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Softwarehersteller bieten gemeinsamen Workshop an

Energieberaterforum debattiert Sanierungskonzepte

31.01.2011, 07:29

Teilnehmer eines Workshop
Workshop zeigte Knackpunkte bei der Effizienzhausberechnung. Bild: Grund-Ludwig

Die Sanierung zum Effizienzhaus, Berechnungen dazu, Lüftungskonzepte, Thermographie sowie mögliche akustische Schwachstellen bei der Sanierung waren spannende Themen beim 8. Süddeutschen Energieberaterforum des GIH Baden-Württemberg und der Bayernenergie e. V. Unabhängige Energieberater.

Alles andere als einfach sind die Berechnungen zum Effizienzhaus, sie erfordern Übung und die permanente Auseinandersetzung mit der Veränderung der Förderrichtlinien. Das war beim Vortrag von Oliver Völksch zu Beginn des Workshops "Effizienzhausberechnungen" schnell klar. Er begann den Workshop deshalb auch mit einer Aufzählung der Punkte, an denen eine Berechnung zum Effizienzhaus bislang häufig fehlerhaft ist.

So gehe es bei der Berücksichtigung handbeschickter Holzöfen um die Frage, ob diese nur dann berücksichtigt werden können, wenn sie an ein zentrales Holzheizungssystem angeschlossen sind. Hier könne es durchaus auch unterschiedliche Meinungen zwischen dem DIBT, das Auslegungen zur EnEV 2009 veröffentlicht und der KfW bei der Vergabe von Förderkrediten geben.

Unsicherheiten gebe es häufig auch bei der Berechnung von Wärmebrücken, die entweder falsch ausgewiesen oder nicht erläutert würden, so die Erfahrung von Völksch. Eine Fehlerquelle bei den Berechnungen sind nach den Erfahrungen des Experten auch zu unrecht übermessene Kellerabgänge, überschätzte solare Deckungsanteile und nicht sachgerechte U-Wert-Berechnungen. Auch bei der Berechnung von Luft-Wärmepumpen komme es häufig zu Fehlern, wenn der elektrische Heizstab bei den Berechnungen nicht einbezogen werde.

Insgesamt sei es nach der Verschärfung der Vorgaben durch die EnEV 2009 in der Sanierung nicht mehr so einfach, mehr als das Effizienzhaus 100 zu erreichen. Dazu reiche die Sanierung der Gebäudehülle mit effizienter Heizung und der Integration von Solarthermie in der Regel gerade aus. "Die preisgünstigste Lösung, um einen besseren Standard zu erreichen, ist derzeit meist die Pellet-Heizung", berichtet Völksch.

Das könnte sich aber ändern. Stefan Schirmer berichtete als Referent der Deutschen Energie-Agentur von Bestrebungen, den Primärenergiefaktor von Biomasse nach oben zu korrigieren. Der Grund: Biomasse gebe zwar nur so viel CO2 ab, wie sie vorher gespeichert habe, aber genau diese Menge werde eben auch freigesetzt. Das wolle man stärker berücksichtigen, sagte Schirmer.

Kaum genutzt werde derzeit eine weitere Möglichkeit, die EnEV-Bilanz zu verbessern, nämlich die Einbeziehung selbst verbrauchten Solarstroms, sagte Völksch. Dazu ist es notwendig, dass der Strom aus Fotovoltaikanlagen vorrangig, aber nicht überwiegend im eigenen Gebäude genutzt wird. Bilanziert wird dabei monatsweise.

Umgesetzt wurde das Wissen um die Effizienzhauskriterien und die Berechnung direkt vor Ort im Workshop, mit Hilfestellung durch Experten der wichtigsten Softwarehersteller. Bei den Teilnehmern kam das Veranstaltungsformat gut an, "bei sehr detaillierten Fragen ist es gut, wenn es Hinweise gibt", meinte etwa der Heuchlinger Ingenieur Josef Rupp, der selbst schon mehr als 400 Berechnungen durchgeführt hat. Aus Sicht der beteiligten Softwarehersteller war das Experiment einer gemeinsamen Schulung durchaus gelungen. Er könne sich durchaus vorstellen, das häufiger zu machen, sagte Andreas Raack von Envisys. "Die Eingabe muss bei einem solchen Projekt kanalisiert werden" war die Lehre, die Oliver Völksch aus dem ersten Projekt gezogen hat. Das sieht auch Michael Penning, Schulungsleiter bei Hottgenroth Software so: "Durch die gemeinsame Eingabe lassen sich für die Teilnehmer wichtige Erkenntnisse gewinnen und Fehlerquellen reduzieren."

Während die Teilnehmer des Workshops darüber sinnierten, mit welchen Maßnahmen sie in der Sanierung mehr als Effizienzhaus 100 erreichen können, kündigte Dena-Experte Stefan Schirmer in seinem Vortrag bereits die nächsten Schritte an. So sollen Dena-Modellvorhaben künftig zeigen, wie sich ein Effizienzhaus 35 erreichen lässt. Außerdem legte er Berechnungen aus den bisherigen Modellvorhaben zur Sanierung vor. Danach betragen die Mehrkosten für die Energieeffizienz bei einer Sanierung auf den Standard Effizienzhaus 100 zirka 80 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche.

Eine spannende Untersuchung zu den akustischen Schwachstellen bei einer Sanierung stellte Andreas Drechsler vom Zentrum für thermische und akustische Bauphysik der Universität Stuttgart vor. Sein Institut hat für unterschiedliche Materialien von Polystyrol und Holz über Vakuumdämmung bis zu Mineralfasern untersucht, wie sich diese auf die Schalldämmung auswirken. Entscheidend für die Bewertung sei die Frequenz der Schallquelle. Wenn man tiefe Frequenzen, wie sie etwa von LKW verursacht werden berücksichtigt, geht die Zahl der Konstruktionen, die empfehlenswert sind, stark zurück. "Bei allen Wärmedämmverbundsystemen war die Schalldämmung bei den tiefen Frequenzen schlecht", erläuterte Wagner die Ergebnisse.

Bei den Fenstern hat er Zweifachverglasung mit Folie und einem U-Wert von 0,6 und Dreifachverglasung auf den Prüfstand genommen. Die Unterschiede waren aus schalltechnischer Sicht unwesentlich: "Dreifachglas war um ein bis zwei Dezibel besser", erklärt Wagner. Schwachpunkt einer Scheibe sei hierbei die Verglasung, die entscheide über den Schallschutz, der Rahmen habe kaum Einfluss.

Angeschaut hat sich Wagner auch Lüftung und Verschattung. Rollladen-Kästen seien in Bezug auf Schall besser als ihr Ruf, so das Ergebnis. Wichtiger sei beim Schallschutz die Wahl der Lüftung: "Bei hohem Außenlärmpegel sind Einrohr-Lüfter nicht ratsam", so das Fazit seiner Untersuchung.

von unserer Redakteurin Pia Grund-Ludwig

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