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Zwei weitere Projekte sollen bis 2013 fertig sein

Erste Plusenergieschule in Brandenburg eingeweiht

27.06.2011, 07:39

Außenaufnahme der Schule am Abend, die Räume sind beleuchtet.
Die erste Plusenergieschule in Deutschland ist in Betrieb. © IBUS Architekten

Passivhausschulen gibt es schon einige, nun wurde in Brandenburg die erste Plusenergieschule in Hohen Neuendorf als Neubau errichtet und in Betrieb genommen. Verwendet wurden dabei unter anderem innovative Materialien wie elektrochromes Glas und Vakuumisolierpaneele. Die Kosten für die Kostengrupen 300 und 400 sind mit rund 1.300 Euro pro Quadratmeter sehr moderat und liegen im Vergleich zu "normalen" Schulen im Mittelfeld.

Die Konzepte, die dort umgesetzt wurden seien jederzeit auch auf andere Schulen übertragbar, erklärt Johann Reiß vom Fraunhofer Institut für Bauphysik. Wenn man von vorneherein beim Neubau das Konzept auf Plusenergie ausrichte, müsse das nicht mehr kosten als ein Bau nach Mindeststandard laut EnEV, betont Gustav Hillmann von IBUS Architekten, dem verantwortlichen Architekturbüro. In den nächsten Jahren sollen mindestens zwei weitere Plusenergieschulen in Rostock und Stuttgart in Betrieb gehen. Sie werden im Rahmen des vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie eingerichteten Forschungsschwerpunkts "Energieeffiziente Schulen" realisiert.

Einige Plusenergiehäuser im privaten Wohnungsbau sind lediglich Passivhäuser, die mit viel Fotovoltaik in Richtung Plusenergie getrimmt werden. Das Schulhaus in Brandenburg ist mit Passivhauskomponenten gebaut, hat aber ein anderes Konzept. "Die Hüllfläche, also Fenster, Dach und Bodenplatte haben Passivhausstandard, Lüftung und Wärmeerzeugung sind aber anders als in einem Passivhaus", sagt Hillmann. Gelüftet wird hybrid mit einer mechanischen Grundlüftung und zusätzlichen Lüftungsflügeln, die sich während der Pausen öffnen. "Die Lüftung ist belegungsgesteuert laut Stundenplan, sie läuft immer dann, wenn Schülerinnen und Schüler im Raum sind", erklärt Reiß. Zusätzlich gibt es raumhohe Lüftungsklappen aus Vakuumisolierpaneelen. Deren Dämmwert ist besser als Glas, außerdem sind sie leichter. "Wir haben Vakummisolierpanelle als teures aber innovatives Material da eingesetzt, wo es Sinn macht", sagt Hillmann.

Verwendet wurde in der Schule auch elektrochromes Glas. Das ist Glas, dessen Sonnen- und Lichtschutzeigenschaften sich durch Knopfdruck verändern lassen. Es wird an der Ostfassade über zwei Geschosse verwendet und kommt erstmals in einer Schule zum Einsatz. "Die Alternative wären außenbewegliche Jalousien gewesen", meint Hillmann. Die sind aber anfälliger für Wind und Wetter. Der Einsatz der innovativen und noch teuren Materialien war durch Fördermittel möglich. Der Wärmebedarf wurde minimiert, die notwendige Restwärme erzeugt ein Pellet-Kessel.

Geachtet haben die Architekten und Planer nicht nur auf einen geringen Energiebedarf bei der Wärmeerzeugung, sondern auch auf eine gute Nutzung des Tageslichts. In vielen Bereichen gibt es Zimmer mit einer Verglasung an zwei Seiten. An das eigentliche Klassenzimmer schließt sich ein Bereich an, der für Kleingruppen oder einzelne Schüler genutzt werden kann. Eine solche Struktur müsse aber auch zum pädagogischen Konzept der Schule passen, sagt Hillmann. Deshalb war die architektonische Planung begleitet von Gesprächen mit dem Kollegium über die spätere Nutzung. "Wir wollten keine Kiste bauen, die erst danach mit Leben gefüllt wird", erklärt Hillmann.

Eröffnet wurde die Schule im Rahmen eines Symposiums des Fraunhofer IBP, in dem weitere Projekte vorgestellt worden sind. Plusenergieschulen standen im Mittelpunkt. Neben der ersten neu eröffneten Schule in Hohen Neuendorf wurden zwei weitere in der Umsetzung befindliche Plusenergieschulen in Stuttgart und Rostock präsentiert. Über 120 Fachleute aus verschiedenen Disziplinen tauschten sich über gesammelte Erfahrungen, Trends, Kosten und Nutzerakzeptanzen aus. Die Planungsteams der Plusenergieschulen zeigten sehr unterschiedliche Konzepte, die zur Erreichung der hoch gesteckten Zielwerte entwickelt wurden. Alle Konzepte basieren vorrangig auf der Reduzierung des Bedarfs, da dies wie die Untersuchungen zeigten, der wirtschaftlichste Ansatz ist.

Die thermische Restenergiedeckung basiert in Hohen Neuendorf auf der Nutzung von Biomasse, in Stuttgart auf der Nutzung bodennaher Geothermie mittels hocheffizienter Wärmepumpen und in Rostock auf der Restwärmenutzung einer fernwärmebetriebenen ORC-Anlage, die Wärme in mechanische Arbeit bei niedriger Systemtemperatur wandelt. Ein weiteres Schwerpunktthema auf dem Symposium war ein neu entwickeltes Erfolgscontracting-Model, das an der 3-Liter-Haus-Schule in Marktoberdorf erstmals erprobt wurde.

von unserer Redakteurin Pia Grund-Ludwig

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