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Gesamtverband Dämmstoffindustrie lud zur Podiumsdiskussion

"Gebäudedämmung - unsozial, sinnlos und hässlich?"

02.04.2015, 08:30

Podiumsdiskussion zur Gebäudedämmung
Diskutierten zum Thema Gebäudedämmung: Lukas Siebenkotten, Barbara Ettinger-Brinckmann, Moderator Nick Reimer und Andreas Otto. © Alexander Morhart

"Unsozial" sei sie nicht, die Wärmedämmung. Auch nicht "sinnlos". Ob "hässlich", das komme darauf an – so das Fazit einer Diskussionsveranstaltung mit provokantem Titel, die der Gesamtverband Dämmstoffindustrie (GDI) ausgerichtet hatte. Hauptthemen waren die Verschandelung von Gründerzeitfassaden durch eine Dämmung und der Mietpreisschub, den manche Sanierung auslöst. Aber auch diverse Konstruktionsfehler gesetzlicher Regelungen sprachen Vertreter von Architektur, Mieterschutz und Parteien an.

Dass schön gegliederte Fassaden aus der Gründerzeit mit ihren oft filigranen Stuckornamenten im Zuge der Außendämmung in einförmige Flächen mit unstrukturiertem Putz und billig wirkenden Kunststoff-Schmuckelementen – oder ganz ohne Verzierung – verwandelt würden, ist in systematischer Form eine relativ neue Kritik. Die Warnung vor einem Verlust von Baukultur und ästhetischer Qualität wird unter anderem von dem jungen Architekturgeschichtler Jascha Philipp Braun  von der TU Berlin vorgebracht, der in seinem Blog Vorher-nachher-Beispiele zeigt. "Gründerzeit" umfasst hier im weiteren Sinne auch den Jugendstil.

Barbara Ettinger-Brinckmann, BAK: Schönheit von Fassaden ist objektivierbar

Die Architektur war an diesem Abend in Berlin jedoch nicht durch Braun, sondern durch die Präsidentin der Bundesarchitektenkammer Barbara Ettinger-Brinckmann vertreten. Sie vertrat im Gegensatz zu ihren Podiumsnachbarn Lukas Siebenkotten, Mieterbund-Bundesdirektor und bekennendes SPD-Mitglied, und Andreas Otto, Grüner im Berliner Abgeordnetenhaus, die Auffassung, dass die Schönheit von Fassaden objektivierbar sei. Otto wandte ein, Schönheit folge "dem individuellen Blick, aber sicherlich auch dem Zeitgeist".

Ettinger-Brinckmann war sich dagegen sicher, dass eine Gründerzeit- oder Backsteinfassade "simplifiziert und dadurch verhässlicht" werde, wenn man sie einfach mit Dämmmaterial überklebe. Sie stellte eine interessante Verbindung zum Thema graue Energie her. Als graue Energie wird die Energiemenge bezeichnet, die für Herstellung, Transport, Lagerung, Verkauf und Entsorgung eines Produktes benötigt wird. Gut gestaltete Häuser, so Ettinger-Brinckmann, hätten eine längere Lebensdauer, und je länger ein Haus lebe, "desto besser ist seine Energie angelegt".

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