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Antrag soll Bauen mit Holz voranbringen

Grüne wollen Förderprogramm "Effizienzhaus Nature+"

05.10.2016, 08:30

Einbau von Strohballen als Dämmung
Mehr Häuser mit nachwachsenden Rohstoffen fordert Bündnis 90 / Die Grünen. © Shaktihaus

Bündnis 90 / Die Grünen hat in einem Antrag einen stärkeren Fokus auf das Bauen mit Holz und die Verwendung von Holzprodukten als Dämmstoffen gefordert. Es solle auch einen KfW-Standard geben, der das Bauen mit nachwachsenden Baustoffen in den Fokus nimmt.

Die Fraktion schlägt ein Modellprogramm für ökologische Baustoffe mit einem Volumen in Höhe von 20 Millionen Euro vor. Bei den Programmen der KfW-Bankengruppe für Neubau und Sanierung soll die Verwendung von kohlenstoffspeichernden Baumaterialien auf Grundlage nachwachsender Rohstoffe stärker unterstützt werden, beispielsweise in Form eines Standards "Effizienzhaus Nature+" der KfW Bankengruppe.

Der Antrag schlägt außerdem vor, bei der Betrachtung der Energiebilanz eines Gebäudes den Lebenszyklus der Baustoffe mit zu betrachten. Die erste Maßnahme dazu wäre die Einführung von Standards für den Energiebedarf zur Herstellung von Baustoffen, die den gesamten Lebenszyklus der Baustoffe inklusive Herstellung und Entsorgung umfassen. Auch bei Energieausweisen für Gebäude soll über die Angabe des Energiebedarfs hinaus eine Nachhaltigkeitsbewertung eingeführt werden, die auch den Energiebedarf für Erstellung und Abbruch der Gebäude sowie durch die Herstellung und Entsorgung der Baustoffe erfasst. Bei der Novellierung der Energieeinspar-Verordnung sollen die Umweltauswirkungen zur Bereitstellung der sogenannten Grauen Energie bei der Herstellung von Bau- und Dämmstoffen mit berücksichtigt werden.

Der Antrag fordert weiter, dass Baustoffe aus nachwachsenden Rohstoffen bei brandschutztechnischen Anforderungen gegenüber konventionellen Baustoffen in ihrer, an den Schutzzielen ausgerichteten Leistungsfähigkeit nicht benachteiligt werden. Worauf das abzielt bleibt unklar, um eine Reduzierung der Brandschutzanforderungen kann es nicht gehen. 

Die Initiative schlägt die Entwicklung einer einheitlichen Zertifizierung von ökologischen Baustoffen und  Gebäuden vor. Worauf das abzielt bleibt allerdings unklar, denn Zertifikate, die Gebäude und auch ökologische Baustoffe bewerten gibt es bereits. 

Die Fraktion schlägt außerdem eine Selbstverpflichtung des Bundes vor. Er soll bei allen zukünftigen Neubauvorhaben für mindestens 20 Prozent der konstruktiv beziehungsweise wärmeschutztechnisch notwendigen Bauteile Baustoffe aus nachwachsenden Rohstoffen einsetzen. Die Subventionierung petrochemischer Kunststoffe und CO2-intensiver Baustoffe solle abgebaut werden, indem die Steuerbefreiung für die stoffliche Nutzung von Erdöl abgeschafft wird. Außerdem sollen Energie- und Stromsteuersubventionen für die energieintensive Herstellung von Baustoffen wie Zement und Keramik nur gewährt werden, wenn die Produktion ansonsten nachweislich von der Verlegung ins weniger stark regulierte Ausland bedroht wäre und die Umsetzung von Enerergieeffizienzmaßnahmen nachgewiesen werden können.

Vorgesehen ist im Antrag weiter eine Stärkung der Forschung im Bereich ökologischer Baustoffe. Der Aspekt Wohngesundheit und Schadstoffemissionen im Wohnbereich soll im Rahmen der Ressortforschung stärker berücksichtigt  und verstärkt Maßnahmen zur Reduktion von Schadstoffemissionen im Wohnbereich entwickelt werden. Gefordert wird zudem ein Förderprogramm zur Finanzierung von Luftschadstoffmessungen und notwendigen Schadstoffsanierungen im Gebäudebestand begleitend zur energetischen Sanierung aufzulegen.

Der Antrag schlägt außerdem eine Intensivierung der Aus- und Weiterbildung durch entsprechende Module in den Bauberufen und im Architektur- und Bauingenieur-Studium vor sowie eine entsprechende Qualifizierung von Energieberaterinnen und -beratern voranzubringen, zum Beispiel durch ein zusätzliches Weiterbildungsmodul als Voraussetzung für die Energieeffizienz-Expertenliste der DENA.

Insgesamt übernimmt der Antrag die Argumentation der Holzbranche weitgehend. Probleme wie die Verwendung von Klebern und Bindemitteln, die in Holz vorkommen und ein Recycling von Bauholz verhindern oder die Debatte um giftige Brandschutzmittel in Holz wird nur am Rande aufgegriffen. pgl

Eine Verwendung dieses Textes durch Dritte ist kostenpflichtig. Eine Lizenzierung ist möglich. Bitte nehmen Sie bei Fragen Kontakt auf.

Kommentare zur Meldung

Kommentare 1 - 6 von 6.

Thilo Kimmeritz - 07.10.2016, 15:30

Ich denke es ist müßig den Städtebau des Mittelalters mit heute zu vergleichen. Die Feuerwehr wie auch der Holzbau haben sich weiterentwickelt. Isolation war im Mittelalter weitgehend unbekannt. Praxisbrandtests außerhalb der Labors lassen hoffen. Siehe The big burn (https://www.youtube.com/watch?v=lAPPn53JtHQ)

Spritzendorfer Josef - 07.10.2016, 08:24

Diese Idee der Grünen mit Effizienzhaus Natur+ wurde bereits 2012 von natureplus publiziert -


http://www.natureplus.de/index.php?id=157&L=2&tx_ttnews%5Btt_news%5D=609&cHash=c5849fdeb8cca1b22fe1531940a867f9

vor allem im Hinblick auf eine Verschärfung der Förderrichtlinien bezüglich Raumlufthygiene - Stichwort "Wohngesundheit" hat sich allerdings in der Zwischenzeit nichts getan; nach wie vor wird alles gefördert, was Energieeinsparung bringt - unabhängig von Schadstoffbelastungen aus den eingesetzten Produkten.
Beispiel Flammschutzmittel:
http://www.eggbi.eu/forschung-und-lehre/zudiesemthema/flammschutzmittel/#c98

Pascal Jahn - 06.10.2016, 19:00

Meiner Meinung nach ein längst überfälliger Ansatz, den es unbedingt zu realisieren gilt. Natürlich sollte weiterhin jedem offen stehen wie und mit welchen Materialien er seine Fasade, sein Dach oder seinen Keller dämmt.
Allerdingst macht es aus ökologischer Sicht keinen Sinn beispielsweise kubikmeterweise Styropor zu verdämmen, wenn kohlenstoffspeichernde Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen existieren, welche leider gegenüber den konventiellen Materialien noch nicht wirtschaftlich sind. Eine interesste Quelle stellt die "Metastudie Dämmstoffe" dar.
Leider ist das Verständis für nachhaltige Dämmstoffe und Energien in unserer Gesellschaft noch nicht ganz angekommen. Dies hat leider auch finanzielle Gründe. Ich erbitte mir daher stets eine Bestrachtung aller Kosten, inklusive der externen Kosten und Folgekosten. Für eine korrekte Aufklärung der Bürger wären hier weitsichtige Politiker und Medien gefragt.

Natur dämmt besser - 06.10.2016, 18:00

Gefährliches Halbwissen - verunsichert unnötig!
@ Frau Schulz: bitte keine falsche Deutung verbreiten - Wir wollen dahin, wieder mit der NATUR wohnen und leben (statt unsre Umwelt zerstören).
Holzweichfaser Dämmung wirkt wie Brandschutz!
brennt nicht , sondern glimmt außen nur und verkohlt - optimaler Schutz gegen Durchbrennen
Da wollen wir im Städtebau unbedingt hin!

Brandschutz, nachwachsende Dämmung, ungezieferfest, Algenbewuchs reduzierend, Abfall ist kompostierbar -kein Sondermüll, Sommerhitzeschutz, Schalldämmend, Chemiefrei
bei Herstellung und im Haus - und feuchteregulierend weil kapillar leitfähig!
welche andre chemische Dämmung kann das ? Faserdämmstoffe wie HAnf, Holzfaser, Zellulose sind nicht nur umweltentlastend, grünes Geswissen stärkend, die sorgen auch für spürbar besseres Wohnklima -
leider haben die wenigen Naturdämm Hersteller keine so große Lobby, wie die Poly XX Hersteller , die aus Erdölschaum (mit extremen Giftstoffen die Krebs verursachen), Dämmung zaubern und die tollsten Wunder versprechen - die sich leider später sehr negativ auswirken können.
s. Infos bei energiepass.bergstrasse.de

Nachhaltig denkender Mens - 06.10.2016, 16:14

Die Baubranche verursacht einen massiven Teil des nicht recyclingfähigen Abfalls in Deutschland. Und dies nicht nur durch den Lebenszyklusphasen A1 bis A4, sondern speziell auch im Lebenszyklus C4. Darüber nachzudenken, ob eine Gebäude zwingend in der heutigen (zu 99% rein preisbestimmten Materialwahl) errichtet werden muss, oder ob es einen nachhaltigern Ansatz gibt, ist m. E. nach zwingend. Anders als aus dem Artikel vielleicht abgeleitet werden kann, gibt es ja bereits Werkzeuge, Richlinien und zum Teil sogar Verpflichtungen (Beispielhaft im Bereich des Bundesbaus die BNB) die den nachhaltigen Ansatz stärken. Diese bestehenden Systeme zu stärken und Gelder sinnvoll in fuktionierende Strukturen zu investieren, ist ein richtiger Weg. Kein Mensch braucht Ufos wie in Antwerpen, aber jeder Mensch im Jahre 2100 braucht Trinkwasser ohne pilzhemmende Giftstoffe aus Fassadenfarben...

Gabriela Schulz - 06.10.2016, 12:19

Angesichts dieses Vorstoßes ist ein Blick auf die Seite: www.feuerfakten.de/stadtbraende.htm zu empfehlen. Hier ein Auszug neben vielen weiteren Beispielen:
Lübeck, 1276: Zum dritten Mal binnen eines Jahrhunderts (1157, 1251 und 1276) brannten große Teile der Hansestadt ab. Schließlich wurden Holzbauten verboten und strenge Brandschutzbestimmungen eingeführt. Die Maßnahmen hatten offenbar Erfolg, denn in den kommenden sechs Jahrhunderten blieb Lübeck von Brandkatastrophen verschont.
München, 13. Februar 1327: Ein glühendes Kohlenstück in einem Kloster löste einen verheerenden Stadtbrand in München aus. Zwei Drittel der mittelalterlichen Stadt ging mit ihren Holzhäusern in Flammen auf. Als Folge erließ der Kaiser eine strenge Brandschutzverordnung, die unter anderem Holzhäuser und Strohdächer verbot.

Wollen wir tatsächlich wieder dahin? Im kuscheligen EFH eher ländlicher Gegenden mag das funktionieren, im Geschosswohnungsbau städtischer Viertel scheint der Ansatz eher bedenklich. Die BER-Eröffnung scheiterte am mangelnden Brandschutz und wir holen uns sehenden Auges neue Risiken in die Städte! Zu Ende gedacht ist das m. E. nicht. Angesichts solcher Vorschläge muss die Frage erlaubt sein, ob die Grünenpolitik möglicherweise neue Feindbilder braucht, nachdem ihr die klassischen nach und nach abhanden kommen.

 

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