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"Geht in die Innenstadt, holt Euch Denkmäler"

Erster Platz im Wettbewerb für Baudenkmal

23.08.2016, 08:30

Haus Schikora, Münnerstadt
Dämmung von innen, am Dach und neue Fenster sorgen für den Erhalt der historischen Substanz bei guter Energiebilanz. © S. Thole

EnBauSa.de hat den Wettbewerb Sanierungshelden der Deutschen Energie-Agentur Dena journalistisch begleitet. Wir haben in einem zweiwöchigen Roadtrip zwölf Sanierungshelden in vier Bundesländern besucht. In lockerer Folge stellen wir vor, was die Gebäude und ihre Bewohnerinnen und Bewohner auszeichnet.

Den Anfang macht das Siegergebäude in Münnerstadt in der Rubrik Gesamtsanierung von Christine und Oliver Schikora. Vor der Sanierung hatte das Haus fast 20 Jahre leer gestanden, entsprechend schlecht war der Zustand. Der Aufwand war entsprechend hoch, bei 8.500 Arbeitsstunden, die er und seine Frau Christine in das Haus gesteckt haben, hat Oliver Schikora aus Münnerstadt aufgehört zu zählen.

Dass sehr viel Arbeit in dem Schmuckstück im Ortszentrum des fränkischen Städtchens steckt ist kaum zu übersehen. Ein Schmuckstück des Hauses ist insbesondere das im Dachboden entstandene neue Wohnzimmer mit einer Fläche von 160 Quadratmetern, Licht von zwei Seiten, einem großen Balkon und Blick auf die Dächer der Altstadt. Das habe "Toskana-Flair", sagen die beiden Bewohner zu recht.

Geschichte soll sichtbar bleiben

Wichtig war den Schikoras vor allem, dass die Arbeiten am und im Haus so ausgeführt werden, dass sie die lange Geschichte des Hauses sichtbar lassen und auch von späteren Generationen wieder rückbaubar sind. So haben die Schikoras beispielsweise in den Bädern Wände vor die historischen Mauern des Hauses gesetzt. Dahinter blieb die alte Bausubstanz erhalten.

Viele hätten sie für verrückt erklärt, als sie von dem Plan der Eheleute erfuhren, das riesige Fachwerkhaus aus dem 17. Jahrhundert mit einer Fläche von 350 Quadratmetern über vier Stockwerke zum Niedrigenergiehaus auf KfW-55-Standard zu machen, erzählt Christine Schikora. Eine andere Option habe es auch schon aufgrund der zu beheizenden Fläche nicht gegeben, sonst "heizt man sich zu Tode". Jetzt liegt der Endenergieverbrauch bei 85 kWh/m2 und Jahr, vor der Sanierung lag dieser Wert bei über 320 kWh/m2. Beim Transmissionswärmeverlust wurde durch die Sanierung ein Wert von 0,435 W/m2K erreicht.

Erneuerbare Energien sorgen für Wärme

Solarwärme auf dem Dach eines Nebengebäudes in Kombination mit einer Holzpellet-Heizung statt der vorher verwendeten Ölheizung sind der Kern des Heizkonzepts für das denkmalgeschützte Haus. "Ich finde es spannend dass die Berechnung des Energieberaters nach der Komplettsanierung haargenau eingehalten wird", so Oliver Schikora.

Um den geringen Heizbedarf und ein Gebäude zu erreichen, das sich auf seine eigene Geschichte besinnt, mussten zunächst Bodenbeläge wie Linoleum, das flächendeckend vorhanden war, aber auch dicke Schichten von Tapeten entfernt werden. Neu sind auch Stromleitungen und Rohre.

Innendämmung aus Zellulose sichert historisches Wandbild

Aufgrund der Auflagen des Denkmalschutzes war Innendämmung notwendig, um die historische Fassade zu erhalten. Ohnehin sei bei einem Fachwerkhaus Dämmung von außen nicht ganz einfach, so Schikora. Gedämmt haben die Schikoras die Innenwände mit Zelluloseflocken, die in eine Holzständerkonstruktion mit zwei Lagen Gipskarton und Folie eingeblasen wurden.

Darauf kam ein Lehmputz. Der sollte sich an die historische Bausubstanz angleichen. Für manche Handwerker sei es zunächst gewöhnungsbedürftig gewesen, dass keine ebenen und sauber geglätteten Wände gefragt waren, berichtet Oliver Schikora. "Uns war wichtig, dass keine völlig schrägen Materialien verwendet werden", betont Christine Schikora. Vieles war ohnehin auch vom Denkmalschutz vorgegeben.

Außerdem erfolgte eine Dämmung des Dachs. Die wurde in Aufdachdämmung realisiert mit 16 Zentimetern Zelluloseflocken. Das Denkmalamt hatte zur Auflage gemacht, dass der alte Dachstuhl sichtbar bleiben muss. Neue zweifach verglaste Kastenfenster wurden nach historischem Vorbild angefertigt, in den neuen Gauben sind Fenster mit Isolierglas. Vom Entschädigungsfonds, von der Städtebauförderung und aus dem kommunalen Förderprogramm haben die Schikoras für die Sanierung und den Umbau finanzielle Unterstützung bekommen.

Auf die Frage, ob ihnen klar gewesen sei auf was sie sich bei der Sanierung eines Denkmals einlassen, kommt die Antwort von Oliver Schikora wie aus der Pistole geschossen: "Nicht im entferntesten." Das sei durchaus zwiespältig. "Wenn man es vorher gewusst hätte, hätte man es wahrscheinlich nicht gemacht, es aber ein Leben lang bereut", lautet sein Fazit.

Er rät aber trotzdem auch anderen dazu, sich an solche Projekte heranzutrauen: "Jeder, der gerne draußen in einem Baugebiet wohnt, es sei ihm gegönnt. Ich kann aber nur sagen, geht in die Innenstadt, holt Euch Denkmäler, das ist toll." Das gelte auch für die Auflagen des Denkmalschutzes, die viele davon abhalten, die Sanierung eines historischen Gebäudes anzugehen. Und man wachse mit seinen Aufgaben, so das Fazit des Bauherrn. von Pia Grund-Ludwig

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