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EBZ Stuttgart plant bundesweite Vermarktung

Der Stuttgarter Sanierungsstandard wird zur Marke

22.12.2009, 09:34

Handwerker montiert Wärmedämmverbundsystem von Gutex
Sanierungsqualität zeigt sich an der Ausführung der Schnittstellen. Bild: Gutex

Bereits im Jahr 2000 hat das Energie-Beratungs-Zentrum (EBZ) Stuttgart mit der Entwicklung von Standards für die energetische Gebäudesanierung begonnen. Seit etwa drei Jahren läuft das Programm rund. Nun soll der Stuttgarter Sanierungsstandard zur Marke werden. "Ziel ist es, den Standard soweit zu entwickeln, dass andere Kommunen ihn ohne Probleme übernehmen können", berichtet EBZ-Geschäftsführer Ulrich König.

Die dürften durchaus Interesse haben. Schließlich ist das Problem längst erkannt, dass der Energieeinsparerfolg von Sanierungsmaßnahmen erheblich von der Qualität der Sanierungsarbeiten abhängt. Diese wiederum manifestiert sich vor allem in der Ausführung der Schnittstellen zwischen den Gewerken. Hier setzt der Stuttgarter Sanierungsstandard an: Er definiert technische Vorgaben, wie die Detailausbildung beispielsweise der Dämmung im Fensterbereich. Und damit diese Standards nicht an jeder Baustelle aufs Neue diskutiert werden, werden die am Programm teilnehmenden Handwerker verschiedener Gewerke gemeinsam geschult. So erfahren sie den Hintergrund bestimmter Details und Vorschriften und lernen, auch auf die Belange des jeweils anderen Gewerks zu achten. Jeder Handwerker verpflichtet sich, an zwei Schulungen im Jahr teilzunehmen. Insgesamt sind es vier, zwei für die Inhaber der Handwerksbetriebe und zwei für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. So wird sichergestellt, dass alle Beteiligten stets auf dem aktuellen technischen Stand sind.

Der Stuttgarter Sanierungsstandard geht jedoch über die Schnittstellendefinition und entsprechende Schulungen hinaus. Verlangt der Kunde eine Ausführung nach Stuttgarter Sanierungsstandard, wird zunächst eine Energiediagnose vom Fachingenieur des EBZ erstellt. Die Ausführung, die vom EBZ während der Sanierungsphase mehrfach kontrolliert wird, erfolgt durch die geschulten Handwerker. Der Bauherr erhält dann im Normalfall eine Bescheinigung über eine mangelfreie Ausführung nach Stuttgarter Standard, die entsprechenden Bauteile betreffend.

Eben mit diesem Slogan "Ausführung nach Stuttgarter Standard" werde in jüngster Zeit zunehmend Schindluder getrieben, berichtet König. Dem will das EBZ nun einen Riegel vorschieben. Voraussichtlich im Frühjahr 2010 wird der Stuttgarter Sanierungsstandard zur Marke. Bis dahin werde das Regelwerk noch einmal überarbeitet. "Wenn wir den Markenschutz haben, können wir durchsetzen, dass Betriebe, die mit dem Stuttgarter Standard werben, sich auch an das Procedere des Standards halten", so der EBZ-Geschäftsführer.

Ebenfalls bis zum Frühjahr 2010 sollen auch Heizungsbauer und Elektroinstallateure zum Programm hinzu stoßen, an dem sich derzeit im Stadtgebiet Stuttgart etwa 100 Maler, Stuckateure, Zimmerer, Dachdecker und Glaser beteiligen. "Die Gebäudehülle haben wir gut im Griff, bei der technischen Gebäudeausrüstung hapert es aber noch", begründet König die Erweiterung.

Sein Ziel ist es, das Stuttgarter Sanierungsmodell so weit zu entwickeln, dass andere Kommunen es übernehmen können. Das ist aus Sicht von Veit Bürger vom Freiburger Öko-Institut durchaus wünschenswert. "Ein solcher Sanierungsstandard oder ein Qualitätslabel, bei dem Betriebe geschult und dann akkreditiert werden, ist ein gutes Instrument, um bei Sanierungsmaßnahmen die gewünschte Qualität zu erzielen. Noch besser wäre es, wenn ein solcher Standard durch die Landesregierung landesweit eingeführt würde."

Erste Exporterfolge des Stuttgarter Modells gibt es bereits. So war es Vorbild für den Münchner Qualitätsstandard, der im Frühjahr 2009 vorgestellt wurde. Auch der Münchner Standard sieht eine umfassende Beratung und Bauüberwachung vor, geht aber noch einen Schritt weiter: die Finanzierung wird einbezogen. Hier hakt die Stadt München mit ihren Förderrichtlinien für das Förderprogramm Energieeinsparung ein: Zusätzliche Fördergelder der Stadt können nur noch beantragt werden, wenn der Münchner Qualitätsstandard eingehalten wird.

"Wir wollen mit diesem Siegel einen Gegenpol zur vermeintlichen Billig-Mentalität schaffen, die sich in dieser Branche in den vergangenen Jahren durchgesetzt hat", erklärte Roland Gräbel, Leiter des Bauzentrums München, im Frühjahr 2009 anlässlich der Vorstellung des Programms auf der Handwerksmesse IHM Profi. In dieser Billig-Mentalität sieht auch der Stuttgarter König ein entscheidendes Problem. "Wir haben eine super Energieeinsparverordnung, aber die Praxis sieht oft ganz anders aus, weil die Hausbesitzer nicht bereit sind, für gute Qualität zu bezahlen", sagt er. Für den Erfolg des Stuttgarter Sanierungsstandards sei daher in erster Linie die Sensibilisierung der Hausbesitzer maßgeblich, denn eines sei klar: "Eine billige Lösung ist das Stuttgarter Sanierungsmodell nicht." sth

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