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Erste nachhaltige Mietshäuser auf der Bau 2011 ausgezeichnet

Energieeffizienz muss sich in Strategie einordnen

19.01.2011, 21:09

Besucherandrang zur Eröffnung der Fachmesse BAU 2011
Schon am ersten Tag strömten die Besucher zur Bau. Bild: Loske

Auf einem halbtägigen Kongress "Bauen für die Zukunft" diskutierten Experten am ersten Tag der Fachmesse Bau in München über Aspekte des nachhaltigen Bauens. Reiner Energieeffizienz erteilten zahlreiche Experten eine deutliche Absage, es gehe darum, die Vielfalt des Bauens zu erhalten und die Gebäude wohnenswert zu erhalten, so der Appell.

Für den Münchner Professor Gerhard Hausladen ist energieeffizientes Bauen schon lange keine Frage des Könnens mehr: "Die Techniken stehen uns zur Verfügung, wir bauen Plusenergiehäuser", beschrieb er den Stand der Dinge unter anderem an der Nachnutzung des Geländes des Berliner Flughafens Tegel oder des Münchner Olympischen Dorfs als Plusenergie-Dorf.

Er stellte seinen Vortrag unter das Motto "Dämmen wir uns zu Tode". Ein Passivhaus bedeute teilweise relativ viel Aufwand, um genau den gewünschten Standard zu treffen. Dass das aus seiner Sicht teilweise absurde Auswirkungen hat, beschrieb Hausladen an einem Projekt in Frankfurt. Dort habe bei einem Mehrgeschosser aufgrund der innerstädtischen Bebauung die Besonnung im unteren Bereich gefehlt. Um den Passivhausstandard zu erreichen, hätte man die Dämmung erhöhen oder die Fenster kleiner machen können, so Hausladen. Beides sei jedoch in diesem speziellen Fall nicht wirklich sinnvoll: "Die Leute haben kein Licht, werden trübsinnig und stürzen sich aus dem Fenster, was ja im Erdgeschoss nich so schlimm ist", referierte er augenzwinkernd.

Er sprach sich jedoch dafür aus, vor allem bei der Dämmung ein Zuviel zu vermeiden. Alles über 25 Zentimeter werde kritisch. Auch bei der Lüftung warnte Hausladen vor Fehlentwicklungen, vor allem vor einem Überfluss an zu komplexer Technik. "Wenn man sich einmal angeschaut hat wie ein CO2-Sensor nach zwei Jahren ohne Wartung arbeitet, würde man keine CO2-Sensoren einbauen", sagte er. Lüftung sei eine Technik, die man betreuen müsse, und da habe er momentan Bedenken. "Wenn wir Lüftungstechnik einsetzen, müssen das einfachste Anlagen sein, die wir nicht auslegen auf den komplett notwendigen Volumenstrom", beschreibt Hausladen einen Ansatz, der aus seiner Sicht angemessener ist.

Auch müsse man über manche Normen nachdenken. "Wenn wir im Verkehr die gleichen Anforderungen  an den Brandschutz hätten, müssten wir alle Straßen dicht machen", spitzte er zu.

Ein Plädoyer gegen Einheitsarchitektur unter der Flagge der Energieeffizienz gab Professor Werner Lang vom Lehrstuhl für energieeffizientes und nachhaltiges Bauen der TU München ab. Er verwies auf Bauweisen in unterschiedlichen Ländern wie Lehm- oder Steinbauten, die auf die jeweiligen Klimate Rücksicht nähmen. Es dürften keine Energiesparmaschinen entstehen, es gehe vielmehr darum, gemeinsam mit Fachplanern Baukultur zu gestalten.

Thomas Lützkendorf, Leiter des Lehrstuhls für Ökonomie und Ökologie am Karlsruhe Institute of Technology beschrieb die Unterschiede im Herangehen bei Nachhaltigkeitskonzepten zwischen Projektentwicklern und der Wohnungswirtschaft. Projektentwicklern gehe es um einzelne Objekte, die Wohnungswirtschaft habe dagegen eher den Blick auf ihre kompletten Bestände.

Da es große Unterschiede gibt zwischen den Gebäuden, die als sofort verkaufte Renditeobjekte gebaut werden und Immobilien aus dem Bestand der Wohnungsunternehmen war die Debatte um die Definition von Kriterien der Nachhaltigkeit nicht einfach. Seit einiger Zeit ist der Kriterienkatalog fertig. Er wurde probeweise von externen Prüfern auf fünf Unternehmen angewendet um zu schauen, an welchen Stellschrauben noch gedreht werden muss. Alle fünf haben auf dem Kongress Auszeichnungen erhalten.

Ausgezeichnet wurden die Joseph-Stiftung Bamberg, die Vereinigte Wohnstätte Kassel, die Wohnanlage München-Harthof, eine Wohnanlage der Nuwog am Stadtpark in Neu-Ulm sowie die Anlage Wohnen am Schloß Horst in Gelsenkirchen.

Auch der übliche Schlagabtausch zwischen Politik und Wohnungswirtschaft durfte auf dem Kongress nicht fehlen. Noch GdW-Präsident Lutz Freitag mahnte, dass man mit den noch zur Verfügung stehenden Fördermitteln die bisherige Sanierungsquote von 3 Prozent nicht beibehalten könne. Da musste Rainer Bomba vom BMVBS widersprechen: Eine Milliarde Euro gebe es 2011. Ihm sei klar, dass man beim Bestand ansetzen müsse, um die Klimaziele zu erreichen. "Wir sind am Verhandeln, mehr kann ich aber für die Zeit nach 2011 nicht versprechen", erklärte der Staatssekretär in der Abschlussdebatte.

von unserer Redakteurin Pia Grund-Ludwig

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