RSS | Newsletter | Über uns | Kontakt | Sitemap

Sie sind hier: Home » Dämmung & Fassade » Aktuelles » Artikel » Ernst-May-Haus wurde mit Vakuumpaneelen saniert

Denkmalschutz lässt gängige Außendämmung nicht zu

Ernst-May-Haus wurde mit Vakuumpaneelen saniert

08.02.2011, 08:56

Außenansicht Ernst-May-Haus
Ein Ernst-May-Haus wurde mit Vakuum-Paneelen saniert. Bild: Tschakert

Der Einsatz von Vakuumdämmung erfolgt häufig dann, wenn Alternativen nicht praktikabel sind. So wie in Frankfurt, wo ein erstes Projekt mit der Außendämmung bei denkmalgeschützten Häusern aus den 20er und 30er Jahren abgeschlossen worden ist.

Saniert wurde ein Gebäude aus einer Siedlung, die der Architekt Ernst May bauen ließ. May hat Siedlungen mit 15.000 Wohnungen in der Römerstadt, in Praunheim, Ginnheim und am Bornheimer Hang errichtet. Sie sind neben der Stuttgarter Weißenhofsiedlung und dem Bauhaus in Dessau Beispiele der frühen Moderne in Deutschland.

Charakteristisch sind Fassaden ohne große Versprünge, auch die Fenster sitzen bündig in der Fassade. Die Ensembles stehen unter Denkmalschutz. Als eine Besitzerin dämmen wollte, erklärte die Denkmalschutzbehörde das nur dann für zulässig, wenn mit maximal fünf Zentimetern Dämmstärke gearbeitet wird. Deshalb sollte getestet werden, ob Vakuumdämmung für diesen Einsatzbereich eine Alternative ist.

Bislang sind die meisten der Ernst-May-Häuser noch in Besitz von Wohnungsbaugesellschaften wie der ABG Holding oder der Naussauischen Heimstätte. Die denken über einen Verkauf der Bestandsgebäude nach. Handeln war angesagt, denn ein Verkauf könnte in Zukunft die Sanierung erschweren, da man dann mit sehr vielen Einzeleigentümern verhandeln müsste. "Wir können in Zukunft die Zustimmung der Denkmalbehörde nur dann erwarten, wenn wir komplette Häuserzeilen dämmen", berichtet Peter Tschakert vom Energiereferat der Stadt Frankfurt.

Bei dem Pilotprojekt wurde ein neues Verfahren angewendet. Zur Kostenreduzierung wurden keine Spezialanfertigungen, sondern ausschließlich marktgängige VIP-Standardgrößen eingesetzt. In die entstehenden Lücken an Rändern und Ecken kommen Stücke aus Resolharzschaum. Die Platten sind einfacher zuschneidbar und unempfindlich gegen mechanische Belastungen. Damit entfällt das millimetergenaue Aufmaß der Gebäudewände sowie die passgenaue und kostenintensive Einzelanfertigung für jede einzelne Wand. Es hat noch einen zusätzlichen Vorteil: "Durch diesen Materialmix minimieren wir auch das Schadensrisiko, da wir an empfindlichen Kanten nicht mit Vakuumsiolierpaneelen arbeiten", sagt Tschakert.

Insgesamt erreiche man über die gesamte Wandfläche immer noch eine Wärmeleitfähigkeit von 0,21 W/m²K. 0,19 W/mK.

Exkurs: Wärmeleitzahl und U-Wert

Die Wärmeleitzahl Lambda beschreibt die Wärmemenge in Watt, die in einer Stunde durch eine ein Meter dicke Schicht des Stoffes hindurchgeht, wenn sich die Temperaturen der Oberflächen auf beiden Seiten um ein Grad Kelvin unterscheiden. Demgegenüber beschreibt der U-Wert die Wärmemenge, die durch einen Quadratmeter Wand oder Dämmstoff hindurch geht. Für beide Kennzahlen gilt: Je geringer der Wert, desto größer die Dämmwirkung. Zur leichteren Kennzeichnung werden Dämmstoffe in Wärmeleitgruppen (WLG) eingeteilt. Bei Dämmstoffen der WLG 040 beträgt die Wärmeleitzahl 0,040 W/mK


Damit wird die derzeit geltende EnEV 2009 unterschritten. Als Gesamtkosten waren pro Quadratmeter Dämmfläche unter 200 Euro anvisiert, herausgekommen sind zirka 280 Euro. Davon entfallen zirka 50 Euro auf Auflagen des Denkmalschutzes. "Wir gehen davon aus, dass die Vakuumdämmung reale Mehrkosten von zirka 100 Euro pro Quadratmeter Dämmung im Vergleich zu Standard-Dämmung ausmacht", sagt Tschakert. Dass die Kosten im konkreten Projekt hoch waren, führt er auf die Kleinteiligkeit zurück. Auch sei der Aufwand für ein einzelnes Objekt höher als bei einer Flächensanierung.

Wichtig war den Frankfurtern auch die Reproduzierbarkeit für andere Gebäude, da dieser Bautyp in Frankfurt weit verbreitet ist. Die Wiederholbarkeit sei gegeben, und vor allem auch durch lokale Handwerker zu realisieren, so das Ergebnis des Projekts. Eines der Handicaps bei Vakuumisolierpaneelen ist die Gefahr, dass die Platten vor oder während der Montage beschädigt werden und ihr Vakuum verlieren. Das macht sie zwar nicht nutzlos, reduziert aber den Dämmwert erheblich. "Wir hatten eine sehr geringe Ausfallquote", meint Tschakert. Von 200 Platten, die verbaut worden sind wurden sechs nach der Montage ersetzt, da man sie für defekt hielt. Bei zweien erwies sich das als Fehldiagnose, nur vier der verbauten Platten waren also wirklich defekt.

von unserer Redakteurin Pia Grund-Ludwig

Eine Verwendung dieses Textes durch Dritte ist kostenpflichtig. Eine Lizenzierung ist möglich. Bitte nehmen Sie bei Fragen Kontakt auf.

 

Kommentar schreiben

(wird nicht veröffentlicht)
Bitte geben Sie die angezeigte Zeichenfolge (Captcha) ein. Dies dient zur Vermeidung von unerwünschtem Spam.

Zurück

Premiumpartner