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"Holz besser verbauen als verbrennen"

DUH will Dämmung aus Naturstoffen stärken

10.12.2015, 08:30

mehrgeschossiges Bürohaus aus Stroh
Premiere für mehrgeschossiges Bürohaus aus Stroh. © NZNB/gs

Ein Thema, das in der Debatte um das energieeffiziente Bauen und die energetische Sanierung von Gebäuden bisher kaum Beachtung findet, ist die Verwendung von Dämmstoffen aus nachwachsenden Rohstoffen sowie der damit verbundene Aspekt der Nachhaltigkeit beim Bauen und Sanieren.

Dabei wären Naturdämmstoffe im Vergleich zu herkömmlichen Dämmmaterialien - am häufigsten wird Polystyrol oder Mineralwolle verbaut - auf dem Markt ökonomisch als auch baukonstruktiv und bauphysikalisch konkurrenzfähig. Doch bislang haben Naturdämmstoffe erst einen Anteil von zehn bis elf Prozent auf dem Markt, so Peter Ahmels, Leiter Energie und Klimaschutz bei der Deutschen Umwelthilfe (DUH). Es fehlen häufig die Fachinformationen zu den Dämmstoffen und deren Verarbeitung, daher herrscht bei Bauherren, aber auch bei Planern und Handwerkern häufig eine relativ große Unsicherheit.

Die Deutsche Umwelthilfe DUH will mit ihrer Kampagne Abhilfe schaffen, Informationslücken stopfen, Mythen aus dem Weg räumen und vor allem der Politik Vorschläge für Fördermaßnahmen unterbreiten. Denn Naturdämmstoffe könnten die Klimabilanz erheblich verbessern. So werden etwa 20 Prozent des in der deutschen Landwirtschaft anfallenden Strohs keiner Nutzung zugeführt und könnten hervorragend als Dämmmaterial verwendet werden.

Wisen um Naturdämmstoffe ist bei vielen Planern dünn

Bislang ist das Wissen um die einzelnen Naturdämmstoffe eher dünn. Wichtige bautechnische und bauphysikalische Eigenschaften, wie Wärmespeicherkapazität, die feuchtigkeitsregulierende Wirkung oder Schallschutz werden bei der Entscheidung für ein bestimmtes Material kaum berücksichtigt. Auch Kriterien der Nachhaltigkeit und der Klimabilanz spielen bisher kaum eine Rolle.

Doch warum ist über die Wirkung von Naturdämmstoffen so wenig bekannt? Ein Grund, so Ulrich Steinmeyer, Vorstand der Ökoplus AG und Aufsichtsratsmitglied der Aller Wohnen eG, sei die mächtige Dämmindustrie mit Polystyrol und Mineralwolle. Dass beispielsweise eine Zellulose-Dämmung im Dach einen besseren sommerlichen Wärmeschutz als etwa Mineralwolle bietet, sei kaum bekannt.

Eine Vielzahl von Naturdämmstoffen besitzen hohe Wärmedämmeigenschaften, beim sommerlichen Wärmeschutz schneiden sie sogar besser ab als herkömmliche Dämmstoffe wie Polystyrol oder Mineralwolle. Auch beim Brandschutz erfüllen die Naturbaustoffe die Kriterien als "normal entflammbare" Materialien und sind für viele Anwendungen m Bau zugelassen. Für die oft beschworene Schimmelbildung sind sie nicht empfindlicher als konventionelle Dämmstoffe. Die Schallschutzeigenschaften sind bei vielen Naturdämmstoffen aufgrund ihres hohen Flächengewichts sogar günstiger. Aus ökologischer Sicht schneiden die Naturdämmstoffe gut ab, die Rohstoffe stammen meist aus heimischer Land- und Forstwirtschaft, sind wiederverwertbar und in der Regel leicht zu entsorgen. Einfache Produktionsprozesse und ein damit geringer Energiewand kommen hinzu.

Naturdämmstoffe sind genauso beständig wie andere Materialien

Zweifel gibt es von Seiten der Bauherren, Planer und Handwerke häufig noch an der Haltbarkeit - dabei sind sie bei fachgerechtem Einbau genauso lange beständig wie konventionelle Dämmstoffe. Und auch ökonomisch gesehen seien sie konkurrenzfähig, so die DUH. Zwar sind sie im Materialpreis zunächst teurer, vermeiden aber die Folgekosten bei der Entsorgung. Die geringeren Treibhausgasemissionen tragen entscheidend zum Klimaschutz bei. Zum Vergleich werde bei der Herstellung von Polystyrol 9-29 kg CO2-Äqv/m2 emittiert, bei Holzfasern liegt diese Zahl zwischen -4 und -63 kgCO2-Äqv/m2 - diese Aspekte sollten in der Bewertung eines Dämmstoffes eine größere Rolle spielen, fordert die DUH. Um eine qualifizierte Aussage zu den Lebenszykluskosten der verschiedenen Dämmstoffe treffen zu können, bestehe allerdings noch Forschungsbedarf. Projektbeispiele sind vorhanden, aber noch zu wenig bekannt.

Dorothee Mix, Geschäftsführerin des norddeutschen Zentrums für Nachhaltiges Bauen (NZNB GmbH) in Verden, erörtert die Möglichkeiten und Hürden des Bauens mit Naturmaterialien anhand des in diesem Jahr eröffneten Kompetenzzentrums für Nachhaltiges Bauen in Holz-Strohbauweise in Verden. Die Strohbauweise für ein mehrgeschossiges Bürogebäude hatte hier Premiere. Der Holzrahmenbau wird mit 48 Zentimeter dicken Strohballen ausgefacht und außen direkt mit Kalkdämmputz verputzt. Die Aussteifung übernimmt ein Plattenwerkstoff. Die Dächer sind mit Baustroh oder Zellulose gedämmt.

Nach wie vor dürfen die Ballen nur in nicht-lasttragender Bauweise verbaut werden. Anders ist es in Großbritannien, wo Strohballen nach dem Legosteinprinzip aufeinandergestapelt werden können, ohne zusätzliche Tragkonstruktion.

Plusenergiehaus ist in Holz-Strohbauweise möglich

Beim Bürohaus in Verden war der Aufwand höher als bei einem konventionellen Bau, Brandschutz und statische Berechnungen aufwändiger und die Herstellungskosten belaufen sich auf 2.270 Euro pro Quadratmeter. Dafür wurde ein sehr guter Passivhausstandard erreicht. Die Herstellungsenergie sei gering und es werde gezeigt, dass ein Plus-Energiehaus in Holz-Strohbauweise möglich wäre, so Mix. Die CO2-Einspeicherung durch den hohen Einsatz nachwachsender Rohstoffe ist hoch, das Baustroh dient gleichzeitig als Dämmstoff und Putzträger und kann mit einem geringen Anteil an Sondermüll entsorgt werden.

Es handelt sich hier um einen Prototypen mit dem Nachweis, dass diese Bauweise auch für Gebäudeklasse 4 funktionieren kann. Städtisches Bauen mit Stroh werde damit möglich, so Mix, wäre technisch sicher und wirtschaftlich machbar.

Für die energetische Sanierung stehen etliche Naturdämmstoffe bereit, etwa Holzfaser, Hanf, Flachs oder Zellulose, die bereits erprobt sind. Ein guter Dämmstandard lässt sich zu bezahlbaren Preisen und bezahlbaren Mieten mit Naturbaustoffen realisieren, sagt Steinmeyer.

Nur bei guter Dämmung reichen Erneuerbare zum Heizen

Um den Wärmeenergiebedarf aller Gebäude mit regenerativer Energie decken zu können, sei ein sehr guter Dämmstandard erforderlich, sonst reiche die erneuerbare Energie nicht zum Heizen für alle - derzeit sei das vor allem Holz, das zum Heizen verwendet werde. Holz sollte aber zum Bauen und nicht zum Heizen verwendet werden für eine gute Klimabilanz, ganz abgesehen von der Feinstaubbelastung durch das Heizen mit Holz. Die Nutzung von Naturdämmstoffen aus Biomasse biete beim Einsatz im Bau den Vorteil, mindestens 100-300 Jahre als CO2-Speicher zu dienen: Daher besser verbauen als verbrennen, so Steinmeyer weiter.

Lebenszyklusanalysen beim Bau tragen dem Problem nicht ausreichend Rechnung, da sie die Freisetzung von CO2 einrechnen, die erst in 100-300 Jahren stattfinde. "Bisher gibt es für diese Vorteile in Deutschland keinerlei Steuerung durch entsprechende Vorgaben im Baurecht, etwa in der EnEV oder beispielsweise bei KfW-Förderungen", kritisiert Steinmeyer. Da der Effekt der Einlagerung aber erheblich wäre, sei eine solche Förderung im Sinne einer effektiven Klimapolitik angebracht. von Nicole Allé

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