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ZDB rechnet nach 2009 mit weiteren schwierigen Jahren

Bauverband regt Förderung von Ersatzbaumaßnahmen an

03.03.2010, 17:22

ZDB-Präsident Hans-Hartwig Loewenstein
Verbandspräsident Loewenstein: Das Sanierungstempo im Wohnungsmarkt hat sich beschleunigt. Bild: ZDB

Auch die Bauwirtschaft konnte sich dem Sog der Talfahrt der deutschen Wirtschaft 2009 nicht entziehen, den Konjunkturpaketen zum Trotz. Im Vergleich zu anderen wichtigen Wirtschaftszweigen sei der Rückschlag aber nicht ganz so groß gewesen, berichtete Hans-Hartwig Loewenstein, Präsident des Zentralverbandes Deutsches Baugewerbe (ZDB) in der Frühjahrspressekonferenz des Verbandes. Er zog die Bilanz eines insgesamt schwierigen Baujahres: "Der Umsatz im Bauhauptgewerbe lag im Jahr 2009 bei 82,2 Milliarden Euro. Das entspricht einem Rückgang von vier Prozent. Trotz des Einbruchs im Wirtschaftsbau um neun Prozent ist dieser die umsatzstärkste Sparte geblieben, gefolgt vom öffentlichen Bau, der ein Plus von 3,4 Prozent verzeichnet. Schlusslicht ist der Wohnungsbau mit minus 4,8 Prozent." 

Der Wohnungsbau wurde 2009 stark von der energetischen Gebäudesanierung geprägt. Fast 550.000 Wohnungen sind dem ZDB zufolge im vergangenen Jahr über die KfW-Programme gefördert worden, gut 140 Prozent mehr als noch 2008. Das Sanierungstempo hat sich damit beschleunigt. Auf dieser positiven Zahl solle sich aber die Bundesregierung nicht ausruhen, warnte Loewenstein. Denn die hohe Anzahl der sanierten Wohnungen entspreche lediglich 2,3 Prozent der insgesamt 24 Millionen sanierungsbedürftigen Wohnungen in Deutschland.

Der ZDB unterstützt daher den Beschluss, das CO2-Gebäudesanierungsprogramm nicht zu reduzieren, sondern im Jahr 2010 wie ursprünglich geplant wiederum mit 1,5 Milliarden Euro auszustatten. Diese Größenordnung sollte zudem für die kommenden Jahre verbindlich bleiben, um die nötige Planungssicherheit aller Beteiligten zu gewährleisten. Zum einen könnten die Klimaschutzziele der Bundesregierung ohne eine energieeffiziente Gebäudebewirtschaftung nicht erreicht werden, zum anderen könnten mit einem Investitionsvolumen von einer Milliarde Euro bis zu 20.000 Arbeitsplätze für ein ganzes Jahr geschaffen beziehungsweise gesichert werden.

Neben der Beibehaltung der Höhe der Fördermittel für Neubau und Bestandssanierung wünscht sich der Bauverband eine Förderung von Ersatzbaumaßnahmen – nämlich an der Stelle, wo sich eine Sanierung nicht mehr rechnet und ein Abriss mit anschließendem Neubau rentabler wird. Um den heutigen Ansprüchen an Energieeffizienz von Gebäuden sowie einer zunehmend älteren Bevölkerung gerecht zu werden, gehen die Experten davon aus, dass ein Abriss und qualitativ hochwertiger Neubau manchmal die wirtschaftlichere Alternative sein kann. Vielfach wird deshalb gefordert, den Bestandsersatz auch als eine Variante der Modernisierung zu betrachten. Dementsprechend müssen alle in der Sanierung und Modernisierung einsetzbaren Fördermöglichkeiten wie zinsgünstige Darlehen und Zuschüsse auch bei Ersatzneubau angewandt werden können. Die zügige Umsetzung der förder- und steuerpolitischen Maßnahmen würde die Entwicklung des Wohnungsneubaus wie auch der energetischen Sanierung deutlich beschleunigen, glaubt der ZDB.

In Hinblick auf das Jahr 2010 prognostiziert der Verband einen geringen Umsatzrückgang in der Bauwirtschaft von 0,7 Prozent. Dabei könnte der Wohnungsbau um rund fünf Prozent zulegen, das entspräche dem Vorjahr. "Im Wirtschaftsbau erwarten wir wegen der geringen Kapazitätsauslastung der produzierenden Unternehmen nochmals einen Rückgang um 8,3 Prozent. Der öffentliche Bau kann dank der Konjunkturpakete noch einmal um 6,8 Prozent zulegen, auch wenn die Potenziale aus dem Konjunkturprogramm wegen wegfallender Steuereinnahmen und steigender Ausgaben nicht voll ausgeschöpft werden", sagte Loewenstein. Beklagenswert im Hinblick auf die bauwirtschaftliche Entwicklung seien aber auch die steigenden Arbeits- sowie Materialkosten, wohingegen die Preise kaum Einfluss auf die Umsatzentwicklung gehabt hätten. Die Zahl der Beschäftigten hielt sich 2009 trotz rückläufiger Umsatzentwicklung mit knapp 705.000 Beschäftigen fast genau auf Vorjahresniveau. Die Arbeitslosenzahlen lagen in diesem Winter noch unter denen des Vorjahres.

In diesem Zusammenhang bezog Loewenstein auch zur aktuellen Debatte in den Medien zum Thema "Pfusch am Bau" Stellung: "Zu diesem Qualitätsabbau hat der harte Preiswettbewerb der vergangenen Jahre entscheidend beigetragen. Die Personalkosten mussten in einem Maße sinken, wie es nur über den Einsatz von Subunternehmern und Dumpinglöhnen möglich war." Auch die öffentliche Hand habe zu dieser Entwicklung maßgeblich beigetragen. Die Vergabebestimmungen schrieben das wirtschaftlichste Angebot vor, dabei werde aber im Glauben, mehr Aufträge mit den zur Verfügung stehenden Mitteln vergeben zu können, oft der billigste Bieter beauftragt. Zudem wurden in der öffentlichen Bauverwaltung qualifiziertes Personal abgebaut und aus Mangel an Erfahrung statt Einzelunternehmen oft Generalunternehmer beauftragt, die häufig wiederum billige und teilweise unterqualifizierte Subunternehmer beschäftigten und ihr Bauüberwachungspersonal ausgedünnt haben.

Für das Baujahr 2011 erwartet der Verbandspräsident wegen der auslaufenden Konjunkturprogramme und der zu erwartenden rückläufigen Investitionen der öffentlichen Hand ein weiteres Jahr der Rezession. Der größte Unsicherheitsfaktor sei dabei das Investitionsverhalten der Kommunen, die weiter rückläufige Steuereinnahmen bei gleichzeitig steigenden Soziallasten erwarten. Hinzu kommt erschwerend der desolate Zustand der Straßen nach dem harten Winter. Hier räche sich, dass in vielen Städten und Gemeinden Sanierungen hinausgeschoben wurden und die Substanz mittlerweile strukturell beschädigt ist. Nur die Hälfte der Mittel für den Erhaltungsbedarf wurde in den letzten Jahren investiert. Eine Stabilisierung der kommunalen Investitionshaushalte sei daher ebenso geboten wie eine Belebung des Wohnungsbaus. Ansonsten drohe ein Einbruch der Baukonjunktur, wodurch der für 2010 prognostizierte leichte Wiederanstieg des Bruttoinlandsprodukts verhindert werde, gab Loewenstein zu bedenken. Nicole Allé

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