Reutlingen
Handwerker eignen sich mit Blended Learning Wissen an. Bild: Steinort

Handwerksunternehmen aus der Baubranche, die künftig bei öffentlichen Aufträgen in Neubau und Sanierung zum Zuge kommen wollen, müssen mit elektronischen Vergabesystemen zurechtkommen. Die Handwerkskammer Reutlingen macht Teilnehmer dazu fit in einer Kombination aus Präsenzseminaren, von Tutoren betreutem Online-Lernen und Selbststudium. Blended Learning heißt das im Fachjargon. Der erste Kurs ist abgeschlossen. Der Erfolg war überzeugend: Alle 13 Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben die sich über zwei Wochen erstreckende Veranstaltung erfolgreich beendet. Nun soll es zunächst acht weitere Kurse geben, die Ausweitung auf andere Kammern ist angedacht.

Für Welf Schröter vom Forum Soziale Technikgestaltung war es zwar das erste Seminar dieser Art, der Dozent aus dem schwäbischen Talheim verfügt aber über sehr viel Erfahrung mit dem Thema online lernen und ist seit vielen Jahren als Dozent zum Thema Stärkung regionaler Wirtschafts- und Beschäftigungsstrukturen durch neue Medien unterwegs. Praxiserfahrungen mit Blended Learning zur Ausbildung von Handwerkern hatte auch er bislang nicht, aber jede Menge Hintergrundwissen.

Die Resonanz auf das erste Seminar war durchweg gut, elf Mal haben die Teilnehmer die Note eins vergeben, einmal die 2. Eine der Voraussetzungen dafür, dass das Angebot gut ankam, der Leidensdruck beim Thema elektronische Vergabe. "Wir haben nicht die Technologie Online lernen vorgegeben, eine Lösung entwickelt und dann die Kunden gesucht, sondern sind den umgekehrten Weg gegangen", erklärt Schröter. Viele Betriebe würden beginnen zu erkennen, dass sie sich an elektronischen Vergabeprozessen beteiligen müssten, aber ihnen fehle das Wissen.

Wie man dieses Wissen vermitttelt, haben die Tutoren Welf Schröter und Irene Scherer in den letzen Jahren bei zahlreichen Veranstaltungen zum Thema elektronische Vergabe für Handwerker erprobt und verbessert. "Diese Erfahrung war notwendig, um die Sprache der Zielgruppe zu treffen. Aufbauend auf diesen Erfahrungen haben wir dann auch die Materialien für den Kurs komplett selbst geschrieben", sagt Schröter. Als Plattform dient Moodle, ein öffentlich zugänglicher Internet-Service, auf dem Kooperation und Interaktion möglich ist. "Wir wollten eine Lösung, die ohne viel Schnickschnack wie Audio, Video oder Flash auskommt, damit die Leute einfach nur ihren Rechner anmachen, Moodle aufrufen und sich einloggen müssen", meint der Projektentwickler weiter.

Bei den Teilnehmern kam die Lernform gut an. Für Albert Lambur, Experte für öffentliche Ausschreibungen bei einem Heizungsbau-Unternehmen, waren sowohl Lernform als auch Betreuung gut. Dass Fragen an das Dozententeam nicht im Veranstaltungsraum, sondern nur per E-Mail gestellt werden konnten, habe sich nicht negativ bemerkbar gemacht, betont Lambur: "Ich habe immer schnell und umfassend Feedback erhalten." Die schnelle und ausführliche Antwort der Tutoren ist für Schröter einer der Gründe für die hohe Zufriedenheit. Das setzt aber auch einen hohen tutoriellen Aufwand voraus, denn die Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben ihre Zeitsouveränität ausgekostet: Fragen trudelten zwischen 6.45 Uhr und nach 23 Uhr in die Mailbox der Tutoren. Ein weiterer Erfolgsfaktor war die Gruppengröße: "Mehr als zwölf sollten es nicht sein, damit die Teilnehmer auch untereinander ins Gespräch kommen", sagt Schröter.

Nicht nur bei den Teilnehmern selbst, auch bei Unternehmen kam die erste Schulung gut an. "Ein Bauunternehmer, der teilgenommen hat, wirbt nach dem ersten Kurs für uns und möchte, dass wir den Kurs für andere Mitarbeiter wiederholen", freut sich Schröter. Derzeit sind acht Kurse in Planung, weitere sind möglich.

Die von ihm entwickelte Plattform lasse sich auch von anderen Trägern nutzen, meint Schröter. Entscheidend sei jedoch, dass es qualifizierte Tutoren gebe, die die Betreuung übernehmen und die Seminare leiten können. Dabei sei es oft nicht hilfreich, wenn das IT-Profis seien. "Diese Personen müssen in der Lage sein, die Sprache der Handwerker zu sprechen."

Für Schröter geht es mit dem Projekt darum, regionale Wirtschaftsstrukturen zu stärken und kleine und mittelständische Unternehmen in die Lage zu versetzen, sich an Großprojekten zu beteiligen. Dazu arbeitet er auch im vom Bundesforschungsministerium geförderten Projekt Maremba. In dessen dreijähriger Projektlaufzeit wird ein webgestütztes Ressourcenmanagement entwickelt, auf das mit mobilen Endgeräten wie Handhelds oder Mobiltelefone zugegriffen werden kann. Auch die Erfahrungen aus dem Reutlinger Projekt sollen dort einfließen, denn die Fähigkeit, an elektronischen Vergabeprozessen teilzunehmen kann für kleinere Betriebe überlebenswichtig werden: "Da haben wir einen Digital Divide in einer völlig neuen Dimension", so Schröter. pgl

Eine Verwendung dieses Textes durch Dritte ist kostenpflichtig. Eine Lizenzierung ist möglich. Bitte nehmen Sie bei Fragen Kontakt auf.

 

Kommentar schreiben

(wird nicht veröffentlicht)
Bitte geben Sie die angezeigte Zeichenfolge (Captcha) ein. Dies dient zur Vermeidung von unerwünschtem Spam.

Zurück

Premiumpartner