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Raumkonzepte, Energiemanagement, Materialien auf dem Prüfstand

Empa sucht Partner für modularen Forschungsbau

24.04.2012, 00:00

Gebäude stehen für lange Zeit. Doch genau das behindert die Experimentierfreude am Bau. Das Schweizer Forschungsinstitut Empa will deshalb im Forschungsprojekt NEST die Möglichkeit bieten, in einzelnen Forschungsmodulen Raumkonzepte, Energiemanagement und Materialien der Zukunft auszuprobieren. Ende des Jahres könnte NEST reif für die Baueingabe sein.

Wenn sich Architekten oder Bauunternehmen Experimente erlauben, drohen schnell Schadensersatzklagen. Doch dieses Problem ist lösbar, glaubt Peter Richner, Direktionsmitglied der Empa und Leiter des Departements "Bau- und Maschineningenieurwesen". Mit seinen Kollegen hat er ein Gebäudelabor erdacht: In ein Stahlbetonskelett mit fünf offenen Stockwerken lassen sich Forschungsmodule einschieben, die sich dann im Alltagseinsatz bewähren müssen. Möglich sind sowohl Wohn- als auch Büroräume - einstöckige Konstruktionen ebenso wie zweistöckige Bauten oder ganze Stockwerke in Leichtbauweise.

Das Stahlbetonskelett stellt dabei die Versorgung der Raummodule sicher: Treppenhäuser und Versorgungslifte, Wasser, Heizung, Strom und Internetanschlüsse sind dort installiert; spezielle, normierte Anschlüsse verbinden die Module mit der Infrastruktur. Auf mehr als 600 Quadratmeter Nutzfläche pro Stockwerk werden die Forschungsmodule installiert. Sie sind in ihrer Ausgestaltung völlig unabhängig: Hier können visionäre und pragmatische Ideen, modernistische und traditionelle Wohnkonzepte gegeneinander antreten.

Auch ungewöhnliche Ideen wären machbar, etwa ein "Flatscreen-Loft", in dem die Fenster radikal weggelassen und durch Webcams außen und Flachbildschirme innen ersetzt worden sind. Direkt daneben ließe sich ein Passiv-Wohnmodul für wissenschaftliche Gäste verankern, das auf modernen Naturwerkstoffen basiert und natürlichen Komfort mit minimaler Technik zu erzeugen vermag. Das Nachbarmodul wiederum verfolgt den gegenteiligen Ansatz: Neueste Heizungs- und Lüftungselektronik sorgt fürs Wohlbefinden - alles wird gesteuert via Smartphone. Das experimentelle Gebäude soll jedoch nicht nur schrille Ideen generieren, sondern schneller als anderswo möglich zu brauchbaren Zukunftskonzepten führen. Was gut ist, setzt sich durch - was weniger gut funktioniert, wird nach zwei Jahren durch ein anderes Modul ersetzt.

Freilich hätte eine Kombination reiner Schaustück-Module noch wenig wissenschaftliche Aussagekraft. Darum sollen ins NEST Menschen einziehen und ihre Erfahrungen dokumentieren. Geplant ist eine gemischte Nutzung aus Großraumbüros, Konferenzsälen und Wohnungen: So haben die Bewohner die Chance zu erfahren, wie Häuser der Zukunft auf die Menschen wirken. Für die verschiedenen Projektphasen möchte Departementsleiter Richner Wettbewerbe ausschreiben. Themen wie "Gebäudeautomation vs. passive Klimatisierung" wären möglich; verschiedene Varianten einer Altbausanierung könnten untersucht werden. Und da jedes Modul an einem eigenen Versorgungsstrang hängt, lassen sich Wärmeflüsse, Kältebedarf im Sommer, Strom- und Wasserverbrauch aufzeichnen und exakt vergleichen.

Noch existiert das wohl ehrgeizigste Bauforschungsprojekt der Schweiz nur auf dem Papier. Zurzeit laufen die Detailplanungen, um die Baueingabe vorzubereiten, die Ende 2012 erfolgen soll. Nun läuft die Suche nach der Finanzierung und nach Industriepartnern im In- und Ausland, die bei der ersten Versuchsbelegung mit an Bord sein wollen. Quelle: Empa / pgl

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