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Kontrolle muss schärfer und Beratung besser werden

Gebäudesanierung soll mehr Geld erhalten

20.05.2011, 08:31

Clemens Haury, EU-Kommission, bei den Berliner Energietagen
Haury: Bei Effizienz werden Klimaziele derzeit nicht erreicht. © Grund-Ludwig

Die Vorgaben der Europäischen Kommission im Gebäudesektor und die Umsetzung des Klimakonzepts der Bundesregierung standen im Mittelpunkt der Debatte "Auf dem Weg zum nahezu klimaneutralen Gebäudebestand" auf den Berliner Energietagen.

Bei der Frage der Sanierung von Bestandsbauten waren sich die Experten einig, dass es ohne verlässliche jährliche Förderung keine wesentlichen Fortschritte geben wird. Staatssekretär Jan Mücke versprach in der Debatte jährliche Mittel von zwei Milliarden Euro im CO2-Gebäudesanierungsprogramm. Geplant sei eine jährliche Festschreibung auf diesen Betrag. Geprüft würden zudem Steuererleichterungen. Diese Vorschläge sind jedoch auch unter Experten im Bundesbauministerium noch umstritten. "Steuerliche Anreize wären für den Finanzminister ein schlechtes Geschäft", warnte etwa Frank Heidrich vom Energiereferat vor Mitnahmeeffekten. Wenn man die Frage der Steuererleichterung mit konkreten technischen Anforderungen verbinde, werde die Debatte schon deutlich leiser, beobachtet er. Konkrete Aussagen zu möglichen steuerlichen Erleichterungen traf auch Mücke nicht. In der Debatte sind unter anderem eine Erhöhung der Abzugsfähigkeit für Handwerkerleistungen und einer höheren Abschreibungsrate für Sanierung. Verbände aus Wohnungswirtschaft und Haustechnik haben sich bereits mit Vorschlägen in Position gebracht.

Eine nüchterne Bilanz zog Clemens Haury von der Generaldirektion Energie in Bezug auf die geplante Erhöhung der Energieeffizienz auf Ebene der EU. "Das Ziel einer Effizienzsteigerung um 20 Prozent wird im Moment nicht erreicht mit den Maßnahmen, die geplant sind", räumte er ein. Mehr Mobilisierung erhofft sich die Kommission durch Anstrengungen durch Kofinanzierung, aber auch durch eine noch stärkere Vorbildfunktion der öffentlichen Hand. So sollen die Kommunen die Sanierungsquote von derzeit einem auf drei Prozent erhöhen.

Vieles bleibt aber auf Ebene der EU bislang eine Willenserklärung. Das beginnt in zahlreichen Ländern mit der Umsetzung bereits beschlossener Richtlinien. Während derzeit schon über eine Novellierung der Energieeinsparverordnung im nächsten Jahr diskutiert wird, hapert es in vielen Ländern noch mit der Umsetzung der Richtlinie aus dem Jahr 2002. "Alle Länder haben diese Umsetzung erklärt, aber viele haben es nur auf dem Papier erledigt", kritisierte Haury. Vor allem in den Ländern Südeuropas gebe es Defizite.

Doch nicht nur EU-weit, auch in der Bundesrepublik steht die EnEV häufig nur auf dem Papier. Man wolle an die Länder herantreten, um den Vollzug sicherzustellen, so Peter Rathert, Leiter des Referats Gebäude- und Anlagentechnik und energiesparendes Bauen im BMVBS. Einige Länder seien hier bereits aktiv, berichtet er. So habe Bremen Stichproben durchgeführt, auch Baden-Württemberg, Bayern und Nordrhein-Westfalen hätten entsprechende Pläne angekündigt. Im Rahmen der EnEV-Novelle seien nationale Kontrollsysteme geplant. Dabei sei auch eine Inaugenscheinnahme der Gebäude möglich.

In Arbeit ist auf EU-Ebene derzeit eine Methode, mit der das kostenoptimale Niveau von Sanierungen ermittelt werden soll. Diese Methode ist Teil der Novellierung der Energieeinsparverordnung, sie soll bis Mitte 2011 fertig sein. Angesichts der heftigen Diskussionen, die die Frage der Wirtschaftlichkeit in Deutschland auslöst ist ein solches Vorhaben ausgesprochen ambitioniert. Schon bei der energetischen Einordnung von Baustoffen gibt es bislang keine einheitlichen EU-weit anerkannten Regeln.

Ein Thema, bei dem alle Experten großen Bedarf sehen ist die Qualitätssicherung der Energieberatung. "Wenn die Qualität der Berater nicht stimmt, verschleudern wir das Geld", betonte Volker Wanduch, Leiter Wissenschaft und Technik im Verein deutscher Ingenieure. Er drängte auf ein Zertifizierungssystem für Berater, da "sonst die Investoren von Leuten beraten würden, deren Fachkunde fragwürdig ist." Entsprechende Systeme sind in Arbeit, eine Vereinheitlichung ist aber nicht absehbar. So gibt es Angebote wie Energieberater 2020 als gemeinsames Portal unterschiedlicher Energieberaterverbände, parallel dazu aber auch Initiativen der Dena. Nachholbedarf gibt es auch bei der Erstberatung. "Hier sind wir schlecht aufgestellt", mahnte Heidrich. Es gebe zwar für einzelne Bundesländer gute Angebote, die die Bürger erreichen, flächendeckend sei das aber noch nicht der Fall. Insgesamt gab es bei der Energieberatung 2010 im Vergleich zu 2009 einen deutlichen Einbruch.

von unserer Redakteurin Pia Grund-Ludwig

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