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Mehrkosten lassen sich auf zirka 15 Prozent begrenzen

Bei der Sanierung kann sich Passivhaus-Denke lohnen

12.04.2010, 07:00

Geschosswohnungsbau in Passivhausbauweise in Berlin
Passivhaussiedlung in Münster realisiert Mehrfamilienhäuser. Bild: AJP

Die Bezeichnung Passivhaus verbinden viele immer noch ausschließlich mit Neubauten. Doch die Verfahren, die rund um dieses Bauprinzip entwickelt worden sind, halten teilweise auch Einzug in Sanierungsprojekten. Zukunftsbewusste Hausbesitzer sollten deshalb die Verwendung von Passivhaus-Komponenten bei Sanierungen prüfen lassen, rät Claudia Rist vom Landesprogramm Zukunft Altbau des Ministeriums für Umwelt, Naturschutz und Verkehr Baden-Württemberg.

Bei einer Komplettsanierung könne dies eine Reduzierung des Primärenergiebedarfs um den Faktor zehn bedeuten. Der Heizbedarf sinke dann in die Nähe von Passivhäusern. Jetzt noch Sanierungsmaßnahmen nur entsprechend der gesetzlichen Minimalforderungen durchzuführen, sei in wenigen Jahren nicht mehr wirtschaftlich, warnt Rist. "Was in neuen Häusern richtig ist, kann im Altbau nicht falsch sein", ergänzt Meinhard Hansen, Passivhausarchitekt und Vorsitzender der Architektenkammer Freiburg. "Grundlage für den erfolgreichen Einsatz von Passivhaus-Komponenten ist aber eine gute Planung. Sind alle Details im Vorfeld geplant, können Passivhaus-Komponenten bedenkenlos eingesetzt werden."

Die Stadt Freiburg empfiehlt deshalb generell, Sanierungen im Passivhaus-Standard zu realisieren. Zahlreiche Städte haben dazu mittlerweile spezielle Förderprogramme aufgelegt. Einige Kommunen gehen mit gutem Beispiel voran und schreiben auch für die eigenen Liegenschaften vor, dass bei einer Sanierung die Verwendung von Passivhaus-Bauteilen zu prüfen ist. Bei Neubauten kommunaler Gebäude schreiben Städte wie Freiburg, Frankfurt, Hannover, Heidelberg, Nürnberg, Wiesbaden, Leipzig, Aschaffenburg oder Kreis Steinfurt Bau nach Passivhausstandard vor.

Kennzeichnend für Passivhausverfahren in der Sanierung sind extrem strenge U-Werte für Außenwände, Dach, Fenster und Türen, Konstruktionen, die Wärmebrücken vermeiden, eine weitestgehende Luftdichtheit der Gebäudehülle sowie Lüftung mit Wärmerückgewinnung. Bei den Außenwänden strebt die Passivhausbauweise U-Werte von mindestens 0,15 W/m2K an, ebenso für Dächer. Bei der Dämmung der Außenwand bedeutet dies, dass entweder dämmstärkere und meist etwas teurere Materialien verbaut werden oder die Dämmstärke bei gleichem Material um zirka 10 Zentimeter erhöht wird. Bei Fenstern sind Gesamt-U-Werte von 0,8 W/m2K gefordert.

Sowohl bei Fenstern als auch bei passivhaustauglichen Türen hat sich in den vergangenen Jahren sehr viel getan. Fenster gibt es in passivhaustauglicher Qualität in zahlreichen Materialkombinationen. Bei den Glastüren oder Fenstern ist Dreifach-Isolierglas notwendig. Das macht vor allem große Bauteile wie Fenstertüren schwer. In den Passivhäusern der ersten Stunde waren die Beschläge dieser Elemente Schwachstellen, mittlerweile gibt es jedoch Lösungen, die für langfristige Stabilität sorgen. Ein Verzeichnis mit Komponenten gibt es beim Passivhaus-Institut. Seit Kurzem zertifiziert auch das IFT Rosenheim Bauteile nach Passivhaus-Kriterien.

Der Heizbedarf in Passivhäusern darf 15 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr nicht übersteigen. Diskussionen gibt es unter Experten, wie dieser Restwärmebedarf ökologisch, ökonomisch und zuverlässig zu decken ist. EnBauSa.de-Blog-Autor Arno Kuschow plädiert dafür, die Heizung nicht dogmatisch allein über luftgeführte Systeme zu realisieren. Da man nicht immer von einem idealen Benutzer oder idealem Wetter ausgehen könne, sondern das Haus alltagstauglich sein sollte, falle dieser Bedarf in der Realität auch schon mal etwas größer aus, "so dass das Nachheizen mit kleinen Elektro-Heizeinsätzen in der Lüftung nicht die Lösung sein kann", mahnt er. Die Lösung sei keinesfalls die Abkehr vom Passivhausgedanken sondern der Blick auf tatsächlich angemessene Heiztechnik, Kleinwärmepumpen und Lüftung/WRG die zusammen mit wassergeführten Bauteilaktivierungen eine sichere und komfortable Temperierung von Passivhäusern ermöglichen.

Bei Sanierungen von Altbauten summieren sich die Mehrkosten bei einer Sanierung mit Passivhauskomponenten nach Angaben von Zukunft Altbau mittlerweile noch auf schätzungsweise 15 Prozent. Sanierte Altbauten mit Passivhaus-Komponenten könnten einen Heizwärmebedarf von 30 bis 45 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr erreichen, so die Experten. Das entspricht einem Äquivalent von zwischen 3 und 4,5 Litern Heizöl.

Die Auswirkungen auf den Energieverbrauch bei der Einhaltung unterschiedlicher Energiestandards in der Sanierung hat die Ludwigshafener Wohnungsbaugesellschaft GAG untersucht. Sie hat zwei baugleiche Häuser einmal als Niedrigenergieghaus und einmal als Passivhaus saniert. Bei den Endenergiewerten haben sich deutliche Unterschiede ergeben. Der Verbrauch beim Niedrigenergiehaus lag um 20 Prozent höher als beim Passivhaus.

Notwendig ist bei einer schrittweisen Sanierung eines Hauses nach Passivhaus-Standards aber auf jeden Fall die gründliche Beratung durch einen Energieberater oder Architekten. Er kann beispielsweise entscheiden, ob nach einem Austausch der Fenster oder anderen Maßnahmen an der Gebäudehülle eine Lüftungsanlage notwendig ist.

Wer ein neues Haus in Passivhausbauweise errichten will, kann dabei auch auf Fertigbaukonzepte zurückgreifen. Vom Passivhaus Institut zertifizierte Häuser gibt es etwa von Partner Haus. Wochnerhaus hat in einer Ausstellung in Fellbach ebenfalls ein PHI-zertifiziertes Gebäude. Auch andere Fertighaushersteller wie Schwörer oder Baufritz bieten Passivhäuser an. Heizkosten von einem Euro pro Quadratmeter Wohnfläche im Jahr versprechen die LBS Münster und ein Verbund von Holzbauunternehmen, die 81 Fünf AG, mit ihrem Konzept des Fertighauses von der Stange. Die reinen Baukosten liegen je nach Region bei rund 1.350 Euro pro Quadratmeter und damit im Rahmen guter Niedrigenergiehäuser. pgl

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