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"Baustoffindustrie ist in der Pflicht"

Bauherrenverband rät zur Abkehr von Dämmung aus EPS

20.12.2015, 08:30

"Wer heute schlüsselfertig baut und eine Putzfassade möchte, der bekommt fast ausschließlich Fassaden mit einem Wärmedämmverbundsystem aus Polystyrol. Wird Polystyrol, das mit HBCD als Brandschutzmittel versehen ist, demnächst tatsächlich nach den Regelungen für gefährliche Abfälle behandelt, dann haben Bauherren ein Problem", findet Thomas Penningh, Präsident des Verbands Privater Bauherren deutliche Worte. "Hunderttausende Bauherren hätten dann mit einem Federstrich Sondermüll auf der Fassade", sagt er.

Seit Jahren werden Wohnhäuser, speziell schlüsselfertige Objekte, mit Polystyrol gedämmt. Der Fassadenaufbau aus dünner Außenwand und gleichdicker Dämmschicht gilt im Schlüsselfertigbau als alternativlos. Die Baufirmen schätzen das Material, es ist leicht zu handhaben und kann auch mal im Regen liegen. "Die meisten Bauherren schauen natürlich auf den Preis. Alternativen bekommen sie meist nicht genannt. Sie erkaufen sich Energieeffizienz und damit ja auch den Umweltschutz durch den Einsatz oft umweltbedenklicher Produkte", resümiert Thomas Penningh die Situation.

Kritik am Material wurde vor einiger Zeit laut, weil Polystyrol schnell Feuer fängt. Inzwischen sind weitere Bedenken hinzugekommen, nämlich Biozide, die dem Material zugesetzt werden, um Algen- und Schimmelpilzbildung auf den gedämmten Hausfassaden zu verhindern."Um Wärmedämmung kommt aber niemand herum", gibt der VPB-Präsident zu bedenken. "Die ab Januar geltende nächste Stufe der Energieeinsparverordnung (EnEV) wird das Problem zusätzlich verschärfen. Wer schon im Haus wohnt, der kann nichts mehr machen, wer aber noch im Planungsstadium ist, der kann sich noch nach Alternativen umsehen."

Bei Fassaden kommen im Massivbau als alternative Dämmstoffe Mineral- und Holzfaserplatten oder gedämmte Steine infrage. Die Materialien sind auf dem Markt, haben aber, neben höheren Kosten, auch Nachteile: Mineral- oder Holzfaserplatten erreichen nicht die gleichen Dämmwerte bei gleicher Stärke wie der Kunststoff. Sie müssen entsprechend dicker ausfallen, was wiederum andere Zuschnitte und Befestigungen erfordert. Die gedämmten Steine lassen sich ebenfalls nicht nach Belieben zuschneiden. Deshalb gibt es für Ecken und Aussparungen Sondersteine, deren Einsatz muss aber genau geplant werden. Das alles treibt die Kosten. Viele Firmen bieten es gar nicht erst an. "Und solange die Bauherren nicht nach Alternativen fragen, wird sich das auch nicht ändern."

"Wir als Verbraucherschutzverband sehen hier auch die Baustoffindustrie in der Pflicht", konstatiert Bausachverständiger Penningh. "Wir brauchen keine weiteren Neuentwicklungen auf Erdölbasis, keine Kleber oder Schäume, die Mörtel ersetzen. Wir brauchen vielmehr nachhaltige Produkte, die die Umwelt schonen und sich nach Jahrzehnten wieder recyceln lassen. Die bereits vorhandenen ökologischen Materialien können dazu noch erheblich verbessert werden. Das ist ein großer Markt!"

Wer jetzt sein Haus plant, der sollte sich vom unabhängigen Experten über Alternativen beraten lassen. "Zumindest für die Dämmung des Daches sind die ökologischen Baustoffe gut geeignet. Dazu zählen Flachs, Hanf, Jute, Zellulose, Holzfaser oder sogar Schafwolle", listet Thomas Penningh auf. "Allerdings sollten die Bauherren auch hier genau hinschauen, denn oft sind Dämmstoffe wie die Wolle dann wieder mit Flammschutzmitteln ausgerüstet, und die schränken den ökologischen Wert des Produkts wieder ein. Es lohnt sich deshalb, auf Qualitätssiegel zu achten, wie etwa Natureplus oder mindestens den Blauen Engel." Quelle: VPB / pgl

Eine Verwendung dieses Textes durch Dritte ist kostenpflichtig. Eine Lizenzierung ist möglich. Bitte nehmen Sie bei Fragen Kontakt auf.

Kommentare zur Meldung

Kommentare 1 - 4 von 4.

HJ Werner - 01.06.2016, 14:47

Warum gerade EnBauSa immer wieder eine Plattform bietet, um längst überholte "Meinungen" einzelner Unwissender abzudrucken, ist mir ein Rätsel.
Und als Ergänzung zu den vorliegenden Richtigstellungen vielleicht noch ein Hinweis: "Lieber Herr Penningh, Polystyrol fängt auch nicht schnell Feuer, schneller geht es aber bei Holzhäusern und vielen nachwachsenden Dämmstoffen".

Kommentar der Redaktion:
Lieber Herr Werner,
darauf eine kurze Antwort: Weil es zu diesem Thema unterschiedliche Meinungen gibt und der in unserem Beitrag zitierte Verband Privater Bauherren kein "einzelner Unwissender" ist kommt Herr Penningh bei uns zu Wort. Unterschiedliche Meinungen bilden wir ab. Das ist unsere Pflicht als Journalisten, und das schätzen unsere Leserinnen und Leser.

Arnold Drewer - 09.02.2016, 11:07

in Polystyrol-Platten ist schon seit 2 Jahren kein HBCD mehr enthalten.
Auch enthalten die Dämmplatten keine Herbizide/Pestizide gegen Algebnbildund. Das würde auch keinen Sinn machen, wachsen die Algen doch auf der Putzschicht. Es gibt allerdings Putze mit zugesetzten Bioziden (auch auf WDVS auf der Basis von Steinwolle oder Holzweichfaserplatten). Wer die nicht möchte, muss konstruktiven Feuchteschutz betreiben (z.B. Dachüberstand)

Ulrich Krenn - 07.01.2016, 10:36

Die im IVH (Industrieverband Hartschaum) organisierten EPS-Hersteller haben bereits Anfang 2015(!) ihre Produkte auf das neue, unbedenkliche Flammschutzmittel "PolyFR" umgestellt. Bereits seit dem 21. August 2015 ist HBCD nach einer neuen EU-Verordnung (REACH)generell verboten; es darf nicht mehr hergestellt und eingesetzt werden.
Ergänzende Information zu Bestandsbauten:HBCD ist in die Struktur des EPS-Rohstoffes fest eingebaut und tritt in der Praxis beim Brechen, Sägen oder (Heißdraht)Schneiden nicht aus. HBCD ist nicht ab- oder auswaschbar und dünstet aus im Verkehr befindlichen EPS-Dämmplatten nicht aus.
Auch NACH einer kommenden neuen Einstufung nach europäischem Abfallschlüssel kann Polystyrol-Abfall mit HBCD weiter thermisch in Müllverbrennungsanlagen, die über eine entsprechende Genehmigung verfügen, verwertet werden.
Ulrich Krenn
Sprecher Qualitätsgedämmt e.V.

Konrad Fischer - 23.12.2015, 10:20

Teuerste Dämmstoffsysteme alternativlos empfehlen - fehlt dem VPB jegliches Wissen von Wirtschaftlichkeitsgebot und schuldrechtlich einklagbarer Pflicht auf wirtschaftliche Beratung des Bauherrn auch hinsichtlich § 5 EnEG und § 25 EnEV gerade bei Energiesparinvestitionen? Dummheit oder Absicht?, das ist doch die Frage, die sich hier fast von selber stellt.

Konrad Fischer
EnEV-Sachverständiger

 

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