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Konzept hoher solarer Deckung funktioniert auch im Norden

Größtes Mehrfamilien-Sonnenhaus ist im Bau

20.02.2012, 11:35

Speicheraufstellung
Mehr als zehn Meter hoch ist der Speicher des Sonnenhauses in Harrislee. Bild: Gewobau Nord

Derzeit entsteht in Harrislee bei Flensburg das bundesweit größte Mehrfamilienhaus auf Basis der Konzepte des Sonnenhaus-Instituts. Bauherr ist die Gewoba Nord, der erste Bauabschnitt hat jetzt begonnen.

Sonnenhäuser gibt es mittlerweile in Deutschland mehr als 1.000, große Objekte sind aber die Ausnahme. Basis der Konzepte ist die Wärmeversorgung der Häuser zu mehr als 50 Prozent über Solarthermie. Bei dem Objekt in Harrislee sollen es nach den Planungen 75 Prozent solare Deckung sein. Anders als bei Plusenergiehäusern geht es nicht darum, auch den Strombedarf der Bewohner für Hausgeräte und mögliche E-Fahrzeuge abzudecken. Ziel ist allein die solare Deckung des Wärmebedarfs.

Voraussetzung dafür, hier einen hohen solaren Deckungsgrad zu erzielen ist eine gute Gebäudehülle sowie die Südausrichtung des Solardachs. Der Transmissionswärmeverlust der Gebäudehülle darf bei maximal 0,28 W/m²K liegen. Das sind 30 Prozent weniger als die EnEV 2009 für einen Neubau erlaubt. Der Primärenergieverbrauch soll bei maximal 15 Kilowattstunden pro Quadratmeter Wohnfläche und Jahr liegen. Beim Passivhaus ist ein Heizwärmebedarf von 15 Kilowattstunden pro Quadratmeter Wohnfläche und Jahr erlaubt.

"Nicht nur die Tatsache, dass es zunehmend solar beheizte Mehrfamilienhäuser gibt, sondern auch dass diese selbst ganz im Norden Deutschlands wirtschaftlich sind, beweist die Alltagstauglichkeit dieser Technologie", urteilt Horst Glinka, der als geschäftsführender Gesellschafter der B & O Gebäudetechnik verantwortlich für das technische Konzept des Hauses ist.

Der Transport des Wärmeträgers im Haus erfolgt über Hocheffizienzpumpen. Das Sonnenhaus Institut gibt einen jährlichen Stromverbrauch von 200 bis 300 Kilowattstunden für Hilfsenergien an. Der Einbau einer Lüftungsanlage ist in diesen Gebäuden möglich, aber zum Funktionieren des Energiekonzepts nicht notwendig.

Die Voraussetzung dafür, dass diese Werte beim Primärenergieverbrauch und beim solaren Deckungsgrad erreicht werden können, ist eine gute Südausrichtung der Gebäude sowie die Integration riesiger Wassertanks in die Gebäude. Bei dem im nordfriesischen Harrislee entstehenden Mehrfamilienhaus mit 18 Wohnungen stehen noch keine Wände, aber ein Warmwasserspeicher mit einem Fassungsvermögen von 66 Kubikmetern. Der Koloss ist über zehn Meter hoch und hat einen Durchmesser von knapp drei Metern.

Die Trinkwassererwärmung erfolgt über einen 600-Liter-Brauchwasserspeicher, der regelmäßig über 60 Grad erhitzt wird, um die Trinkwasserhygiene zu gewährleisten. In den Sommermonaten ist der Solarertrag des Gebäude so groß, dass benachbarte Gebäude mit Warmwasser versorgt werden können. In den Wintermonaten erfolgt die notwendige Nachheizung über Fernwärme. Geheizt wird mit einer Fußbodenheizung.

Die Mehrkosten für die Umsetzung als Sonnenhaus belaufen sich nach Angaben des Bauträgers auf insgesamt 150.000 Euro brutto für den gesamten Gebäudekomplex. Der umfasst 18 Wohneinheiten mit einer Wohnfläche von 1.276 Quadratmetern. Weitere Gebäude sollen in den nächsten Bauabschnitten folgen.

Die Mieter der 2- und 3-Zimmer-Wohnungen bezahlen eine Brutto-Warmmiete, die die kalten und warmen Betriebskosten enthält. Dazu kommt der Strom. Die Gewoba Nord verlangt hierfür 10,10 Euro warm. Im Mietspiegel von Immoscout wird für diese Region eine übliche Kaltmiete von 6,50 Euro genannt. Bei üblichen Nebenkosten von etwas mehr als 2 Euro liegen die Mietpreise für den Neubau dabei im Rahmen. Die Miethöhe wird über drei Jahre festgeschrieben, es wird also auch bei zu erwartenden steigenden Heizkosten keine Mehrkosten für die Mieter geben.

von unserer Redakteurin Pia Grund-Ludwig

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Kommentare zur Meldung

Kommentare 1 - 1 von 1.

Frank Schneider - 29.02.2012, 22:35

Ganz herzlichem Dank dem Sonnenhaus-Institut. Es besteht überhaupt kein Zweifel, dass Sonnenhäuser der richtige Weg zur Senkung des Energiebedarfs im Gebäudebereich sind. Andere Konzepte, die das Stromversorgungsnetz als prinzipiell unendlich großen Speicher für den bilanziellen Ausgleich der über das Jahr verteilten Energie annehmen, sind ein Irrweg.

Bleibt die Frage an den Bauherren, warum für die Trinkwarmwasserbereitung nicht auf die Frischwassertechnik gesetzt wurde? Diese Technologie kann ganze Campingplätze ausreichend versorgen. Für ein mittleres MFH reicht es daher allemal. Und die kleinen Plattenwärmetauscher passen perfekt zu den großen und kleinen Pufferspeichern voller Sonnenenergie. Hygieneprobleme sind prinzipbedingt ausgeschlossen. Fazit: Beim nächsten Mal dieses Detail besser machen.

 

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