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Gebäude werden im Projekt messtechnisch begleitet

Energieplus ist auch im Geschosswohnungsbau machbar

23.07.2015, 08:30

Aktiv-Stadthaus in Frankfurt
Das erste Mehrfamilien-Energieplus-Haus steht in Frankfurt. © ABG

Mit dem Aktiv-Stadthaus in Frankfurt wurde ein großes Mehrfamilienhaus im Effizienzhaus-Plus-Standard eröffnet. Das Gebäude mit 74 Wohneinheiten präge als "innovativer Neubau das Stadtbild, schafft notwendigen bezahlbaren Wohnraum und erzeugt gleichzeitig über ein Jahr mehr Energie als deren Bewohner für Heizung, Warmwasser, Hausstrom und Mobilität verbrauchen", betonte Bundesbauministerin Barbara Hendricks bei der Eröffnung.

Im Rahmen des Netzwerkes Effizienzhaus Plus werden derzeit auch fünf Projekte aus dem Mehrfamilienbereich gefördert und deren Energieverbrauch nach Bezug gemessen. Energieplus-Häuser im Geschosswohnungsbau können eine positive Energiebilanz unter anderem deshalb schwer erreichen, weil im Verhältnis zur Nutzfläche relativ wenig Dachfläche zur Energieerzeugung zur Verfügung steht. Ein Dach muss viele Geschosse versorgen. Drei der Mehrfamilien-Objekte stehen in Frankfurt.

Das Aktiv-Stadthaus ist nach dem Ersatzneubau in der Cordierstraße im Gallusviertel das zweite und weitaus größere Objekt, das die ABG fertiggestellt hat. Über einem gewerblich genutzten Sockelgeschoss befinden sich auf sieben Geschossen insgesamt 74 Wohneinheiten. Den Abschluss bildet ein Pultdach, das fast komplett mit PV-Modulen belegt ist.

Über der Erdgeschossfassade erhebt sich auf der Südseite eine im Grundriss leicht gefaltete Fassade. "Diese Faltung bricht zum einen die Länge des Gebäudes und schafft im Grundriss die notwendige Tiefe zur Entwicklung der Wohnungsgrundrisse bei geringer Gebäudetiefe", so die Planer.

Der errechnete Heizwärmebedarf des Gebäudes liegt bei 18 kWh/(m²a), dieser Wert wird durch bauphysikalisch optimierte Bauteile und dezentrale Wohnungslüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung erreicht. Eine Wärmepumpe mit einer thermischen Leistung von 120 kW nutzt das Abwasser eines naheliegenden Schmutzwasserkanals als Quelle. Diesem wird auf einer Gesamtlänge von rund 50 Metern über einen Wärmetauscher die erforderliche Wärme entzogen. Zum Einsatz kommt dabei eine Anlage des Kanaltechnik-Experten Uhrig, der mittlerweile bundesweit über 50 Projekte realiisert hat, die Abwasser aus Kanälen als Wärmequelle zu nutzen. Um die Wärmepumpe energieoptimiert zu betreiben, erfolgt die Wärmeverteilung für Heizwärme und Warmwasser durch getrennte Verteilnetze auf verschiedenen Temperaturniveaus.

Strom kommt auch von Fassadenmodulen

Strom gewinnt das Haus über 330 PV-Module an der Fassade und rund 1000 sehr effiziente PV-Module auf dem Dach. Der Strom wird in einer Batterie im Keller des Hauses gespeichert. Den kompletten Strombedarf für Heizung, elektrische Geräte, Beleuchtung und Hilfsstrom geben die Planer mit knapp 250.000 kWh/a an, die Erzeugung wird auf gut 290.000 kWh/a geschätzt. Zirka ein Sechstel der Stromerträge sollen die Fassadenmodule lieferen.

Über ein Display kann jeder Mieter des Aktiv-Stadthauses den jeweiligen Energieverbrauch mit der aktuellen Stromerzeugung vergleichen. Ziel ist es, Erzeugung und Verbrauch aufeinander abzustimmen. Der geplante Stromüberschuss soll reichen, um rechnerisch die Fahrleistung eines mittleren E-PKWs von 256.600 Kilometern abzudecken. Angenommen wird dabei ein Verbrauch von 17kWh/100 km. Die Fahrzeuge erhalten den zum Fahren benötigten Strom aus der Batterie des Gebäudes.

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