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Erste Städte debattieren Verpflichtung zur Sanierung

Energiesparpotentiale bei Gebäuden bleiben strittig

14.05.2010, 11:04

Dietmar Walberg, AG für zeitgemäßes Bauen
Dietmar Walberg warnt vor Überschätzung der Energieeinsparpotentiale. Bild: pgl

Mit Debatten um Potentiale von Energieeffizienzmaßnahmen im Gebäudebereich, Diskussionen über regionale Klimagesetze sowie einer Diskussion um die sinnvolle Einbindung erneuerbarer Energien gingen am 13. Mai 2010 die Berliner Energietage zu Ende.

Umstritten blieb in Berlin unter anderem die Frage, wie viel Energieeinsparpotential im Gebäudebereich in den nächsten Jahren zu erschließen ist. Die niedrig hängenden Früchte seien im Mietwohnungsbau geerntet, warnte etwa Ingrid Vogler vom wohnungswirtschaftlichen Dachverband GdW. Die Bestände, die jetzt noch zur Sanierung anstünden, seien schwieriger zu behandeln als die in den vergangenen Jahren sanierten. Häufig gehe es auch um denkmalgeschützte Gebäude, für die man jeweils einzelne Strategien entwerfen müsse.

Dietmar Walberg von der Arbeitsgemeinschaft für zeitgemäßes Bauen verwies darauf, dass der durchschnittliche Heizenergieverbrauch mittlerweile bei 150 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr liege. Deshalb seien Einsparpotentiale von 50 Prozent eher die Ausnahme als die Regel. Er legte zudem Untersuchungsergebnisse vor, die eklatante Unterschiede zwischen errechneten und realen Verbrauchswerten bei KfW40- und Kfw-60-Häusern belegten. Bei höheren Anforderungen an die Energieeffizienz, also bei den strengeren Standards, stiegen die Unterschiede zwischen geplanten und realen Werten, so die Erfahrung Walbergs aus konkreten Messreihen. "Die Qualität am Bau nimmt dramatisch ab", monierte er außerdem. Das gelte auch für die Installation von Heizungen, "hydraulischer Abgleich können die meisten noch nicht mal schreiben", spitzte er zu.


Städte verschärfen Klimaschutzvorgaben

Walberg plädierte bei der Definition von CO2-Einsparzielen dagegen, Hausbesitzern und Wohnungsbaugesellschaften bestimmte Ziele vorzugeben und trat stattdessen für freiwillige Vereinbarungen zur CO2-Einsparung ein. Damit habe man in Schleswig-Holstein gute Erfahrungen gemacht. Die Länder Hamburg und Berlin diskutieren derzeit verschärfte Klimaschutzverordnungen, die bei der Wohnungswirtschaft auf wenig Gegenliebe stoßen. Berlins Umweltsenatorin Kathrin Lompscher stellte Einzelheiten im Rahmen der Energietage vor. Reiner Wild, Geschäftsführer des Berliner Mietervereins, sprach sich in der Debatte für anspruchsvolle klimapolitische Zielsetzungen auch im Gebäudebereich aus.

Der Bund Berliner und Brandenburger Wohnungsunternehmen (BBU) verwies dagegen in seinem Forum zum Thema Energieverbrauch und CO2-Emissionen auf die Vorleistungen, die in den vergangenen Jahren bereits auf Basis freiwilliger Vereinbarungen mit dem Senat der Stadt Berlin getroffen worden sind. Von 1990 bis 2010 konnte man den CO2-Ausstoß bereits um 30 Prozent reduzieren, rechnete Siegfried Rehberg, Bewirtschaftungsexperte des BBU vor. Bislang sei die Kritik seines Verbandes am vorgelegten Referentenentwurf für eine Klimaschutzverordnung kaum berücksichtigt worden, klagte Rehberg.


Fokus liegt auf Erneuerbaren Energien

Der Entwurf sehe einen Fokus auf Erneuerbare Energien sowie einen Zwang zur Sanierung ab einem Heizenergiebedarf von 150 Kilowatt pro Quadratmeter und Jahr vor. Der Verband will dagegen Technologieoffenheit und keine Festlegung auf Erneuerbare.

Parallel zur Verabschiedung der Verordnung, kritisiert Rehberg, würden aber Förderprogramme wie das Marktanreizprogramm auf Eis gelegt und es sei absehbar, dass auch die Mittel der KfW bis Mitte des Jahres aufgebraucht seien. Deshalb müsse man sich die Frage stellen, ob für Länder wie Berlin die bereits beschlossenen Klimaziele für 2020 stemmbar und leistbar seien.


KWK-Zielvorgaben sind mittlerweile unrealistisch

Die Bezahlbarkeit des Umstiegs auf CO2-ärmere Energieerzeugung war auch das Thema einer Diskussionsrunde der Verbraucherzentrale Bundesverband. Die Bilanz war ernüchternd. Hans-Joachim Ziesing erklärte dem Ziel der Bundesregierung, bis zum Jahr 2020 auf 25 Prozent Strom aus Kraft-Wärme-Kopplung zu kommen, eine Absage. Das sei angesichts der Förderbedingungen, der unklaren politischen Rahmenbedingungen sowie der schwankenden Energiepreise unrealistisch.

Sven Bode vom Arrhenius Institut für Energie- und Klimapolitik befasste sich mit der Möglichkeit, Strom aus Fotovoltaik zur Nutzung des Eigenverbrauchs zu decken. Das sei nur dann möglich, wenn gleichzeitig weiter das Stromnetz und entsprechende Erzeuger für sonnenschwache Zeiten nachts und im Winter zur Verfügung stünden, warnte er. Die Kosten für den Betrieb der Stromnetze blieben also gleich. "Wer keine Fotovoltaik hat, bezahlt dann über das ganze Jahr die Netzkosten", warnte er vor einer finanziellen Schieflage auf Kosten mancher Verbraucherinnen und Verbraucher.

Auch eine Koppelung von Fotovoltaik im Eigenverbrauch und Mini-Kraftwärmekopplungsanlagen zur Versorgung in solarschwachen Zeiten bringt aus Sicht von Bode wenig: "Dann muss man Doppelstrukturen aufbauen, und das ist sehr teuer."

Das Argument, Verbraucher könnten dann über Smart Meter Kosten sparen, weil sie Strom zu angebotsstarken Zeit nutzen hat eine Studie des Bundesverbands der Verbraucherzentralen nicht bestätigt. 20 Prozent der Verbraucher lehnten laut einer Forsa-Umfrage die Zähler ab, die den Verbrauch einzelner Geräte erfassen. Auf intelligente Geräte, die außerdem eine Lastverschiebung ermöglichen, wollte sich in der Umfrage niemand einlassen. Dafür gebe es noch keine attraktiven Angebote, erklärte Frauke Rogalla, Referentin für Energieeffiziente Produkte der Verbraucherzentrale.

Hier können Netzanbieter aber durch Taktung und unterschiedliche Bepreisung Druck aufbauen: Die Konsequenzen sind für Arndt Börkey vom Bundesverband Neuer Energieanbieter klar: "Es wird drastische Preisspitzen geben für Verbraucher, die keine Lastverschiebung realisieren können." Insgesamt sind bei der smarten Stromsteuerung noch zu viele Fragen offen, mahnte Rogalla. Auch Fragen des Datenschutzes seien noch ungeklärt. pgl

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