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Positionspapier bezieht zu den häufigsten Einwänden Stellung

Forscher wollen Debatte um Dämmung versachlichen

20.09.2014, 08:00

Haus mit Dämmung
Dämmung der Gebäudehülle auf dem Prüfstand. © ProKlima

Wärmedämm-Maßnahmen führen zu Schimmel, sind brandgefährlich, verunstalten Wohnhäuser – und rechnen sich darüber hinaus auch finanziell nicht. Zu diesen und anderen Auffassungen rund um den baulichen Wärmeschutz haben jetzt fünf Institutionen aus Deutschland und Österreich in einem Positionspapier Stellung bezogen. Die KEA Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg, das Fraunhofer-Institut für Bauphysik (IBP), das Karlsruher Institut für Technologie (KIT), das Energieinstitut Vorarlberg (EIV) und das Planungsbüro ebök wollen mit dem Papier einen Beitrag zur Versachlichung der Debatte leisten.

Die Experten kommen in ihrer Analyse zu dem Schluss, dass der Wärmeschutz der Gebäudehülle bei richtiger Planung und Ausführung nicht nur unbedenklich ist, sondern erhebliche Vorteile bietet. Zu den Vorteilen zählten vorrangig eine schadensfreie Konstruktion der Gebäudehülle und gesundes Wohnen. In zweiter Linie stünden die behaglichkeitssichernden, energieeinsparenden und ökonomisch motivierten Aspekte. "Die Informationen der unabhängigen Bauexperten werden dazu beitragen, Vorurteile gegen den Einsatz von Dämmstoffen abzubauen", sagt Baden-Württembergs Umwelt- und Energieminister Franz Untersteller. "Die Wärmedämmung ist ein lohnender Baustein der Gebäudesanierung, wird aber als solcher immer wieder verkannt."

Derzeit diskutieren viele Bürger, Verbände und Medien intensiv die Wärmedämmung, besonders die von Altbauten. Die Wahrnehmung ist nicht immer positiv. "Grundsätzliche Kritik an Dämmmaßnahmen stellt bauphysikalische Fakten oft verzerrt dar und reißt sie aus dem Zusammenhang einer komplexen Planungs- und Bauaufgabe", bemängelt  Volker Kienzlen, Leiter der KEA und Initiator der Analyse. "Das liegt an Vorurteilen, Fehlinterpretationen und anderen Missverständnissen.

Ein traditioneller Einwand gegen die Wärmedämmung lautet: Wände müssen atmen können, um die Bewohner mit Frischluft zu versorgen und um Schadstoffe und Feuchtigkeit abzuführen. Das Bild der atmenden Wand im Sinne eines Luftaustausches zwischen Innen- und Außenraum und eine Verschlechterung durch Dämmung entbehrt aber jeder funktionalen Grundlage, betonen die Verfasser. Einen Luftaustausch durch Außenwände gibt es nicht, ob gedämmt oder ungedämmt – außer sie sind baufällig.

Auch die Schimmelgefahr sinkt durch Dämmung: Schimmel kann immer dann auftreten, wenn sich warme Raumluft an Wandoberflächen abkühlt und dadurch die relative Feuchte der Luft dort stark zunimmt; im Extremfall kommt es sogar zur Kondensatbildung. Ein zusätzlicher, von außen angebrachter Wärmeschutz führt hingegen immer zu einer Anhebung der Oberflächentemperatur der Wand und senkt so das Schimmelrisiko. Eine konsequente Vermeidung von Wärmebrücken, etwa an den Fenstern oder der Balkonplatte, minimiert das Risiko weiter. Die Bewohner sollten zudem nach einem Fenstertausch intensiver lüften.

Die Brandgefahr erhöhe sich ebenfalls nicht, so die Autoren. Die meisten Dämmstoffe werden so hergestellt, dass sie als "schwer entflammbar" eingestuft werden. Brennende Dämmungen sind in Deutschland deshalb äußerst selten. Von den 200.000 Brandfällen pro Jahr sind die, bei denen die Fassadendämmung eine Rolle spielt, an einer Hand abzuzählen – ein Teil der Häuser befand sich zudem noch in der Bauphase. Viel häufiger brennen Inneneinrichtungen aus Holz und Kunststoffen.

Besonders emotional wird es, wenn es um die Außengestaltung geht. Wärmedämmung verunstalte die schönen, alten Gebäude, heißt es vielerorts. Wärmedämmung bedeutet aber keineswegs das Ende der Baukultur, erklären Kienzlen und Kollegen. Zwar gibt es ausreichend gestalterisch fragwürdige Beispiele für gedämmte Gebäude, aber auch viele gelungene. Und nicht jedes ungedämmte Haus ist optisch eine Perle. Die Frage der Gestaltung ist also nicht vorrangig eine Frage der Wärmedämmung, sondern der kreativen Architektur beim Umgang mit Materialien. Für denkmalgeschützte Fassaden oder solche mit Sichtmauerwerk oder aus Natursteinen besteht zudem die Möglichkeit, eine Innendämmung einzubauen.

Dass Wärmeschutz teuer sei und sich nicht rechne, ist ebenfalls nicht haltbar. Viele Investitionen können wirtschaftlich sein, besonders wenn die energetische Sanierung an den normalen Renovierungszyklus gekoppelt wird – steht das Gerüst für die Putzerneuerung schon, sind die Dämmmaßnahmen günstiger und bringen über die Lebensdauer mehr Einsparungen als sie gekostet haben. Auch sollte die Berechnungsmethode der Sanierungskosten stimmen, so der Tenor im Positionspapier. Für Wirtschaftlichkeitsaussagen dürften nur die Mehrkosten für die Energieeinsparung zugrunde gelegt werden, nicht die Sowieso-Kosten der baulich notwendigen Sanierung, etwa der neuen Dachziegel, so die Verfasser. Pauschale Aussagen zur Wirtschaftlichkeit seien jedoch mit Vorsicht zu genießen, denn jedes Haus sei individuell. Quelle: Zukunft Altbau / pgl

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