RSS | Newsletter | Über uns | Kontakt | Sitemap

Sie sind hier: Home » Dämmung & Fassade » Aktuelles » Artikel » Fassade mit dickem Polystyrol kann Brand anfeuern

Feuerwehrexperte: Dicke der Dämmung entscheidet über Brandrisiko

Fassade mit dickem Polystyrol kann Brand anfeuern

07.12.2011, 00:00

Unsanierte Fassade eines Altbaus
Noch ohne Polystyrol: unsanierte Fassade eines Altbaus. © Berres/EnBauSa.de

Eine dicke Dämmschicht aus Polystyrol erhöht die Gefahr, dass sich Brände schnell ausbreiten können, so Hartmut Ziebs, Vizepräsident des Deutschen Feuerwehrverbands (DFV). Er bestätigt damit einen Bericht des NDR, dass der Einsatz dieses Materials zur Dämmung der Außenwand Probleme beim Brandschutz verursachen kann. Polystyrol ist laut Ziebs jedoch nicht generell problematisch. Entscheidend sei die Dicke des Dämmstoffs, sagt er.

So werden mittlerweile vorwiegend Wärmedämmverbundsysteme (WDVS) mit einer Stärke von 20 bis 30 Zentimetern verwendet. Das ist kritisch: "Ein besonders starker Fassadenaufbau bringt aber selbst eine relativ hohe Brandlast mit sich", sagt Ziebs.

Vereinfacht ausgedrückt: Durch die dicken Platten ist relativ viel brennbarer Stoff vorhanden. "Dadurch wird so viel Energie im Brandfall freigesetzt, dass die Fassade selbständig weiter brennt." Der Feuerwehr-Experte betont, dass Polystyrol nicht dafür sorgt, dass ein Brand leichter entsteht. Das Problem besteht darin, dass sich die Flammen schneller ausbreiten können. Auch schon früher hätten Fassadenteile mit Polystyrol gebrannt. Durch die geringeren Dämmstoffdicken sei die Brandlast dabei jedoch kleiner gewesen und das Feuer habe sich nicht ausbreiten können.

Die besonders dicken WDVS werden seit zirka zehn Jahren verwendet. Daher seien auch nur Fassaden betroffen, die in jüngster Zeit energetisch saniert wurden. Es gebe bislang zwar keine statistischen Werte, aber "gefühlt nehmen die Problemfälle der Brandausbreitung zu."

Die Polystyrol-Lobby hält sich bisher mit Reaktionen zu diesem Thema zurück oder macht nur sehr allgemeine Aussagen. "Im Rahmen der Zulassung unterliegen WDVS sowie ihre Bestandteile einer dauerhaften Eigen- und Fremdüberwachung durch unabhängige Prüfinstitute", heißt es in einer Stellungnahme des Fachverbands WDVS gegenüber EnBauSa.de. "In Zusammenarbeit mit diesen Instituten werden WDVS in Laborversuchen, aber auch in realen Großbrandversuchen auf ihre Brandsicherheit geprüft." Besonders beim Thema Brand bestehe in der Branche eine absolute Nulltoleranz, so der Verband.

Hartmut ZiebsAuch die Deutsche Energie-Agentur verweist auf die intensiven Tests. Zudem werde die Brandschutzverordnung regelmäßig aktualisiert und auf den Stand der Technik gebracht. Ob dies tatsächlich der Fall ist, darf zumindest bezweifelt werden. "Es sind keine strengeren Bauvorschriften notwendig", meint Ziebs (Bild links, © DFV). Das wäre Ländersache. Die neuen Bauverfahren erforderten nach seiner Meinung eine Überarbeitung der Sicherheitsregeln

"Wenn Versuche und die Erfahrung zeigen, dass die zur Zeit verwendeten Brandriegel von der Größe nicht ausreichen, wird man über Abstand und Größe nachdenken müssen", so Ziebs. Dazu wären neue Absprachen zwischen Herstellern und Feuerwehren nötig.

Problematisch ist vor allem der Flammenüberschlag aus den Fenstern. Ab einer Dämmstoff-Stärke von mehr als 100 Millimetern sind daher Brandsperren aus nicht brennbarer Mineralwolle vorgeschrieben. Diese können entweder direkt über jedem Fenster oder als umlaufender Brandriegel in jedem zweiten Stockwerk angebracht werden. In der zweiten Variante gibt es dann allerdings Stockwerke, die nicht mit einer Brandsperre voneinander getrennt sind. Genau diese Situation wurde in der NDR-Sendung in einem Versuch simuliert. Ergebnis: Der Versuch musste wegen der extremen Flammen- und Rauchentwicklung vorzeitig abgebrochen werden.

Ziebs weist darauf hin, dass nicht nur die rasante Brandausbreitung beim Einsatz von Polystyrol problematisch ist. Im Brandfall führe dieser Dämmstoff auch zu einer sehr starken Rauchentwicklung. "Dieser Rauch dringt selbst durch geschlossene Fenster in andere Gebäudeteile und führt möglicherweise zu tödlichen Rauchgasverletzungen", so der Vizepräsident des DFV.

Hausherren könne man zur Zeit nur empfehlen, bei der Bauausführung auf qualifizierte Unternehmer zu setzen und die Einhaltung der Vorschriften zu achten. Sein Fazit: "Möglicherweise muss darüber nachgedacht werden, grundsätzlich bei besonderen Fassadenaufbauten nur nichtbrennbare Stoffe zu verwenden."

Als nicht brennbare Stoffe gelten Stoffe der Baustoffklassen A1 und A2. Zur Baustoffklasse A1 gehören fast alle mineralischen Baustoffe. Sie müssen nicht gesondert gekennzeichnet werden. Eine Ausnahme sind Mineral- oder Glasfaserplatten, die ein Prüfzeichen brauchen. In der Klasse A2 sind beispielsweise Glas- oder Mineralfaserprodukte, aber auch Gipskarton- und Gipsfaserplatten oder Leichtbeton mit organischen Zusätzen. Auch diese Stoffe sind kennzeichnungspflichtig.

von unserem Redakteur Markus Strehlitz

Eine Verwendung dieses Textes durch Dritte ist kostenpflichtig. Eine Lizenzierung ist möglich. Bitte nehmen Sie bei Fragen Kontakt auf.

Kommentare zur Meldung

Kommentare 1 - 1 von 1.

Bernhard Bauer-Ewert - 28.12.2011, 11:10

etwas verwirrend: zuerst "Es sind keine strengeren Bauvorschriften notwendig", dann die Aufzählung, über welche Änderungen nachgedacht werden sollte auf Seite 3/4...

 

Kommentar schreiben

(wird nicht veröffentlicht)
Bitte geben Sie die angezeigte Zeichenfolge (Captcha) ein. Dies dient zur Vermeidung von unerwünschtem Spam.

Zurück

Premiumpartner