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Bei der Innendämmung ist die Materialauswahl groß

Experten: Dämmtapeten bringen wenig

23.11.2010, 15:38

Mann bringt Dämmplatte an
Das richtige Material ist für die Dämmung entscheidend. Bild: Dena

Tübingen. Mit Dämmtapeten lassen sich Innenräume nachträglich und ohne viel Aufwand dämmen und so Heizkosten sparen, werben die Hersteller entsprechender Produkte. Das klingt verlockend, doch Experten warnen: Viele der erhältlichen Produkte hielten nicht, was sie versprechen. Oft seien Dämmplatten für die Innendämmung die bessere Wahl als die vermeintlich einfach anzubringenden Dämmtapeten. Doch bei Innendämmplatten ist die Auswahl groß. Welches Material das richtige ist, hängt unter anderem von den Feuchtigkeitsverhältnissen in der Außenwand und der Konstruktion dieser Wand ab.

"Im Bereich Dämmtapeten findet sich viel Scharlatanerie", fasst Arnold Drewer, Dämmstoff-Experte vom Institut für preisoptimierte energetische Gebäudesanierung IpeG in Paderborn, seine Beobachtungen zusammen. Dazu zählt er beispielsweise die Aussage, eine silbrig glänzende Folie als Tapetenoberfläche sorge dafür, dass Wärme reflektiert und in den Raum zurückgestrahlt wird. Mit dieser Behauptung wird oft für die Dämmung von Heizkörpernischen mit Dämmtapeten geworben. "Reflexion ist als Dämmung nicht anerkannt. Das funktioniert nicht", sagt Drewer dazu. Der Eindruck, dass es doch funktioniert, entstehe oft dadurch, dass sich die Folie warm anfühlt. "Das liegt aber nur daran, dass die Folie die Wärme der Hand nicht abtransportiert. Man fühlt also lediglich seine eigene Körperwärme, nicht etwa reflektierte Wärme", erläutert der Experte und ergänzt: "Die Dämmwirkung eines Materials ist immer eine Funktion aus seiner Dicke und seiner Wärmeleitfähigkeit. Die Dämmwirkung einer drei Millimeter dicken Tapete mit einer Wärmeleitzahl von 0,040 W/mK ist minimal."

Wer seine Heizkörpernischen dämmen will, sollte daher bei der Wahl des Dämmmaterials genau hinschauen. Eine Alternative zu Dämmtapeten sind Dämmplatten. Allerdings stellt sich die Frage, ob es wirklich Sinn macht, nur die Heizkörpernischen zu dämmen. "Grundsätzlich ist es natürlich immer besser, die komplette Wand zu dämmen. Das soll aber nicht heißen, dass die Dämmung von Teilbereichen nichts bringt", antwortet darauf Clemens Hecht, Leiter der Abteilung Bautechnik, Baustoffprüfung und Bauschadensanalyse der Technischen Versuchs- und Forschungsanstalt Wien, im Gespräch mit EnBauSa.de.

Doch auch die Dämmung mit Dämmplatten ist keineswegs ein Kinderspiel. Wird das Material falsch gewählt, werden nicht selten mehr Probleme geschaffen als gelöst. Bei einem Wandaufbau ohne Dämmung kann Feuchte, die etwa nach einem Schlagregen in die Wand eingedrungen ist, nach innen und außen austrocknen. Wird eine dampfdichte Dämmplatte oder ein Dämmsystem mit einer Dampfbremse aufgebracht, entfällt die Trocknung nach innen. "Zudem senkt die Innendämmung das Temperaturniveau des dahinter liegenden Mauerwerks, was auch die Trocknung nach außen verlangsamt", berichtet Hecht. Angesichts dieser Effekte erscheinen diffusionsoffene, also dampfdurchlässige Dämmplatten die bessere Wahl zu sein. "Grundsätzlich stimmt das und man kann immer dampfdurchlässige Materialien verwenden. Allerdings sind diese Systeme in der Regel teurer als Systeme mit Dampfbremse oder dampfdurchlässige Dämmungen."

Hinzu kommt, dass die Dampfbremse durchaus auch Vorteile hat. So wird eine unerwünschte Dampfdiffusion zur Wand hin unterbunden. Diese kann zu Problemen führen, wenn warme Raumluft in kalte Zonen unter der Dämmschicht gelangt und dort kondensiert. Dieser Effekt tritt besonders dann auf, wenn die Wand uneben ist und Hohlräume zwischen Dämmung und Untergrund verbleiben. "Das sollte auf jeden Fall vermieden werden. Daher kann Plattenmaterial nur an ebenen Flächen eingesetzt werden, wenn keine systemgerechte Ausgleichsschicht hergestellt wird", erläutert Innendämmungs-Experte Hecht.

Ist der Untergrund uneben, empfiehlt sich eher ein Innendämmsystem mit Dampfbremse. Dabei wird die dampfdichte Ebene durch Aufbringen einer Folie auf die Dämmkonstruktion hergestellt. Optimal ist der Einsatz von feuchteadaptiven Dampfbremsen. Dabei handelt es sich Hecht zufolge um sich intelligent anpassende Folien, deren Dampfdiffusionswiderstand variabel ist. Abhängig von der relativen Luftfeuchte wirkt die Folie dampfdicht oder diffusionsoffen. "Im Winter, wenn die Gefahr der Tauwasserbildung hinter der Dämmschicht besonders hoch ist, ist die Sperrwirkung der Folie am höchsten. Im Sommer dagegen sinkt der Dampfdiffusionswiderstand stark ab, so dass die Trocknungsprozesse in der Wand unterstützt werden", erklärt Hecht. Das Material komme aus dem Dachbereich, habe sich aber trotz seiner Vorteile bei Innendämmungen noch nicht durchgesetzt.

Der Experte der Technischen Versuchs- und Forschungsanstalt Wien empfiehlt, bei der Entscheidung für ein Dämmsystem für die Innendämmung nach dem Ausschlussprinzip vorzugehen. Dafür müssten zunächst eine Bestandaufnahme vorgenommen und die Gegebenheiten bewertet werden. Um die Planung einer Innendämmmaßnahme zu erleichtern hat er eine Bewertungsmatrix in Form eines Fragenkatalogs erarbeitet. Denn für die Innendämmung gibt es kein Patentrezept. Hecht: "Selten lässt sich eine gewählte Lösung von einem auf das nächste Gebäude übertragen. Vielmehr muss immer eine Bewertung im Einzelfall vorgenommen werden.

Von unserer Redakteurin Silke Thole

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