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Auswaschung beim Holzschutz wird bislang zu wenig beachtet

Biozid-Einsatz an Putzfassaden geringer als gedacht

06.08.2013, 06:00

Hausfassade
Putzfassaden enthalten weniger Biozide als bislang angenommen. © C. Hoffmann / EnBauSa.de

Vor knapp zehn Jahren hat die Schweizer BIOMIK-Studie großes Aufsehen erregt. Sie hat geschätzt, wie viele Biozide in Bauprodukten verarbeitet werden. Eine Nachfolgeuntersuchung hat jetzt die damals veröffentlichten Zahlen zum Biozidverbrauch für Putze und Farben an Außenwänden deutlich nach unten korrigiert.

Die Verkapselung der Wirkstoffe hat sich in diesem Segment breit durchgesetzt. Auch gibt es mittlerweile genauere Angaben der Hersteller zu den Wirkstoffen. Eine weitere, fast noch überraschendere Erkenntnis der neuen Erhebung: Beim Holzschutz werde eine fast gleich große Wirkstoffmenge eingesetzt und die Auswaschung wenig beachtet, meint Michael Burkhardt vom Institut für Umwelt- und Verfahrenstechnik der HSR Hochschule für Technik Rapperswil. Er war auch an der BIOMIK-Studie beteiligt. "Es wäre gut, wenn man diesen Bereich ebenso wie Fassadenbeschichtungen beachten würde", rät er im Gespräch mit EnBauSa.de. Er warnt jedoch auch vor Panikmache: "Man muss sich des Problems mit Augenmaß annehmen".

Im Auftrag des Schweizer Bundesamts für Umwelt (BAFU) wurden in der Schweiz die Relevanz von Bioziden und deren Verbrauchsmengen in verschiedenen Produktarten erhoben. Dazu zählen Filmschutzmittel für Bautenfarben und -putze, Holzschutzmittel, Schutzmittel für Mauerwerk und Antifouling-Produkte. Biozid-Hersteller, Formulierer, Verbände und Anwender haben Fragen beantwortet, außerdem gab es Experteninterviews. Alle Fragen bezogen sich auf die Marktsituation im Jahr 2011.

Dabei haben die Experten dazugelernt. Einige Ergebnisse beruhten bislang auf Schätzungen, nun konnten sie Angaben zahlreicher Hersteller verwenden: "Insgesamt führten exaktere Angaben zu den eingesetzten Wirkstoffen und verbrauchten Endprodukten zur gegenüber BIOMIK realistischeren Mengenabschätzung", so die Experten. Die Mengen liegen bei Bautenfarben und -putzen um fast 60 Prozent und beim Biozidverbrauch sogar um 90 Prozent tiefer. Aufgrund der neuen Mengenabschätzung lassen sich nun umweltrelevante Wirkstoffe und Anwendungen auch mit Blick auf erwartete Entwicklungen noch besser priorisieren.

Zunächst zur guten Nachricht: Bei Farben und Putzen haben die Unternehmen offensichtlich rasch dazu gelernt. "Die Industrie hat hier schneller gehandelt als die öffentliche Wahrnehmung", beobachtet Burkhardt. Außerdem geben die Unternehmen mittlerweile die Daten bereitwilliger heraus, so dass präzisere Schätzungen möglich sind. Und Hersteller und Verarbeiter wissen genauer, welche Mindestmengen notwendig sind, um noch einen Schutz zu gewährleisten.

Auswaschverluste zu reduzieren ist auch eine Kostenfrage, da die Wirkstoffe teuer sind und nur in der Fassade nützen. Je weniger die Hersteller zusetzen müssen, um so günstiger. Die Technologie der Wahl ist dabei die Verkapselung, mittlerweile ist sie Standard. Dazu kommt die gezielte Optimierung der Produkte. Die Biozid-Richtlinie der EU hat ein übriges getan. Seit sie verabschiedet wurde, ist jeder zweite Wirkstoff vom Markt verschwunden. Ab 1. September 2013 gilt zudem in Deutschland die noch strengere EU-Verordnung zum Thema Biozide. Sie schließt unter anderem auch Nanomaterialien mit ein. Enthält ein Produkt Nanomaterialien, müssen die Risiken für die Umwelt gesondert betrachtet und die Produkte gekennzeichnet werden.

Aber, so der Schweizer Forscher, man dürfe bei den Mengen auch nicht alle Wirkstoffe über einen Kamm scheren. Es gebe einige wenige wie Diuron und Terbutryn, die in der Umwelt eher Probleme bereiten, andere wie Irgarol würden bereits gar nicht mehr verwendet oder in der Umwelt rasch abgebaut.

Kritisch sieht Burkhardt die Situation beim Holzschutz. Da kommen Biozide nicht nur beim Endprodukt, sondern auch in den Sägewerken und bei der Lagerung zum Einsatz. Wo wieviel verwendet und ausgewaschen wird ist aber wenig bekannt. Und außerdem würden von den Endprodukten noch mehr als bei Putzen und Farben von privaten Anwendern aufgebracht, "das müsste man mehr beachten".

Feldtests zur Auswaschung von Wirkstoffen aus Holz bei der Lagerung und von Fassaden, und deren Verteilung in Wasser und Boden, könnten ein erster Schritt sein, um hier mehr Klarheit zu bekommen. Noch in einem weiteren Bereich sieht Burkhardt Forschungsbedarf. Es gebe ja schließlich nicht nur ausgewaschene Biozide, die Auswirkungen auf die Umwelt haben. Das sei auch bei anderen Stoffen möglich. Die Effekte unterschiedlicher Stoffe und Stoffkombinationen ist derzeit Gegenstand eines weiteren Forschungsprojekts in der Schweiz. Ein Ziel: Die Reduktion der Algizide durch eine optimale Stoffkombination.

Insgesamt warnt Burkhardt, das Problem skandalisierend in den Fokus zu nehmen: Es seien lokale Anwendungen, die zu lokalen Belastungen führten. Es gehe vor allem um den vorbeugenden Schutz von Wasser und Boden. "Nicht Biozide aus Fassaden machen derzeit die größten Probleme. Wir haben in den Gewässern Stoffe von zahllosen Anwendungsbereichen wie Pharmazeutika, die sehr viel verbreiteter vorkommen." von Pia Grund-Ludwig

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