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Debatte auf der Deubau um den Umbau in Städten

Energetische Sanierung muss Quartiere einbeziehen

14.01.2010, 08:20

Deubau Startschuss
Bundesbauminister Peter Ramsauer eröffnet die Deubau. Bild: Messe Essen

Die energetische Sanierung von Stadtquartieren stand im Mittelpunkt eines Expertenforums auf der Deubau. Dabei gehe es nicht alleine um das Einsparen von CO2, meinte Ulrich Hatzfeld, zuständig für Stadtentwicklung beim Bundesbauministerium. Das sei wichtig, noch wichtiger aber sei die Frage, wie Menschen in Zukunft wohnen wollen. So seien im Osten in den 1990er Jahren manche Gebäude energieeffizient saniert worden, die man jetzt abreiße, da die Menschen dort nicht mehr wohnen wollten.

Auch bei der Sanierung in Richtung Energieeffizienz werde es angesichts knapper werdender Finanzmittel in den nächsten Jahren darum gehen, mit "weniger Geld mehr zu erreichen", sagte Hatzfeld. Ein Schwerpunkt, den er nannte sind Großwohnsiedlungen. Ein erster Wettbewerb zur Sanierung von Großwohnsiedlungen wurde 2009 durchgeführt. An einzelnen Objekten aus diesem Wettbewerb werden nun Einzelfragen weiter bearbeitet, "für einzelne Projekte wird es auch weitergehende finanzielle Unterstützung bei Klimaschutzmaßnahmen geben", versprach Hatzfeld.

Insgesamt gehe es darum, nicht mehr nur einzelne Objekte, sondern komplette Quartiere und deren Energiebilanzen zu betrachten, ergänzte Elke Pahl-Weber, die neue Leiterin des Instituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung. In Modellprojekten in Brandenburg und Sachsen wird das derzeit versucht. Eine der Kommunen, die involviert sind, ist Weißenfels. Dort ist eine Passivhaussiedlung in der Innenstadt entstanden, die Sanierung der Altstadt wird als komplette Quartierssanierung angepackt, ein Schwerpunkt liegt auf regenerativen Energien. Vielleicht könne der Weg über regenerative Energien auch die Chance sein, sich nicht mehr allein auf die Einsparung von Energie durch Dämmung zu konzentrieren, meinte Pahl-Weber.

Stärker in die Diskussion um energieeffiziente Sanierung einbezogen werden mittlerweile Experten, die sich mit Denkmalschutz befassen. So war bei der Verleihung des Bauherrenpreises, der auf der Deubau stattfindet, erstmals die Deutsche Stiftung Denkmalschutz einbezogen. Holger Rescher, Mitglied der Geschäftsführung der Stiftung, mahnte insbesondere einen wachen Umgang bei der Sanierung von Quartieren an, die nicht unter Denkmalschutz stehen, aber stadtbildprägend seien und stellvertretend für Baustile kompletter Epochen stünden. Dies gelte insbesondere für Backsteinsiedlungen in Norddeutschland und dem Ruhrgebiet aus den 1920er und 1930er Jahren.

Immer wieder spielte in den Vorträgen auch die Frage eine Rolle, wie viel Aufwand bei der Sanierung vertretbar sei. So meinte Elke Pahl-Weber, dass es vielleicht sogar sinnvoll sein könnte, sich hierzulande mit 70 Prozent Sanierung zufriedenzugeben und die dadurch eingesparten Mittel in Projekten zur Energieeffizienz auf der südlichen Halbkugel zu investieren.

Konkrete Zahlen zu den Kosten für die Realisierung unterschiedlicher Sanierungsstandards stellte Hans-Otto Kraus von der GWG München vor. In einem gemeinsamen Forschungsprojekt haben die GWG München, die Heimag und die Gewofag diese Daten von Georg Hausladen von der TU München ermitteln lassen. Untersucht wurden drei typische Gebäude aus den 1930er, den 1960er und den 1970er Jahren. Gerechnet wurde, was eine Sanierung nach der EnEV 2007, nach der EnEV 2009 und nach Passivhausstandard kosten würde.

Spannend war die Erkenntnis, dass eine Sanierung nach EnEV 2007 bei neueren Beständen deutlich billiger ist als eine Sanierung nach Passivhausstandard, bei älteren Beständen der Unterschied aber nicht mehr so dramatisch ausfällt. So gingen die Forscher bei den Beständen aus den 1970ern von Sanierungskosten pro Quadratmeter nach EnEV 2007 von 150 Euro aus, bei der EnEV 2009 von knapp 200 Euro. Eine Sanierung nach Passivhausstandard würde dort zirka 500 Euro kosten. Bei den 1930er-Jahre-Gebäuden fallen für eine Sanierung nach EnEV 2007 380 Euro an, Passivhausstandard kostet 520 Euro pro Quadratmeter.

Für Kraus ist aber klar, dass die Sanierung auf Passivhausstandard nicht über Mietmehreinnahmen zu finanzieren ist. Dies sei insgesamt bei der Energieeffizienzsanierung schwierig, so Kraus. In seiner Stadt gibt es deshalb von der Kommune einen Extrazuschuss von 100 Euro pro Quadratmeter, wenn bestimmte Kriterien eingehalten werden. Wird auf Passivhausniveau saniert, zahlt die Stadt sogar 130 Euro pro Quadratmeter. Insgesamt, so Kraus, gebe es immer noch enormen Forschungsbedarf bei der energieeffizienten Sanierung im Mietwohnungsbereich. pgl

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