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Knappere KfW-Mittel machen strengere Prüfung notwendig

Energieeffizienz war eines der Leitthemen der Bautec

20.02.2010, 06:06

Karl-Heinz Schneider, Bundesvereinigung Bauwirtschaft
Karl-Heinz Schneider hat Bestandssanierung im Fokus. Bild: Bautec

Klimaschutz, verschärfte Energie-Einsparverordnungen, energieeffizientes Bauen, Bauen im Bestand, erneuerbare Energien und das barrierefreie Bauen waren die diesjährigen Leitthemen der Kongresse Berliner Branchentreffs Bautec. 821 Aussteller aus 25 Ländern präsentierten auf der Messe nicht nur Baustoffe und Bauteile, sondern nahmen den kompletten Bauprozess in den Fokus.

Auf dem Kongress der Bundesvereinigung Bauwirtschaft "Energieeffizienz im Gebäudebereich" diskutierten Experten der Bauwirtschaft, Politiker und Fachplaner über die Möglichkeiten und Hemmnisse, den Anteil erneuerbarer Energien im Gebäudesektor zu erhöhen. Als wichtigstes Segment im Hinblick auf Energieeffizienz und CO2-Einsparung im Bausektor gelte der Gebäudebestand vor allem aus den 50er bis 70er Jahren, betonte der Vorsitzende der Bundesvereinigung Bauwirtschaft Karl-Heinz Schneider.

Eine große Herausforderung sei zudem die demographische Entwicklung mit einem zunehmenden Anteil älterer Menschen. "Aging in Place" heißt das Stichwort – ältere Menschen wollen in ihren eigenen vier Wänden bleiben. Es reicht also nicht, Gebäude zu dämmen und technisch aufzurüsten, ganzheitliche Ansätze sind gefragt, die auch Nutzerbedürfnisse, Infrastruktur und eine städtebauliche Einbindung berücksichtigen.

Im Zuge der neuen Energieeinsparverordnung EnEV 2009 und des Erneuerbare-Energien-Wärme-Gesetzes hat Deutschland sich vorgenommen, bis 2020 den Passivhausstandard für Wohn-Neubauten umzusetzen und wird damit die Rolle des Protagonisten in Europa sielen. "Die Rahmenbedingungen für das Passivhaus 2020 müssen aber noch optimiert werden", so Schneider, "da liegt noch Einiges im Argen". Wichtig sei die weitere Investition in die Ausbildung von Energieberatern und Weiterbildung von Fachplanern.

Ein europäisches Kontrollsystem, wie die EU es fordert, lehne die Bundesvereinigung Bauwirtschaft dabei ab. Das bringe nur mehr Kosten, einen höheren Verwaltungsaufwand und zusätzliche kostspielige Bürokratie. Deutschland liege mit der EnEV 2009 zudem schon an der Spitze der europaweiten Gesetze zur Energieeinsparung.

Die Energie-Ausweise im Wohngebäudebereich sollten einfach und ökonomisch erbracht werden können. Die Erfahrung zeigt, dass Gebäudeeigentümer vor allem aus Kostengründen den einfachen Verbrauchsausweis dem Bedarfsausweis vorziehen. Wichtiger als die Beurteilung ist eine fachgerechte, individuell zugeschnittene Beratung für das jeweilige Objekt. Das Geld solle also besser in praktische Maßnahmen statt in einen bürokratischen Apparat investiert werden, so Schneider weiter.

Im Hinblick auf das Gebäudesanierungsprogramm sei Kontinuität geboten. Die Beschlüsse der schwarz-gelben Regierung seien dazu nicht ausreichend. Es bedürfe neuer Impulse wie etwa höherer Klima-Abschreibungsmöglichkeiten für den gesamten Bestandssanierungsbereich.

Heinrich Lochte, Ministerialrat im Bundeswirtschaftsministerium (BMWi), bezeichnete nach dem Scheitern der Klimakonferenzziele in Kopenhagen die Vorreiterrolle Deutschlands in Sachen Klimaschutz als schwierig, „wenn die anderen beteiligten Staaten nicht mitziehen.“ Deutschland solle seine Bemühungen auch davon abhängig machen, ob die anderen Länder folgen. Er plädierte für eine Vorreiterrolle als „Umweltpionier mit Augenmaß“. Dabei müssten Mehrbelastungen der Energieverbraucher vermieden werden. Zu den Maßnahmen, die das erleichtern können, zählt nach Vorstellung des BMWi eine Erweiterung des Energiecontracting, aber auch Erleichterungen für Vermieter. Lasten und Gewinne müssen gerecht zwischen Mietern und Vermietern verteilt und private Eigentümer auch im Stadtumbau stärker eingebunden werden.

Auf die Fragen aus dem Publikum, wie sich die deutschen Klimaschutzziele mit der anstehenden KfW-Kürzung für Fördermaßnahmen vertragen, blieb Lochte eine Antwort schuldig. Es handele sich dabei jedoch nicht um Kürzungen, sondern um eine Angleichung, erklärte Alexander Renner vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung. Für die Jahre 2009 bis 2011 waren je 1,5 Milliarden Euro Förderung veranschlagt; jedoch war die Anfrage 2009 so groß, dass bereits 2,2 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt wurden, und daher im Entwurf des Bundeshaushaltes 2010 für die Programme für energieeffizientes Bauen und Sanieren nur noch rund 1,1 Milliarden Euro statt der geplanten 1,5 Milliarden zu verteilen sind. Es sei allerdings jetzt schon abzusehen, so ein Vertreter der KfW aus dem Publikum, dass die Anfrage wieder größer sein wird als die Fördermittel es erlauben, und deshalb eine strengere Abwägung der Relevanz der jeweiligen Maßnahme unumgänglich sei. Zudem ist unklar, ob für das Folgejahr 2011 noch Fördermittel zur Verfügung stehen werden.

Seit dem Neustart des Programms im Jahre 2006 konnten in Deutschland bereits mehr als 1,4 Millionen Wohnungen energiesparend gebaut oder saniert, sowie mehr als 630 kommunale Einrichtungen wie Schulen und Kitas saniert werden. Die Bundesregierung hat bislang rund sechs Milliarden Euro dafür bereitgestellt. Dadurch sanken der CO2-Ausstoß um rund vier Millionen Tonnen jährlich und die Heizkosten für Wohnungseigentümer und Mieter um rund 1,5 Milliarden Euro.

„Die Energieeinsparverordnungen sind noch zu sehr auf den Neubau fokussiert“, kritisierte Renner. Drei Viertel aller Gebäude seien nicht einmal auf dem EnEV-Stand von 2002. Das System der Energieausweise sollte auf seine Wirksamkeit hin überprüft, die Energiekennzahlen bei Vermietung und Verkauf deutlich gemacht werden.

Die Planungsinstrumente sollten dabei möglichst überschaubar bleiben. Der Nachweis nach DIN V 18599 stellt eine Methode zur Bewertung der Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden zur Verfügung, wie sie in allen Mitgliedsländern der EU gefordert ist. Die Berechnungen erlauben die Beurteilung aller Energiemengen, die zur bestimmungsgemäßen Beheizung, Warmwasserbereitung, raumlufttechnischen Konditionierung und Beleuchtung von Gebäuden notwendig sind. Die Normreihe  kann den langfristigen Energiebedarf für Gebäude oder auch Gebäudeteile ermitteln und die Einsatzmöglichkeiten erneuerbarer Energien abzuschätzen. Sie sei aber zu komplex und schwer verständlich, war allgemeiner Konsens auf der Berliner Konferenz. Die Praxis fordert daher eine deutliche starke Vereinfachung generell für alle Wohngebäude.

Bauen und Energieeffizienz im europäischen Kontext war im Anschluss auch das Leitthema des europäischen Bau Congresses Berlin (EBCB). Würden die vorgesehenen Maßnahmen der Gebäuderichtlinie 2010 realisiert, könnte das eine Einsparung von elf Prozent des Endenergieverbrauchs in Europa bis 2020 bedeuten. „Neben neuen Baustandards ist dafür eine Umstellung des Energiemix und der rasche Ausbau und Einsatz erneuerbarer Energien, sowie Einbeziehung weiterer Emittenten in den Emissionshandel notwendig“ forderte der Vizepräsident des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie, Manfred Nußbaumer. Der Energiebedarf im Gebäudesektor könne auf ein Drittel des aktuellen Bedarfs gesenkt werden, wenn alle Gebäude ab Baujahr 1968 saniert würden.

Wichtig sei dabei immer, auf die Wirtschaftlichkeit der Maßnahmen zu achten. So könne auch ein Abriss im Bedarfsfall sinnvoller sein als eine aufwendige Sanierung. Sanierungsmaßnahmen scheitern  oft auch an der begrenzten Liquidität der Entscheider und an langen Amortisationszeiten, sowie an der gesetzlich noch schlecht geregelten Umlegung der Kosten. Vorzeigebauten sollten forciert und ein Sonderbudget für Forschung eingerichtet werden. Wünschenswert wäre eine kostenlose Energieberatung und Anreizmodelle für vorgezogene Investitionen, eine Mietspiegelangleichung und PPP-Modelle im Energiecontracting, so Nußbaumer.

In Deutschland sind energetische Mindeststandards für Neubauten und Sanierungen schon Praxis. Mittelständische deutsche Unternehmen, so der Aufruf des Präsidenten der Europäischen Bauwirtschaft Dirk Cordeel, sollten ihre Erfahrung nutzen, um sich krisensicherer aufzustellen. Viele Länder fragen nach deutschem Know-how. Um diesen Markt transparenter zu machen, hat die Bundesregierung die „Exportinitiative Energieeffizienz“ ins Leben gerufen, die deutsche Unternehmen dabei unterstützt, ihre auf Energieeffizienz ausgerichteten Produkte und Dienstleistungen im Ausland gewinnbringend zu vermarkten. Als Schlüsselsektor im europäischen Markt bezeichnete Cordeel die Bauindustrie: In den letzten Jahren habe sie aber unter wirtschaftlich bedingten Schwankungen gelitten – um zu überleben, muss sie konkurrenzfähiger werden und ein Netzwerk im europäischen Rahmen aufzubauen.

Wolfgang Stinglwagner, Referatsleiter im Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie ist überzeugt, „wer energieeffiziente Techniken für ausländische Märkte vorbereitet, wird in den nächsten Jahren gewinnen, denn Preise und Nachfrage ziehenerheblich an“. Zielmärkte für die deutsche Bauindustrie sind vor allem die Länder der EU mit rund 64 Prozent, Frankreich und die Niederlande an der Spitze, einen Zuwachs sehen Experten in den Nachbarländern Belgien und Luxemburg, das 2010 mit einem wachsenden BIP und Investitionen rechnet, aber auch Asien und die USA gelten als zukunftsfähige Auslandmärkte. Nicole Allé

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